De­bat­te um die Ost­ren­ten

Op­po­si­ti­on lehnt Ge­setz zur An­glei­chung ab

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE -

BER­LIN (dpa) - Die Ren­ten in Ost­deutsch­land sol­len bis 2025 voll­stän­dig den Be­zü­gen im Wes­ten an­ge­gli­chen wer­den. Der Bun­des­tag de­bat­tier­te am Frei­tag in Ber­lin erst­mals über das ent­spre­chen­de Ge­setz von So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD). Au­ßer­dem sol­len Men­schen mit Er­werbs­min­de­rung künf­tig bes­ser­ge­stellt wer­den. Die Ren­ten­an­glei­chung soll 2018 be­gin­nen. „Fast 30 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ist es höchs­te Zeit, dass wir ei­ne kla­re Per­spek­ti­ve für die An­glei­chung ge­ben“, sag­te Nah­les.

Die Op­po­si­ti­on kri­ti­sier­te die Ren­ten­plä­ne. Be­ste­hen­de Un­ge­rech­tig­kei­ten den Ost­deut­schen ge­gen­über wür­den nicht be­sei­tigt, sag­te Links­frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch. Der Grü­nen-Ren­ten­ex­per­te Markus Kurth be­män­gel­te, die Ren­ten­ein­heit wer­de teils aus Bei­trags- und nicht nur aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert. Auch von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung kam Kri­tik.

BER­LIN - Die Ren­ten­ein­heit kommt – bis 2025. Und kran­ke Rent­ner sol­len ab 2018 mehr Geld er­hal­ten. Über die Ge­set­zes­plä­ne von Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) de­bat­tier­te heu­te der Bun­des­tag. An den Plä­nen gibt es al­ler­dings Kri­tik. Ras­mus Buch­stei­ner prä­sen­tiert Hin­ter­grün­de zu den Ren­ten­be­schlüs­sen.

Wie ist der Fahr­plan für die Ren­ten­ein­heit?

Der Ren­ten­wert Ost – ne­ben den so­ge­nann­ten Ent­gelt­punk­ten ein zen­tra­ler Fak­tor bei der Er­mitt­lung der Al­ters­be­zü­ge – wird vom 1. Ju­li 2018 bis zum 1. Ju­li 2024 in sie­ben Schrit­ten auf West­ni­veau an­ge­ho­ben. Ak­tu­ell be­trägt er 28,66 Eu­ro und da­mit 94,1 Pro­zent des Ren­ten­wer­tes West. Bis­her wer­den die Löh­ne in den neu­en Län­dern mit ei­nem Hö­her­wer­tungs­fak­tor mul­ti­pli­ziert, um den noch be­ste­hen­den Ost-West-Un­ter­schied aus­zu­glei­chen. Ak­tu­ell wer­den Löh­ne aus Ost­deutsch­land um zwölf Pro­zent­punk­te hoch­ge­wer­tet. Die­ser Mecha­nis­mus soll bis 2020 eben­falls in sie­ben Schrit­ten ab­ge­schafft wer­den.

Wer pro­fi­tiert, wer ver­liert?

Wer be­reits in Ren­te ist, pro­fi­tiert so­fort, wenn die Re­form greift. Klar ist, dass der Ren­ten­wert Ost im Jahr 2018 auf 95,8 Pro­zent des West­ni­veaus an­steigt. Wie stark sich der Aus­zahl­be­trag da­durch er­höht, lässt sich der­zeit noch nicht sa­gen, weil die Hö­he des Ren­ten­werts ab­hän­gig von der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ist. Ver­lie­rer sind al­le ak­ti­ven Be­schäf­tig­ten in Ost­deutsch­land. Durch den schritt­wei­sen Ab­bau des Hö­her­wer­tungs­fak­tors er­wer­ben sie ge­rin­ge­re Ren­ten­an­sprü­che als oh­ne die Re­form.

Was kos­tet die Ren­ten­ein­heit?

Für das Jahr 2018 ent­ste­hen jähr­li­che Mehr­kos­ten von 600 Mil­lio­nen Eu­ro. Die­se stei­gen bis auf ma­xi­mal 3,9 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr 2024 an. Die tat­säch­li­chen Aus­ga­ben hän­gen je­doch da­von ab, wie stark sich in den nächs­ten Jah­ren die Löh­ne in Ost und West an­glei­chen. Je schnel­ler das geht, des­to ge­rin­ger die Mehr­aus­ga­ben. Die Ren­ten­ein­heit wird zu­nächst von den Bei­trags­zah­lern fi­nan­ziert. Ab 2022 wird der Bun­des­zu­schuss zur Ren­te schritt­wei­se er­höht. 2025 wird er zwei Mil­li­ar­den Eu­ro über dem heu­ti­gen Wert lie­gen.

Was sa­gen Kri­ti­ker?

Wäh­rend Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les die Ost-Westan­glei­chung der Ren­ten am Frei­tag im Bun­des­tag als „his­to­ri­schen Schritt“zur in­ne­ren Ein­heit des Lan­des wür­dig­te, kri­ti­siert die Op­po­si­ti­on die Plä­ne hef­tig. Nah­les‘ Ver­spre­chun­gen sei­en „ei­ne Un­ver­schämt­heit“, da be­ste­hen­de Un­ge­rech­tig­kei­ten ge­gen­über den Ost­deut­schen nicht be­sei­tigt wür­den, klag­te Lin­ken-Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch. Die Ar­beit­ge­ber se­hen die Re­form als ei­ne Ge­fahr für ei­ne nach­hal­ti­ge Fi­nan­zie­rung der Ren­ten­ver­si­che­rung. Sach­sens Re­gie­rungs­chef Sta­nislaw Til­lich (CDU) ver­langt Nach­bes­se­run­gen: „Die be­grü­ßens­wer­te Ver­bes­se­rung ost­deut­scher Be­stands­ren­ten wird mit ei­ner Schlech­ter­stel­lung der Zu­kunfts­ren­ten in den neu­en Bun­des­län­dern be­zahlt.“

Was än­dert sich bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te?

Wer we­gen ei­ner Krank­heit oder ei­nes Un­falls nicht mehr oder nicht mehr voll ar­bei­ten kann, soll ab 2018 mehr Ren­te er­hal­ten. Bei der Be­rech­nung der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te wur­de zu­letzt so ge­tan, als hät­te der Be­zie­her bis zum 62. Le­bens­jahr mit sei­nem durch­schnitt­lich ver­dien­ten Lohn wei­ter­ge­ar­bei­tet. In Zu­kunft wird vom 65. Le­bens­jahr aus­ge­gan­gen. Bei ei­ner Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung be­deu­tet dies ei­ne wei­te­re Ver­bes­se­rung in Hö­he von et­wa 50 Eu­ro pro Mo­nat. Zu­letzt be­zo­gen Rent­ner mit Er­werbs­min­de­rung mo­nat­lich rund 672 Eu­ro.

Gilt die Re­form für al­le?

Nein. Sie greift nicht bei den­je­ni­gen, die be­reits jetzt ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­kom­men. Pro­fi­tie­ren wer­den al­le, die die Leis­tung ab dem 1. Ja­nu­ar 2018 erst­mals be­zie­hen.

FO­TO: DPA

Die De­bat­te geht auf ei­ne Initia­ti­ve von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) zu­rück.

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