Fest­hal­le ver­wan­delt sich in ein Film­set

Sig­ma­rin­gen­dor­fer Wald­büh­ne be­rei­tet Stück von Woo­dy Al­len vor

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Man­dy Streich

SIG­MA­RIN­GEN­DORF - Die Do­nauLau­chert-Hal­le als Tanz­lo­kal der 1930er Jah­re für ei­nen Ki­no­film, der spä­ter auf ei­ner ech­ten Lein­wand ge­zeigt wird? Wer die­ser Ta­ge in der Fest­hal­le in Sig­ma­rin­gen­dorf vor­bei­ge­schaut hat, wird sehr ver­wun­dert ge­we­sen sein. Dort wa­ren Schau­spie­ler in An­zü­gen und fest­li­chen Klei­dern, wie sie vor fast 90 Jah­ren ge­tra­gen wur­den, auf­wän­di­ge Fri­su­ren, Film­ka­me­ra und Mi­kro­fo­ne zu se­hen.

An­lass für den Dreh des cir­ca 22mi­nü­ti­gen Films war das dies­jäh­ri­ge Er­wach­se­nen­stück der Wald­büh­ne. Auf dem Spiel­plan steht „The Pur­p­le Ro­se of Cai­ro“von Woo­dy Al­len un­ter der Re­gie von Luna Sel­le und Frank Speh.

Ei­ne Sze­ne - Dut­zen­de Wie­der­ho­lun­gen. Für die Schau­spie­ler der Wald­büh­ne wa­ren die Dreh­ar­bei­ten un­ter der Re­gis­seu­rin Luna Sel­le al­les an­de­re als ein Sonn­tags­spa­zier­gang. „Die An­sprü­che wa­ren enorm, wir ha­ben je­doch al­les durch­ge­plant und so­gar pro­fes­sio­nel­le Hil­fe von Ka­me­ra-, Ton-, und Licht­tech­nik er­hal­ten“, sagt Alex­an­der Speh von der Öf­fent­lich­keits­ar­beit der Wald­büh­ne. Aber nicht nur die Dreh­ar­bei­ten wa­ren für al­le Be­tei­lig­ten an­stren­gend, son­dern auch die Auf­füh­rung des fer­ti­gen Stücks wird die Schau­spie­ler vor ei­ne un­ge­wohn­te Auf­ga­be stel­len. „Die Ak­teu­re ste­hen vor der Her­aus­for­de­rung, dass sie nicht wie ge­wohnt spie­len, son­dern mit dem ge­zeig­ten Ki­no­film in­ter­agie­ren müs­sen“, sagt Joa­chim Link, ehe­ma­li­ger Re­gie­lei­ter des Er­wach­se­nen­stücks. „Die Schau­spie­ler des Films spre­chen mit den rea­len Per­so­nen und um­ge­kehrt.“

Plötz­lich spricht er mit ihr

Der selbst­ge­dreh­te Spiel­film stellt ei­nen wich­ti­gen Teil der Hand­lung dar. Die Kell­ne­rin Ce­ci­lia schaut sich im­mer wie­der den­sel­ben Film an, bis schließ­lich der Haupt­cha­rak­ter Tom Bax­ter aus dem Film tritt und mit ihr spricht. Der wei­te­re Ver­lauf der Hand­lung des Films „The Pur­p­le Ro­se of Cai­ro“wird da­durch stark be­ein­träch­tigt, da die an­de­ren Schau­spie­ler den Film al­lein nicht be­en­den kön­nen.

Mit die­ser Son­der­pro­duk­ti­on prä­sen­tiert die Wald­büh­ne ih­ren Zu­schau­ern die­sen Som­mer ei­ne Ins­ze­nie­rung, die es so zu­vor noch nie ge­ge­ben hat. Die Gäs­te der Frei­licht­büh­ne se­hen gleich­zei­tig ei­ne Ki­no­vor­stel­lung und den vol­len Ki­no­saal von hin­ten. „Mit ei­ner Spe­zi­al­fo­lie wird der Film, an­ders als im nor­ma­len Ki­no, von hin­ten auf die Lein­wand pro­ji­ziert“, sagt Speh. „Viel Auf­wand für un­se­re Stü­cke ha­ben wir im­mer, mit den Dreh­ar­bei­ten war es jetzt na­tür­lich ein we­nig mehr“, sagt Link. Al­lein für den Auf­bau des Film­sets in der Do­nau-Lau­chert-Hal­le wur­de ein gan­zer Tag be­nö­tigt. In Form ei­nes eher no­ble­ren Tanz­lo­kals mit run­den Ti­schen und auf­wän­di­ger Tisch­de­ko­ra­ti­on, ab­ge­run­det mit ei­ner Büh­ne für die Tän­ze­rin, war die Fest­hal­le in Sig­ma­rin­gen­dorf kaum wie­der­zu­er­ken­nen.

Lo­cker und aus­ge­las­sen war die Stim­mung vor Ort aber trotz all dem Stress der Dreh­ar­bei­ten. Ent­we­der wur­de über den ein oder an­de­ren Text­ver­spre­cher ge­lacht oder über Per­so­nen, die so über­haupt nicht ins Bild pass­ten. Der Spaß und die Freu­de der Schau­spie­ler an ih­rer eh­ren­amt­li­chen Ar­beit wa­ren deut­lich zu spü­ren. Sei es bei den An­wei­sun­gen der Re­gis­seu­rin; bei der Mas­ke, die re­gel­mä­ßig die Darstel­ler un­ter den war­men Schein­wer­fern pu­der­te oder auf die win­zi­gen De­tails, auf die ge­ach­tet wur­de: Ne­ben dem Spaß an ih­rer Ar­beit ha­ben die Schau­spie­ler und al­le Be­tei­lig­ten ih­re Pro­fes­sio­na­li­tät nicht ver­ges­sen. Die Pre­mie­re von „The Pur­p­le Ro­se of Cai­ro“ist am 8. Ju­li. Das Stück wird bis zum 3. Sep­tem­ber ge­zeigt.

FO­TO: MAN­DY STREICH

Auf­wän­dig: Die Schau­spie­ler der Sig­ma­rin­gen­dor­fer Wald­büh­ne dre­hen für ihr neu­es Stück ei­nen ei­ge­nen Film.

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