Wahl­kampf à la Mer­kel

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Hen­drik Groth h.groth@schwa­ebi­sche.de

Dass fünf Mo­na­te vor der Bun­des­tags­wahl der Wahl­kampf in Deutsch­lands wich­tigs­tem Par­la­ment Ein­zug hält, ist nor­mal. Letzt­lich über­ra­schend ist den­noch, wie ein­fach es die Op­po­si­ti­on der Kanz­le­rin ge­macht hat, sich den Wäh­lern als Re­gie­rungs­che­fin von For­mat zu emp­feh­len. Im Ber­li­ner Reichs­tag ging es um den EU-Aus­tritt der Bri­ten und auch um die Si­tua­ti­on in der Tür­kei. US-Prä­si­dent Do­nald Trump und die Wah­len in Frank­reich muss­ten gar nicht mehr ex­pli­zit the­ma­ti­siert wer­den.

Der lan­gen Re­de kur­zer Sinn: Es gab – an­ders als heu­te – schon Jah­re oder Si­tua­tio­nen, in de­nen in­ter­na­tio­nal die Kri­sen und Pro­ble­me über­schau­ba­rer wa­ren und die kei­ne di­rek­ten Aus­wir­kun­gen auf die Deut­schen hat­ten. In ei­ner sol­chen La­ge gei­ßel­te die Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­ring-Eckardt die Ab­gastrick­se­rei­en der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Ein­ver­stan­den, die Die­sel­prak­ti­ken sind mehr als ein Är­ger­nis, aber der­zeit geht es um die fun­da­men­ta­le Aus­rich­tung und um die Exis­tenz der Eu­ro­päi­schen Uni­on. Im In­ne­ren wie im Äu­ße­ren. Dass Lin­ken-Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht au­ßer ideo­lo­gi­schen Phra­sen auch nichts Wei­te­res bei­zu­steu­ern hat­te, zeigt, dass rot-rot-grü­ne Plan­spie­le vor al­lem au­ßen­po­li­tisch ins Nir­gend­wo füh­ren.

Die in letz­ter Zeit auch in ih­rer CDU um­strit­te­ne An­ge­la Mer­kel konn­te hin­ge­gen mit ih­rer nüch­ter­nen Ana­ly­se punk­ten. Oh­ne Bri­ten und Tür­ken die Tür vor der Na­se zu­zu­schla­gen, de­fi­nier­te sie für Deutsch­land und die EU die po­li­ti­schen Leit­plan­ken für die kom­men­den Mo­na­te. An Klar­heit ließ sie es da­bei nicht man­geln, auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Tat­sa­che, dass Lon­don wie An­ka­ra Na­to-Part­ner sind. So warn­te sie Groß­bri­tan­ni­en vor Il­lu­sio­nen, wenn es um die Frei­zü­gig­keit von EU-Bür­gern oder den Zu­gang zum Bin­nen­markt geht, und sie for­der­te rechts­staat­li­che Nor­men in der Tür­kei ein. Die SPD steht für die­se Po­li­tik und sie wird in die­sen we­sent­li­chen Punk­ten der Kanz­le­rin nicht in die Pa­ra­de fah­ren kön­nen. Mer­kel kommt lang­sam in den Wahl­kampf­mo­dus.

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