Wie sich Feh­ler auf dem Mo­tor­rad am bes­ten ver­mei­den las­sen

Die Ge­fahr, bei ei­nem Un­fall zu ster­ben, ist auf dem Zwei­rad 18-mal hö­her als in ei­nem Au­to

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - AUTO & VERKEHR - Von Fa­bi­an Ho­berg

BONN (dpa) - Mo­tor­rad­fah­rer le­ben ge­fähr­lich. Oh­ne Schutz­hül­le, Gurt und Air­bag tra­gen sie bei Un­fäl­len ein be­son­ders ho­hes Ri­si­ko. Vor al­lem un­er­fah­re­ne Bi­ker sind häu­fig be­trof­fen. So wapp­nen sie sich am bes­ten ge­gen die Ge­fah­ren.

Der As­phalt scheint grif­fig, die Kur­ve wie mit ei­nem Zir­kel ge­zo­gen. Ide­al für das Mo­tor­rad. Doch der Bi­ker fährt zu schnell, kommt zu weit nach au­ßen und stürzt. Das kann leicht töd­lich en­den: Nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ist die Ge­fahr, bei ei­nem Un­fall zu ster­ben, auf dem Zwei­rad 18-mal hö­her als in ei­nem Au­to.

Zwar wer­den über 40 Pro­zent der Un­fäl­le durch Au­to­fah­rer ver­ur­sacht. Aber Bi­ker sind häu­fig auch selbst schuld. An­fän­ger über­schät­zen sich leicht, sagt Jür­gen Ben­te vom Deut­schen Ver­kehrs­si­cher­heits­rat (DVR). Nicht nur beim Tem­po, son­dern auch beim Kur­ven­fah­ren und Brem­sen. „Vor­der- und Hin­ter­rad­brem­sen zu syn­chro­ni­sie­ren, ist gar nicht so ein­fach, das muss ge­übt wer­den.“Meist brems­ten An­fän­ger hin­ten stark und vor­ne zu schwach, so dass das Mo­tor­rad in­sta­bil wer­de.

Er rät nach ein paar Mo­na­ten Fahr­pra­xis zu ei­nem Si­cher­heits­trai­ning. „Die In­struk­to­ren er­klä­ren da­bei kor­rek­tes und si­che­res Brem­sen – vie­le Mo­tor­rad­fah­rer schei­nen da­vor Angst zu ha­ben“, sagt Ben­te. Eben­so wie vor gro­ßen Schräg­la­gen in Kur­ven. „Die in­ne­re Hemm­schwel­le liegt bei et­wa 20 Grad Schräg­la­ge, da­bei schaf­fen mo­der­ne Fahr­wer­ke und Rei­fen weit­aus mehr als 30 Grad.“War­um das wich­tig ist? Fah­ren Bi­ker zu schnell in ei­ne Kur­ve, kann mit mehr Schräg­la­ge der Ra­di­us ver­klei­nert wer­den und der Fah­rer oh­ne Bles­su­ren aus der Kur­ve kom­men. „Si­che­rer wä­re na­tür­lich, die Ge­schwin­dig­keit schon vor der Kur­ve zu re­du­zie­ren.“Um flüs­sig und sau­ber zu fah­ren, rät er, auf ei­ner lang­sa­men Tour den ei­ge­nen Fahr­fluss zu be­ob­ach­ten. Oder vor ei­nem rou­ti­nier­ten Be­kann­ten zu fah­ren, der nach der Tour ein Feed­back gibt.

Ris­kan­ter Wie­der­ein­stieg

Das emp­fiehlt auch Micha­el Len­zen vom Bun­des­ver­band der Mo­tor­rad­fah­rer. Auch er weiß, dass die Freu­de über den be­stan­de­nen Füh­rer­schein da­zu ver­lei­ten kann, sich selbst zu über­schät­zen. Das tref­fe auch auf Wie­der­ein­stei­ger zu, die nach Jah­ren der Ab­sti­nenz auf ei­ne Ma­schi­ne klet­tern. Ris­kan­tes Über­ho­len, ab­rup­te Fahr­wech­sel, das Ein­schät­zen von Fahr­si­tua­tio­nen und Stre­cken so­wie die Blick­füh­rung und die Kur­ven­li­nie sei­en Feh­ler­quel­len.

Für mehr Si­cher­heit sei auch die rich­ti­ge Sitz­po­si­ti­on wich­tig, da­mit der Fah­rer ei­nen gu­ten und un­ver­krampf­ten Kon­takt zum Mo­tor­rad hat und lo­cker un­ter­wegs ist. Len­zen emp­fiehlt häu­fi­ges Üben ab­seits des Stra­ßen­ver­kehrs auf gro­ßen Park­plät­zen. Be­son­ders wich­tig sei­en da­bei die Grund­übun­gen: das Fah­ren von Krei­sen und Ach­ten, Sla­lom und Brems­übun­gen. Auch von lan­gen Tou­ren rät er am An­fang ab.

Gut be­ra­ten sind Mo­tor­rad­fah­rer da­mit, ihr ei­ge­nes Kön­nen im­mer wie­der in­fra­ge zu stel­len, sagt Mat­thi­as Haas­per vom In­sti­tut für Zwei­rad­si­cher­heit (Ifz): „Wo ha­be ich mich bei der letz­ten Aus­fahrt viel­leicht über­schätzt, wo wur­de es eng, even­tu­ell so­gar ge­fähr­lich. Was könn­te ich bes­ser ma­chen, um si­che­rer un­ter­wegs zu sein?“Das Über­den­ken der ei­ge­nen Si­cher­heit sei ei­ne gu­te Vor­aus­set­zung, neue Ver­hal­tens­wei­sen auf­zu­bau­en. An­fän­gern sei häu­fig nicht be­wusst, dass sie schnell über­se­hen wer­den. Die schma­le Mo­tor­rad-Sil­hou­et­te löst oft­mals kei­ne Re­ak­ti­on bei Au­to­fah­rern aus. „De­fen­siv fah­ren so­wie auf­merk­sam und brems­be­reit blei­ben, lau­tet das Mot­to“, so Haas­per.

Doch schon vor der ers­ten Fahrt kön­nen Feh­ler ge­macht wer­den – beim Kauf. „Wenn das Mo­tor­rad zu hoch ist oder der Len­ker zu weit vor­ne liegt, kann der Fah­rer ver­kramp­fen und er wird mit der Ma­schi­ne we­nig Freu­de ha­ben“, sagt Ben­te. Vor der Pro­be­fahrt soll­ten des­halb bei durch­ge­drück­ten Bei­nen bei­de Fuß­soh­len den Bo­den be­rüh­ren, wäh­rend der Pi­lot lo­cker auf der Sitz­bank hockt. „Für An­fän­ger ide­al sind des­halb nied­ri­ge, leich­te Ma­schi­nen.“

Beim Ge­braucht­kauf rät Haas­per da­zu, ei­nen fach­kun­di­gen Be­kann­ten mit­zu­neh­men: „Bei ge­brauch­ten Mo­tor­rä­dern kön­nen De­fek­te vor­han­den sein, die ein Laie auf den ers­ten Blick nicht er­kennt. Da­her ist ein sach­kun­di­ger Blick not­wen­dig.“Fin­det sich nie­mand, bie­ten Prüf­or­ga­ni­sa­tio­nen die Mög­lich­keit, das Mo­tor­rad che­cken zu las­sen.

Funk­tio­na­li­tät vor Op­tik

Der Si­cher­heit dient auch die Be­klei­dung. Da­bei soll­te die Funk­tio­na­li­tät an ers­ter Stel­le ste­hen. Ganz gleich ob Stoff oder Le­der: Die Klei­dung muss sit­zen und über Pro­tek­to­ren ver­fü­gen. „Na­tür­lich muss sie pas­sen, darf nicht flat­tern, aber auch nicht zu eng sein. Und sie soll­te auf dem Mo­tor­rad aus­pro­biert wer­den“, sagt Ben­te. Min­des­tens eben­so wich­tig: der Helm. Am bes­ten wird bei ei­ner Pro­be­fahrt ge­tes­tet, ob er rich­tig und straff sitzt, oh­ne zu flat­tern oder Druck­stel­len zu ver­ur­sa­chen. „Ein ty­pi­scher Feh­ler bei der Aus­wahl be­steht da­rin, dass Mo­tor­rad­be­klei­dung eher zu groß ge­kauft wird“, sagt Haas­per. Die Pro­tek­to­ren in Ja­cke und Ho­se müs­sen die je­wei­li­ge Kör­per­re­gi­on eng um­schlie­ßen und dür­fen nicht ver­rut­schen.

FO­TO: BERND VON JUTRCZENKA/DPA

Im­mer mit der Ru­he: Selbst­über­schät­zung und zu we­nig Übung sind auf dem Mo­tor­rad schlech­te Be­glei­ter.

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