Das Fürs­ten­haus will wei­te­ren Ru­he­forst er­öff­nen

In He­chin­gen gibt es nach jah­re­lan­gem Rechts­streit ers­ten Wald für Be­gräb­nis­se

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN - Von Micha­el He­scheler

SIG­MA­RIN­GEN/HE­CHIN­GEN - Nach jah­re­lan­gem Rechts­streit ist am Mitt­woch in He­chin­gen der Ru­he­forst Zol­ler-Blick er­öff­net wor­den. Der Be­trei­ber ist das Fürs­ten­haus Ho­hen­zol­lern. In zwei bis vier Wo­chen kön­nen in dem Wald bei He­chin­gen die ers­ten Ur­nen be­stat­tet wer­den. Das Fürs­ten­haus sieht in den Wald­be­stat­tun­gen ein neu­es Ge­schäfts­feld. Der nächs­te Ru­he­forst soll in Ach­berg (Land­kreis Ravensburg) an der Ar­gen er­öff­net wer­den. In Sig­ma­rin­gen will die Un­ter­neh­mens­grup­pe kei­nen Ru­he­forst er­rich­ten. Dies hängt da­mit zu­sam­men, dass es kein pas­sen­des Wald­stück ge­be und der Ab­stand zu Meß­kirch und He­chin­gen nicht groß ge­nug sei.

Mit­ten im Wald tut sich ei­ne Lich­tung auf: der And­achts­platz. Das zen­tra­le Ele­ment sind drei von ei­nem Künst­ler aus Stahl ge­form­te Tor­bö­gen. Je nach­dem, ob man vor oder hin­ter ih­nen steht, wei­tet oder ver­engt sich der Blick. Für Trau­ern­de ver­än­dert sich das Le­ben auf ei­nen Schlag, wenn ein ih­nen lieb ge­wor­de­ner Mensch stirbt. Ihr Blick ver­engt sich. Doch wenn ein Mensch von der an­de­ren Rich­tung ins Wei­te sieht, kann er neue Zu­ver­sicht schöp­fen. Durch die christ­li­che Bot­schaft von der Au­fer­ste­hung der To­ten. „In an­de­ren Fried­hö­fen in Wäl­dern steht an die­sen Stel­len oft nur ein Kreuz“, sagt der Künst­ler Mar­tin Burchard. Der He­chin­ger Ru­he­forst sei be­son­ders lieb- und wür­de­voll ge­stal­tet. Burchard hat für den Ru­he­forst meh­re­re Kunst­wer­ke er­rich­tet.

Un­ter dem Tor­bo­gen sol­len bei Trau­er­fei­ern die Ur­nen ste­hen. Ein­ge­rahmt ist der And­achts­platz von Bän­ken. Die Stil­le dort ist an nor­ma­len Ta­gen himm­lisch.

Nicht so am Mitt­woch, als der Ru­he­forst of­fi­zi­ell er­öff­net wor­den ist. Für ei­nen Tag wur­de ein Fest­zelt im Wald er­rich­tet. Karl Fried­rich Fürst von Ho­hen­zol­lern zeigt sich er­freut, dass der jah­re­lan­ge Rechts­streit be­en­det ist. Ein Nach­bar woll­te den Ru­he­forst ver­hin­dern und hat­te sich letzt­lich ver­geb­lich durch al­le In­stan­zen ge­klagt. Die Stadt He­chin­gen als Trä­ge­rin des Fried­hofs ver­lor so vier Jah­re Zeit. Ur­sprüng­lich hät­te der Ru­he­forst im Jahr 2013 er­öff­net wer­den sol­len. „Wir sind der ver­län­ger­te Arm der Stadt He­chin­gen und be­trei­ben den Fried­hof “, sagt Eva Vei­gel, die von Sig­ma­rin­gen aus den Ru­he­forst ver­wal­tet.

Auch Sig­ma­rin­ger fra­gen an

Ob­wohl der Zol­lern­berg von der Do­nau et­wa 50 Ki­lo­me­ter ent­fernt liegt, gä­be es auch An­fra­gen aus dem Raum Sig­ma­rin­gen. Dies ist wohl auf die Ver­bun­den­heit der Ho­hen­zol­lern zu­rück­zu­füh­ren.

Der Ru­he­forst ist so an­ge­legt, dass es pro Baum zwölf Be­stat­tungs­plät­ze gibt. An ei­nem ge­mein­schaft­li­chen Baum kos­tet ein Platz je nach Ka­te­go­rie zwi­schen 600 und 1950 Eu­ro. Wenn ein Baum für ei­ne Fa­mi­lie re­ser­viert wer­den soll, wer­den zwi­schen 3450 und 10 700 Eu­ro ver­langt. Die Prei­se schwan­ken je nach Baum­art, Grö­ße und Par­zel­le. Die Grä­ber blei­ben 99 Jah­re be­ste­hen. Zu­sätz­lich wer­den für die Bei­set­zung und die Ur­ne et­wa 500 Eu­ro ver­langt. Kos­ten­los ist die Bei­set­zung von Totoder Fehl­ge­bur­ten. Vom so­ge­nann­ten Re­gen­bo­gen­feld ist es nicht mehr weit zum ein­ma­li­gen Zol­ler-Blick, nach dem der Ru­he­forst be­nannt wur­de.

FO­TOS: MICHA­EL HE­SCHELER

Blick auf den And­achts­platz: Der Tisch im Vor­der­grund ist wäh­rend der Trau­er­fei­er für die Ur­nen vor­ge­se­hen.

Hält sich an ei­ner Ste­le fest und blickt in Rich­tung Zol­lern­berg: Rai­mund Fri­de­richs, der Lei­ter der fürst­li­chen Forst­ver­wal­tung.

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