Neue Klein­wa­gen we­cken gro­ße Er­war­tun­gen

Au­to­bau­er rüs­ten tech­nisch nach, um dem Kern­seg­ment fri­schen Schwung zu ver­lei­hen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - AUTO & VERKEHR - Von Tho­mas Gei­ger

KÖLN/BERGISCH GLADBACH (dpa) Der Klein­wa­gen kommt wie­der groß raus. Zwar fei­ert die PS-Bran­che wei­ter­hin den Boom der Ge­län­de­wa­gen und rei­tet auf der Cross­over-Wel­le. Doch nach wie vor ent­fällt laut Ana­lys­ten et­wa je­de vier­te Neu­zu­las­sung in Eu­ro­pa auf ei­nen Stadt­flit­zer wie VW Po­lo oder Re­nault Clio. „Des­halb sind die Her­stel­ler gut be­ra­ten, die­ses Seg­ment nicht aus den Au­gen zu ver­lie­ren“, sagt Au­to­mo­bil­wirt­schaft­ler Ste­fan Brat­zel von der Fach­hoch­schu­le der Wirt­schaft (FHDW) in Bergisch-Gladbach. Die­se Mah­nung ist in den Vor­stands­eta­gen in Wolfs­burg, Köln, Seo­ul oder Bar­ce­lo­na of­fen­bar an­ge­kom­men. Denn al­ler­or­ten be­rei­ten die Her­stel­ler ge­ra­de die Pre­mie­ren neu­er Mo­del­le vor, die dem zu­letzt et­was ver­schla­fe­nen Kern­seg­ment fri­schen Schwung ver­lei­hen sol­len.

Da­bei set­zen sie nicht al­lein auf die Ver­füh­rungs­kraft des De­signs, son­dern rüs­ten auch tech­nisch nach. Das Seg­ment ist zwar laut Brat­zel sehr preis­sen­si­bel, weil vie­le Klein­wa­gen als Zweit­fahr­zeu­ge oder von fi­nanz­schwa­chen Fa­mi­li­en ge­kauft wer­den. Den­noch ho­len die Au­to­bau­er Sys­te­me aus den hö­he­ren Klas­sen in ih­re neu­en Mo­del­le. Das ist auch nö­tig, glaubt Brat­zel. „Denn vor al­lem bei The­men wie dem In­fo­tain­ment und der Con­nec­tivi­ty sind die Klas­sen­schran­ken längst ge­fal­len.“

Sys­te­me aus der Kom­pakt­klas­se

Das bes­te Bei­spiel da­für lie­fert in die­sem Som­mer der VW-Kon­zern, der für sei­ne neue Klein­wa­gen­ge­ne­ra­ti­on die Platt­form der Kom­pakt­mo­del­le nach un­ten er­wei­tert hat. „Die­se neue Ar­chi­tek­tur macht al­le Er­run­gen­schaf­ten von Golf und Co auch für die Klas­se dar­un­ter ver­füg­bar“, sagt Ent­wick­lungs­vor­stand Frank Welsch. Den ers­ten Be­weis da­für tritt im Ju­ni der neue Seat Ibi­za an: Er bie­tet nach Her­stel­ler­an­ga­ben trotz ge­schrumpf­ter Ab­mes­sun­gen nicht nur mehr Platz als bis­her, son­dern kommt auch mit ei­ner neu­en Ge­ne­ra­ti­on von In­fo­tain­ment-Sys­te­men mit gro­ßem Touch­screen und elek­tro­ni­schen Er­run­gen­schaf­ten wie LED-Schein­wer­fern. Und das ist nur das Vor­spiel, heißt es bei der Kon­zern­mut­ter in Wolfs­burg. Denn mit dem Ibi­za läuft sich VW warm für den zum Herbst ge­plan­ten Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel des Po­lo, der nach An­ga­ben von Welsch eben­falls auf die neue Ar­chi­tek­tur wech­selt und ähn­li­che Vor­tei­le bie­ten soll.

Auch der Ford Fies­ta probt den Auf­stieg: Wenn im Som­mer die ach­te Ge­ne­ra­ti­on des Köl­ner Klein­wa­gens kommt, wird es ihn nach An­ga­ben des Her­stel­lers mit neu­en As­sis­tenz­sys­te­men – von der Fuß­gän­ger­er­ken­nung bis zur Ein­park­au­to­ma­tik – ge­ben. Und er rollt in zwei völ­lig neu­en Mo­dell­va­ri­an­ten vor. Für die Aben­teu­rer im All­tag legt Ford den am SUV ori­en­tier­ten Ac­tive auf. Ver­wöhn­te Klein­wa­gen­kun­den kön­nen erst­mals zur Lu­xus­ver­si­on Vi­gna­le grei­fen. Da sich die Di­ver­si­fi­zie­rung des Klein­wa­gen­seg­ments wei­ter fort­set­ze, wer­de auch die nächs­te Fies­ta-Ge­ne­ra­ti­on va­ri­an­ten­rei­cher – „für die im­mer zahl­rei­che­ren Fans von Cross­over-Ver­sio­nen bis hin zu Käu­fern, die sich be­wusst für ein kom­pak­te­res Mo­dell ent­schei­den, aber die Qua­li­tät ei­nes teu­re­ren Fahr­zeugs er­war­ten“, recht­fer­tigt Eu­ro­pa-Chef Jim Far­ley die­sen Schritt. Dass der Fies­ta da­bei et­was teu­rer wird und künf­tig bei 12 950 Eu­ro star­tet, tut der Zu­ver­sicht kei­nen Ab­bruch. Nicht um­sonst ha­ben die Köl­ner für knau­se­ri­ge Klein­wa­gen­kun­den im letz­ten Jahr den ähn­lich gro­ßen, aber deut­lich bil­li­ge­ren Ka+ auf­ge­legt.

Preis­wer­te Al­ter­na­ti­ve

To­yo­ta will in den nächs­ten Wo­chen den über­ar­bei­te­ten Ya­ris in den Han­del brin­gen. Kia fo­kus­siert sich auf die neue Ge­ne­ra­ti­on des Rio, der ab 11 690 Eu­ro auf­wärts kos­tet und ähn­lich wie Po­lo & Co ei­nen deut­li­chen Schritt nach oben macht. Dem Her­stel­ler zu­fol­ge wird er nun eben­falls mit Touch­screen-Na­vi­ga­ti­on und Not­brems­as­sis­tent mit Fuß­gän­ger­er­ken­nung aus­ge­lie­fert. Wer den Auf­stieg nicht mit­ma­chen möch­te, dem bie­tet auch Kia ei­ne preis­wer­te Al­ter­na­ti­ve: Kurz nach dem Rio star­tet für 9990 Eu­ro sein klei­ner Bru­der Pi­can­to in die nächs­te Run­de.

So laut und bunt die Pre­mie­ren­par­ty bei den Klein­wa­gen auch sein mag: In Zu­kunft wer­den die Her­aus­for­de­run­gen grö­ßer, mahnt Brat­zel. „Denn die Mar­gen für Klein­wa­gen sind nied­rig, aber die An­sprü­che wer­den im­mer hö­her.“Das gilt nicht zu­letzt für die An­trie­be. „Denn für die künf­ti­ge Mo­bi­li­tät in Städ­ten und Bal­lungs­ge­bie­ten wird die Elek­tri­fi­zie­rung von Klein­wa­gen ein wich­ti­ges Ele­ment sein.“Dann geht es nicht nur um Elek­tro­nik­bau­stei­ne und Aus­stat­tungs­op­tio­nen aus grö­ße­ren Mo­del­len, son­dern auch um Ak­kus und Elek­tro­mo­to­ren.

FO­TO: FORD

Klein­wa­gen, aber bit­te oh­ne Ver­zicht: Au­to­bau­er bie­ten heut­zu­ta­ge auch sehr lu­xu­ri­ös aus­ge­stat­te­te Ver­sio­nen an, wie et­wa Ford beim neu­en Fies­ta die Lu­xus­ver­si­on Vi­gna­le.

FO­TO: KIA

Flot­ter Flit­zer für den klei­ne­ren Geld­beu­tel: Der neue Kia Pi­can­to, der klei­ne Bru­der des Rio, ist ab 9990 Eu­ro zu ha­ben.

FO­TO: TO­YO­TA

Mo­dell­pfle­ge: To­yo­ta will in den nächs­ten Wo­chen den über­ar­bei­te­ten Ya­ris in den Han­del brin­gen.

FO­TO: KIA

Neue Ge­ne­ra­ti­on: Der Kia Rio macht ei­nen Schritt nach oben.

FO­TO: SEAT

Ge­räu­mig: Der Seat Ibi­za soll mehr Platz als bis­lang bie­ten.

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