Kei­ne gu­ten Ge­füh­le

Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin Gar­bi­ne Mu­guru­za wird in Pa­ris aus­ge­pfif­fen und bricht in Trä­nen aus

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SPORT -

PA­RIS (SID/dpa) - Gar­bi­ne Mu­guru­za ver­ließ die Stät­te ih­rer De­mü­ti­gung mit Trä­nen in den Au­gen. Und die ge­stürz­te spa­ni­sche Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin mach­te bei ih­rem vor­zei­ti­gen Ab­gang von der French-Open-Büh­ne deut­lich, was sie vom be­rühmt-be­rüch­tig­ten Pa­ri­ser Pu­bli­kum hält.

Nicht viel – bis nichts. „Sie hät­ten ein biss­chen re­spekt­vol­ler sein sol­len. Es war hart für mich, dort zu spie­len. Es war wirk­lich kein gu­tes Ge­fühl. Ich bin ja nicht hier, um mir Fein­de zu ma­chen“, sag­te Mu­guru­za nach dem 1:6, 6:3, 3:6 im Ach­tel­fi­na­le ge­gen die fre­ne­tisch an­ge­feu­er­te Lo­kal­ma­ta­do­rin Kris­ti­na Mla­de­no­vic.

Im­mer wie­der muss­te der Stuhl­schieds­rich­ter die laut­star­ke Men­ge be­ru­hi­gen. Es herrsch­te un­ter den 10 062 Men­schen ei­ne Stim­mung wie bei ei­nem Fuß­ball­spiel. Zwi­schen ers­tem und zwei­tem Auf­schlag von Mu­guru­za gab es im­mer wie­der Zwi­schen­ru­fe und Pfif­fe.

Ein wah­res Kon­trast­pro­gramm zur ge­die­gen-re­spekt­vol­len At­mo­sphä­re in Wim­ble­don, aber selbst zum tru­be­lig-ver­rück­ten Flus­hing Mea­dows. Mu­guru­za-Coach Sam Su­myk, üb­ri­gens selbst Fran­zo­se, schimpf­te nach­her via Twit­ter über die Zu­schau­er: „Er­bärm­lich und oh­ne Klas­se.“

Selbst der all­seits be­lieb­te Ro­ger Fe­de­rer hat­te sich vor ein paar Jah­ren ein­mal ge­nö­tigt ge­se­hen, das Ten­nisPu­bli­kum am Bois de Bou­lo­gne ein­zu­brem­sen. „Shut up!“, hat­te der wut­ent­brann­te Ma­e­s­tro wäh­rend ei­nes Mat­ches ge­brüllt. Ein In­diz da­für, wie die manch­mal ins feind­se­lig ab­drif­ten­de Stim­mung auf den Rän­gen im Sta­de Roland Gar­ros selbst die Stars zer­mür­ben kann.

Wie tief Mu­guru­za das Bu­hen im Toll­haus Su­zan­ne Leng­len ge­trof­fen hat­te, zeig­te sich we­nig spä­ter. Die Welt­rang­lis­ten­fünf­te, vor ei­nem Jahr noch die ge­fei­er­te Sand­platz­kö­ni­gin vom Eif­fel­turm, be­kam auf der Pres­se­kon­fe­renz ei­nen Wein­krampf und ver­ließ da­nach so­gar kurz den Raum. „Es war ein­fach ei­ne sehr schmerz­haf­te Nie­der­la­ge – un­ter die­sen Be­din­gun­gen“, sag­te Mu­guru­za.

Mla­de­no­vic sorg­te trotz 16 Dop­pel­feh­lern da­für, dass erst­mals seit 23 Jah­ren wie­der zwei Fran­zö­sin­nen in der Run­de der letz­ten Acht von Pa­ris ste­hen. Am Mon­tag schlug Ca­ro­li­ne Gar­cia im Du­ell der Lo­kal­ma­ta­do­rin­nen Ali­ze Cor­net mit 6:2, 6:4. Tur­nier­fa­vo­ri­tin ist zwar die Ru­mä­nin Si­mo­na Halep, doch die Gran­de Na­ti­on träumt vom ers­ten Heim­sieg seit dem French-Open-Coup von Ma­ry Pier­ce vor 17 Jah­ren. „Wir ste­hen im Vier­tel­fi­na­le“, rief die ex­tro­ve­rier­te Mla­de­no­vic den Zu­schau­ern nach ih­rem Sieg ge­gen Mu­guru­za zu und füg­te an: „Ihr bringt mich zum Wei­nen, aber ich lie­be es, vor euch zu spie­len.“

Die Kri­tik der Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin am Ver­hal­ten des Pu­bli­kums konn­te die an Po­si­ti­on 13 ge­setz­te Mla­de­no­vic nicht nach­voll­zie­hen: „Die Zu­schau­er ha­ben kei­ne Gren­ze über­schrit­ten“, be­haup­te­te Mla­de­no­vic und er­in­ner­te sich an ih­re Fi­nal-Nie­der­la­ge in Stutt­gart En­de April ge­gen Lau­ra Sie­ge­mund: „Auch da ging es heiß her – und ich ha­be mich nicht be­schwert, weil Stim­mung da­zu­ge­hört.“Mla­de­no­vic trifft nun auf die Schwei­ze­rin Ti­mea Bacs­in­sz­ky.

Der Bri­te An­dy Mur­ray rich­te­te der­weil nach sei­nem Spa­zier­gang ins Vier­tel­fi­na­le im Sta­di­on ein paar ein­fühl­sa­me Wor­te an sei­ne durch die jüngs­ten Ter­ror­an­schlä­ge tief ver­wun­de­te Hei­mat. „Ich den­ke, je­der ist bei mir, wenn ich sa­ge, dass ich in Ge­dan­ken und Ge­be­ten bei de­nen bin, die da­von be­trof­fen sind“, sag­te der Welt­rang­lis­ten­ers­te nach dem 6:3, 6:4, 6:4 über den Rus­sen Ka­ren Chat­scha­now. „Es be­ein­träch­tigt uns al­le. Des­halb kann ich nur Dan­ke sa­gen, dass ihr im­mer wie­der hier raus ins Sta­di­on kommt und ich vor euch spie­len darf.“

FO­TO: AFP

Ver­misst den Re­spekt in Frank­reich: Gar­bi­ne Mu­guru­za.

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