Al­le müs­sen sich be­we­gen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Da­nie­la Wein­gärt­ner po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Der Won­ne­mo­nat Mai scheint bei der EU-Kom­mis­si­on Früh­lings­ge­füh­le aus­zu­lö­sen. Die Tal­soh­le sei durch­schrit­ten, die Eu­ro­pä­er stün­den der Uni­on wie­der po­si­ti­ver ge­gen­über, glaubt Junckers Mann­schaft. Das könn­te stim­men, denn die Angst vor dem un­be­re­chen­ba­ren Do­nald Trump hat bei den Eu­ro­pä­ern die Ein­sicht ge­stärkt, dass sie sich im Ernst­fall mehr auf ih­re un­mit­tel­ba­ren Nach­barn ver­las­sen kön­nen als auf Bünd­nis­part­ner in Über­see. Ob dar­aus aber ei­ne gro­ße Be­reit­schaft zu So­li­da­ri­tät und Las­ten­tei­lung er­wächst, wie sie die EU-Kom­mis­si­on in ih­rem Dis­kus­si­ons­pa­pier zur Re­form der Eu­ro­zo­ne vor­aus­setzt, ist ei­ne an­de­re Fra­ge.

Ein ei­gen­stän­di­ger Euro­fi­nanz­mi­nis­ter wä­re in vie­len Mit­glieds­staa­ten wohl po­li­tisch durch­setz­bar. Wie aber sieht es mit ei­ner ge­mein­sa­men Haf­tung für Schul­den aus? Soll­te der deutsch-fran­zö­si­sche Mo­tor die­se Idee vor­an­brin­gen, wer­den bei­de Sei­ten sich be­we­gen müs­sen: Deutsch­land muss sei­ne So­li­da­ri­tät mit är­me­ren Eu­ro­län­dern auch fi­nan­zi­ell be­wei­sen und Frank­reich sich ei­ne mög­li­che neue Füh­rungs­rol­le in der EU durch Re­form­wil­len ver­die­nen. wie­der stei­gen. „Vor ei­ni­gen Mo­na­ten war Eu­ro­pa noch in der De­fen­si­ve“, er­in­nert Mosco­vici. „Es gab star­ke an­ti­eu­ro­päi­sche Strö­mun­gen in Ös­ter­reich, den Nie­der­lan­den und Frank­reich. Doch der fran­zö­sisch­deut­sche Vor­stoß und die ita­lie­ni­schen Über­le­gun­gen zei­gen, dass jetzt der Mo­ment ist, ehr­gei­zi­ger für die Re­form der Eu­ro­zo­ne zu pla­nen“, sag­te der Fran­zo­se.

Man müs­se aus dem Re­pa­ra­turund Kri­sen­mo­dus her­aus­kom­men und statt­des­sen für die an­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen pla­nen, er­gänzt Val­dis Dom­brovs­kis. Schließ­lich hät­ten sich al­le Mit­glieds­staa­ten au­ßer Dä­ne­mark mit dem Bei­tritt ver­pflich­tet, mit­tel­fris­tig den Eu­ro als Wäh­rung zu über­neh­men.

Um­fra­gen zei­gen al­ler­dings, dass die Eu­pho­rie kei­nes­wegs so groß ist, wie die Kom­mis­sa­re das wahr­zu­neh­men schei­nen. In Tsche­chi­en wün­schen sich der­zeit nur 21 Pro­zent der Be­frag­ten ei­nen Bei­tritt zur Eu­ro­zo­ne.

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