Rat­haus-Um­zug: Es gibt kei­ne ein­heit­li­che Mei­nung

Bür­ger be­män­geln feh­len­de In­for­ma­tio­nen zu Um­bau­kos­ten in der Beiz­ko­fer Stra­ße

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

HOHENTENGEN - Knapp 100 in­ter­es­sier­te Bür­ger sind am Mitt­woch­abend in Gö­ge-Hal­le ge­kom­men, um sich über ei­nen mög­li­chen Um­zug des Ho­hen­ten­ger Rat­hau­ses an die Stei­ge in der Orts­mit­te zu in­for­mie­ren. Die Stel­lung­nah­men der Bür­ger reich­ten von voll­kom­me­ner Ak­zep­tanz der Idee, das Volks­bank­ge­bäu­de zum Rat­haus aus­zu­bau­en bis zur kom­plet­ten Hin­ter­fra­gung, ob über­haupt ein neu­es Rat­haus not­wen­dig sei. Be­reits am kom­men­den Mitt­woch will der Ge­mein­de­rat ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung zum Um­zug des Rat­hau­ses fäl­len.

Bür­ger­meis­ter Pe­ter Rai­ner hat­te den An­we­sen­den zu­nächst er­klärt, dass die Ge­mein­de durch die Auf­sto­ckung der Mit­tel zur Orts­kern­sa­nie­rung und be­ste­hen­de Rück­la­gen nun in der La­ge sei, so­gar ei­nen Rat­haus­neu­bau zu stel­len. Da­durch, dass die Volks­bank ihr Ge­bäu­de in der Stei­ge gern auf­ge­ben und als Mie­ter in die Al­te Schu­le ein­zie­hen möch­te, für die es ei­nen In­ves­tor gibt, sei jetzt der rich­ti­ge Zeit­punkt, sich mit dem The­ma zu be­fas­sen. Drei Va­ri­an­ten für ein Rat­haus in der Orts­mit­te hat die Ver­wal­tung ge­mein­sam mit dem Ar­chi­tek­tur­bü­ro Mül­ler er­ar­bei­tet: der Um­bau des Volks­bank­ge­bäu­des zum Rat­haus bei gleich­zei­ti­gem Ver­kauf der Al­ten Schu­le an den In­ves­tor und Ein­zug der Volks­bank, die Sa­nie­rung der Al­ten Schu­le zum Rat­haus (da­bei wä­re ein An­bau nö­tig) und den Ab­riss der Al­ten Schu­le um Platz für ei­nen kom­plett neu­en Rat­haus­bau zu schaf­fen. Rai­ner stell­te die drei Va­ri­an­ten mit ih­ren Vor- und Nach­tei­len so­wie den Kos­ten vor (die SZ be­rich­te­te be­reits aus der Ge­mein­de­rats­sit­zung dar­über).

Ver­gleich zu al­tem Rat­haus fehlt

Lei­der hat­te es der Bür­ger­meis­ter ver­säumt, die Nutz­flä­che des be­ste­hen­den Rat­haus­ge­bäu­des in der Beiz­ko­fer Stra­ße in Re­la­ti­on zu den drei Va­ri­an­ten zu set­zen. Auch fehl­te ei­ni­gen Bür­gern der Ver­gleich, wie teu­er es wer­den wür­de, wenn die­ses Ge­bäu­de nach den ak­tu­el­len An­for­de­run­gen von Brand­schutz und Bar­rie­re­frei­heit so­wie den Platz­be­dürf­nis­sen um­ge­baut oder mit ei­nem An­bau ver­se­hen wür­de. „Ich hof­fe, dass der Ge­mein­de­rat dar­auf drängt, dass man sich auch das al­te Rat­haus an­sieht und was man dort ma­chen kann“, sag­te Her­bert Kno­bel­spieß. Bür­ger­meis­ter Rai­ner stand ei­nem wei­te­ren Gut­ach­ten ab­leh­nend ge­gen­über. „Nach gro­ben Schät­zun­gen ge­hen wir da­von aus, dass ein Um­bau in der Beiz­ko­fer Stra­ße min­des­tens so teu­er wür­de wie die Sa­nie­rung des Volks­bank­ge­bäu­des“, sag­te er. „Au­ßer­dem liegt das jet­zi­ge Rat­haus nicht im Sa­nie­rungs­ge­biet.“Wä­re das Ziel, das Rat­haus in die Orts­mit­te zu ver­le­gen, müs­se sei­nes Erach­tens kein Gut­ach­ten er­stellt wer­den.

Orts­durch­fahrt vor­an­trei­ben

Nicht nur Wal­traud Mad­le­ner mach­te ih­rer Ent­tä­su­chung Luft, dass nun wie­der ein an­de­res Pro­jekt der Orts­durch­fahrt und dem für den Schul­weg so wich­ti­gen Geh­weg in Völlkofen in die Que­re kom­me. Auch an­de­re be­fürch­te­ten, dass wich­ti­ge an­ste­hen­de Maßnha­men für das Rat­haus zu­rück­ste­hen müss­ten. Das ver­nein­te Rai­ner und ver­sprach, die Orts­durch­fahrt so schnell wie mög­lich vor­an­zu­trei­ben.

Auch, wenn Rai­ner deut­lich mach­te, dass sich die Ge­mein­de­rä­te schon seit Mo­na­ten nicht-öf­fent­lich mit dem The­ma be­schäf­ti­gen, fühl­ten sich ei­ni­ge Bür­ger von der Nach­richt über­rum­pelt, dass der Ge­mein­de­rat be­reits am Mitt­woch ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung zur Ver­le­gung des Rat­hau­ses tref­fen soll. „Erst heißt es, die Dis­kus­si­on kann be­gin­nen und die Bür­ger wer­den mit­ein­be­zo­gen und dann ist die Dis­kus­si­on schon nach ei­ner Wo­che um“, är­ger­te sich Ru­dolf Fi­scher. An­de­re, wie et­wa Hil­de­gard Frank, sa­hen in der Mög­lich­keit, das Rat­haus im Volks­bank­ge­bäu­de un­ter­zu­brin­gen und die Al­te Schu­le der Volks­bank und ih­rem In­ves­tor zu über­las­sen, als gu­te Lö­sung an. Es wur­de auch deut­lich, dass ein Ab­riss der Al­ten Schu­le für ei­nen Rat­haus­neu­bau wohl nicht in­fra­ge kommt. Am En­de fass­te Ge­mein­de­rat Pe­ter Löff­ler tref­fend zu­sam­men, vor wel­chem Di­lem­ma der Ge­mein­de­rat ste­hen wird: „Aus wirt­schaft­li­cher Sicht wür­de ich mich für die Volks­bank ent­schei­den, aus emo­tio­na­ler für die Al­te Schu­le.

FO­TO: JEN­NI­FER KUHL­MANN

In­ter­es­siert ver­fol­gen die Bür­ger die Aus­füh­run­gen von Bür­ger­meis­ter Pe­ter Rai­ner zur Ver­le­gung des Rat­hau­ses an die Stei­ge.

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