38-Jäh­ri­ger züch­tet meh­re­re Can­na­bis-Pflan­zen

Sig­ma­rin­ger Amts­ge­richt ver­ur­teilt ihn zu ei­ner Geld­stra­fe in Hö­he von 1250 Eu­ro – Ex-Freun­din zeigt ihn an

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Patrick Laabs

RUND UM SIGMARINGEN - Das Amts­ge­richt Sigmaringen hat ei­nen 38 Jah­re al­ten Mann aus ei­ner Ge­mein­de bei Sigmaringen zu ei­ner Geld­stra­fe in Hö­he von 1250 Eu­ro ver­ur­teilt, weil die­ser in den Jah­ren 2015/16 meh­re­re Can­na­bis-Pflan­zen für den Ei­gen­be­darf ge­züch­tet hat­te.

Dem An­ge­klag­ten wur­de sei­tens der Staats­an­walt­schaft vor­ge­wor­fen, im Jahr 2015 sie­ben Can­na­bis-Pflan­zen an­ge­baut und die­se an­schlie­ßend selbst kon­su­miert zu ha­ben. Bei ei­ner Haus­durch­su­chung im Sep­tem­ber 2016 ha­be die Po­li­zei zu­dem ei­ne Can­na­bis-Pflan­ze si­cher­ge­stellt.

Vor Ge­richt gab der 38-Jäh­ri­ge so­fort zu, die ei­ne Pflan­ze selbst an­ge­baut zu ha­ben. Er ha­be tes­ten wol­len, wie gut der Konsum von Ma­ri­hua­na ge­gen sei­ne Rü­cken­be­schwer­den wir­ke, die er seit 2011 ha­be. Er neh­me dau­er­haft star­ke Mor­phi­um-Ta­blet­ten: „Aber da­mit un­ter­hal­te ich ja nur die Phar­ma-In­dus­trie“, sag­te er. Er be­stritt aber, im Jahr 2015 auch Can­na­bis-Pflan­zen ge­züch­tet zu ha­ben. Sei­ne da­ma­li­ge Freun­din hat­te ihn im Jahr 2016 an­ge­zeigt und bei der Po­li­zei ent­spre­chen­de Aus­füh­run­gen ge­macht. En­de 2015 hat­ten sich die bei­den ge­trennt.

Rich­te­rin Na­di­ne Zie­her woll­te vom An­ge­klag­ten wis­sen, wes­halb er denn die Wän­de auf sei­nem Dach­bo­den mit spe­zi­el­ler Fo­lie aus­ge­klebt ha­be: „Für die To­ma­ten“, ant­wor­te­te die­ser. Er ha­be ei­nen gro­ßen Gar­ten und baue viel Ge­mü­se an. „Manch­mal müs­sen die Pflan­zen eben – wie in die­sem Jahr ja auch – noch im Früh­jahr ge­schützt wer­den“, sag­te er. Auf Nach­fra­ge be­stritt er eben­falls, ei­ne Lam­pe mit künst­li­chem Licht ver­wen­det zu ha­ben.

Die Ex-Freun­din muss­te al­so als Zeu­gin ver­nom­men wer­den. Sie schil­der­te, dass sich ihr da­ma­li­ger Freund Sa­men zur Auf­zucht von Can­na­bis-Pflan­zen im In­ter­net be­stellt und drei bis vier Pflan­zen ge­züch­tet ha­be. Sie ha­be auch ge­le­gent­lich ei­nen Jo­int mit ihm ge­raucht. Der An­ge­klag­te ha­be auch ei­ne Lam­pe mit künst­li­chem Licht be­nutzt, um den Auf­zucht-Er­folg zu ver­grö­ßern. „Egal, wo die Pflan­zen stan­den, ob im Wohn­zim­mer oder auf dem Dach­bo­den: Die Lam­pe war im­mer da­bei“, sag­te sie. Sie ha­be auch ein­mal ei­ne Pflan­ze in den Wald ge­wor­fen, aus Angst, die ge­mein­sa­me Toch­ter könn­te zu­viel da­von mit­be­kom­men.

Rich­te­rin Zie­her woll­te von der Zeu­gin wis­sen, wes­halb sie bei der po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung im ver­gan­ge­nen Jahr an­ge­ge­ben hat­te, dass der An­ge­klag­te sie­ben Pflan­zen auf­ge­zo­gen ha­be. Jetzt sei­en es schließ­lich nur noch drei oder vier ge­we­sen. „Ach, ich war zu dem Zeit­punkt sehr wü­tend auf mei­nen Ex-Freund“, sag­te sie. Sie ha­be von al­len Sei­ten schlech­te Din­ge über ihn ge­hört. Heu­te sei das Ver­hält­nis wie­der ent­spann­ter.

Der Staats­an­walt sah die Zeu­gin als glaub­wür­dig an und for­der­te ei­ne Geld­stra­fe von 1250 Eu­ro. Der An­ge­klag­te, der sich selbst ver­tei­dig­te, hielt bei sei­nem Schluss­vor­trag 800 Eu­ro für tat- und schuld­an­ge­mes­sen. Zie­her konn­te der Ar­gu­men­ta­ti­on des Staats­an­walts bes­ser fol­gen und ver­ur­teil­te den 38-Jäh­ri­gen für die Auf­zucht von vier Pflan­zen zu ei­ner Geld­stra­fe in Hö­he von 1250 Eu­ro (50 Ta­ges­sät­ze zu je 25 Eu­ro).

FO­TO: OLI­VER BERG/DPA

Weil er ei­ni­ge Can­na­bis-Pflan­zen für den Ei­gen­ge­brauch ge­züch­tet hat, muss ein 38-Jäh­ri­ger ei­ne Geld­stra­fe zah­len.

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