Initia­ti­ve will, dass die Bür­ger ge­hört wer­den

„Nord­tras­se“be­schäf­tigt zahl­rei­che In­ter­es­sier­te in Vil­sin­gen – Sig’dor­fer mahnt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Su­san­ne Grimm

VIL­SIN­GEN - Zahl­rei­che In­ter­es­sier­te ha­ben am Don­ners­tag­abend den Weg in die Pfarr­scheu­er nach Vil­sin­gen ge­fun­den, um sich von der Bür­ger­initia­ti­ve (BI) „Nein zur Nord­tras­se – Für ei­ne Tras­sen­füh­rung der Ver­nunft und Zu­kunft“über den Stand der Din­ge in Sa­chen der ge­plan­ten neu­en B 311 in­for­mie­ren zu las­sen.

Die zwi­schen En­netach und Meß­kirch ver­lau­fen­de Pla­nung der so­ge­nann­ten „Nord­tras­se“soll die an der B 311 lie­gen­den Kom­mu­nen künf­tig um­fah­ren. Ziel ist ei­ne Ver­kehrs­ent­las­tung samt der da­mit ver­bun­de­nen Ab­ga­s­ent­las­tung für die be­trof­fe­nen Ort­schaf­ten, so­wie ei­ne schnel­le­re Stra­ßen­ver­bin­dung für die Au­to­fah­rer. Was sich auf den ers­ten Blick gut an­hört, hat je­doch ei­ni­ge Web­feh­ler, wie Vor­stands­mit­glie­der der BI er­klär­ten. Doch le­ge die BI Wert dar­auf, nicht zu „Nein“-Sa­gern ab­ge­stem­pelt zu wer­den, das mach­ten so­wohl Bru­no Dre­her als auch Re­né La­place deut­lich: „Wir brau­chen ei­ne Ost-West-Ver­bin­dung zwi­schen Frei­burg und Ulm.“

Da die Nord­tras­se ein Teil­stück die­ser Ost-West-Ver­bin­dung wer­den wird, geht die BI da­von aus, dass die neue B311 zwi­schen En­netach und Men­gen ei­ne Er­satz­au­to­bahn wer­den wird, die den Tran­sit­ver­kehr von der A5 (Frei­burg) und der A8 (Ulm) ab­zieht. „Dies wird die wich­tigs­te Ost-West-Tran­sit­ver­bin­dung süd­lich von Stutt­gart wer­den“, sag­te Dre­her. Die „Au­to­bahnfunk­ti­on“die­ser Stra­ße wer­de Sog­wir­kung auf die Ver­kehrs­teil­neh­mer ha­ben. 14 200 Kraft­fahr­zeu­ge wür­den täg­lich die­se Stra­ße be­nüt­zen, wo­bei mit ei­nem deut­lich hö­he­ren An­teil an Last­wa­gen ge­rech­net wird.

Die Nord­tras­sen­pla­nung, die nun vom Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in den vor­dring­li­chen Be­darf ge­rückt wor­den ist, stam­me üb­ri­gens aus dem vo­ri­gen Jahr­hun­dert, sprich, sie sei rund 30 Jah­re alt. Die Spre­cher der BI, Bru­no Dre­her, Re­né La­place, Markus Sie­ber und Die­ter Klei­ner, die ab­wech­selnd re­fe­rier­ten, wie­sen dar­auf hin, dass die Nord­tras­sen­pla­nung bei der nun ak­tu­el­len Über­nah­me in den vor­dring­li­chen Be­darf nicht an­ge­passt wor­den sei. Das heißt, die Tras­se läuft bei­spiels­wei­se durch Ge­höf­te oder Wei­ler, die da­mals noch nicht exis­tent wa­ren. Eben­so­we­nig sei die so­ge­nann­te „Wirk­zo­ne“– der Schall- und Ab­gas­be­reich links und rechts ent­lang der Tras­se – auf heu­ti­ge Stan­dards an­ge­ho­ben wor­den. Nach der vor­lie­gen­den „al­ten“Pla­nung liegt die­se bei 300 Me­tern, bei heu­ti­gen Au­to­bah­nen sei­en aber 500 Me­ter vor­ge­se­hen.

Die Ort­schaf­ten Rohr­dorf, En­gels­wies, Vil­sin­gen, In­zig­kofen, Laiz, so­wie Tei­le von Sig­ma­rin­gen und Sig­ma­rin­gen­dorf – hier die Wald­büh­ne – lie­gen zum Teil in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Nord­tras­se. Hier sei zum gro­ßen Teil kein oder nur un­zu­rei­chen­der Schall­schutz vor­ge­se­hen. Mit der In­fo­ver­an­stal­tung will die BI der Be­völ­ke­rung die Pla­nungs­män­gel der Nord­tras­se auf­zei­gen mit dem Ziel, An­re­gun­gen und Vor­schlä­ge sei­tens der Bür­ger in ei­ne Neu- oder Um­pla­nung flie­ßen zu las­sen. „Wir wol­len ei­ne Tras­se der Ver­nunft und für die Zu­kunft“, sag­te Dre­her, „da­bei sol­len die Bür­ger ge­hört wer­den“.

„Die Su­che nach ei­ner op­ti­ma­len Lö­sung darf aber nicht zu kei­ner Lö­sung füh­ren“, sag­te ein Zu­hö­rer aus Sig­ma­rin­gen­dorf. In Sig'dorf sei­en die Bür­ger nur froh dar­über, dass mit der neu­en Tras­se der Ver­kehr aus dem Ort kom­me. „Wir wol­len kei­ne Ver­hin­de­rer sein“, hob Dre­her noch­mals her­vor, „wir brau­chen die Os­tWest-Ver­bin­dung, des­halb wol­len und müs­sen wir Gas für ei­ne Tras­se der Ver­nunft ge­ben“. Der Zu­hö­rer aus Sig­ma­rin­gen­dorf reg­te an, mit der BI aus Gög­gin­gen/Krau­chen­wies, die die Nord­tras­se be­für­wor­tet, Ge­sprä­che zu su­chen. Ein wei­te­rer Teil­neh­mer mein­te, dass ein ge­ra­der Stre­cken­ver­lauf zwi­schen En­netach und Meß­kirch die sinn­volls­te Lö­sung wä­re. Die aber wür­de den Wild­park Jo­sefslust tan­gie­ren, was den In­ter­es­sen des Fürs­ten­hau­ses als Ei­gen­tü­mer nicht ge­fal­len wür­de, so Dre­her.

Die vie­len Ar­gu­men­te des Abends hät­ten sie da­zu ge­bracht, sich neue Ge­dan­ken zu ma­chen, sag­te Vil­sin­gens Orts­vor­ste­he­rin Vic­to­ria Gom­bold-Diels am En­de des Abends.

FO­TO: SU­SAN­NE GRIMM

Beim In­for­ma­ti­ons­abend der Bür­ger­initia­ti­ve liegt für in­ter­es­sier­te Bür­ger viel In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al aus.

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