Blut­tat nährt Zwei­fel an Flücht­lings­t­au­fen

Kon­ver­si­on zum Chris­ten­tum kann Ab­schie­bung ver­ei­teln – Wie im Fall des Af­gha­nen, der ei­nen Fünf­jäh­ri­gen er­stach

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - WIR IM SÜDEN -

STUTT­GART/AUGS­BURG (sz/epd) Der Fall ei­nes af­gha­ni­schen Flücht­lings, der vor Jah­ren zum Chris­ten­tum über­ge­tre­ten war und am Wo­che­n­en­de ei­nen Fünf­jäh­ri­gen ge­tö­tet hat, hat Dis­kus­sio­nen über die Tau­fe von Asyl­be­wer­bern aus­ge­löst.

Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Bun­des Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter, Ulf Küch, hält Kon­ver­sio­nen mus­li­mi­scher Flücht­lin­ge zum Chris­ten­tum für ei­nen „Trick, um im Land blei­ben zu kön­nen“. „Mus­li­me dür­fen den Glau­ben nicht wech­seln“, sag­te Küch den Zei­tun­gen der Fun­ke Me­di­en­grup­pe. Es müs­se schon viel pas­sie­ren, da­mit Mus­li­me ih­re Re­li­gi­on auf­ge­ben. „Wenn die Ab­schie­bung des Tä­ters dar­an ge­schei­tert ist, dass er sei­nen Glau­ben ge­wech­selt hat, dann muss man nur eins und eins zu­sam­men­zäh­len.“Auch der evan­ge­li­sche Lan­des­bi­schof von Hannover Ralf Meis­ter rief die Kir­che zu ei­ner kri­ti­schen Prü­fung von kon­ver­si­ons­wil­li­gen Flücht­lin­gen auf.

„Die Be­fürch­tung, dass der ein­zi­ge Grund für die Tau­fe die Er­lan­gung ei­nes Auf­ent­halts­ti­tels in Deutsch­land sei, ist un­be­grün­det“, sag­te hin­ge­gen Ma­nue­la Pfann, Spre­che­rin der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart, auf Nach­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. In­ter­es­sen­ten wür­den in­ten­siv auf ei­ne Kon­ver­si­on vor­be­rei­tet. „Die­se Tauf­vor­be­rei­tung dau­ert min­des­tens ein Jahr und bie­tet Raum, die Le­bens­si­tua­ti­on des Tauf­be­wer­bers ken­nen­zu­ler­nen, die Mo­tiv­la­ge sen­si­bel zu klä­ren und Tauf­in­ter­es­sen­ten ge­ge­be­nen­falls vor fal­schen Er­war­tun­gen zu schüt­zen.“Seit An­fang des Jah­res sei die min­des­tens ein­jäh­ri­ge Tauf­be­glei­tung mus­li­mi­scher Flücht­lin­ge Pflicht.

Die Zah­len wa­ren al­ler­dings schon vor­her über­schau­bar: 2015 ha­ben den An­ga­ben der Spre­che­rin bis­tums­weit acht Mus­li­me ei­ne Kon­ver­si­on be­an­tragt, 2016 wa­ren es 35.

Im Bis­tum Augs­burg lag die Zahl der Mus­li­me, die sich tau­fen lie­ßen, bei we­ni­ger als zehn Per­so­nen pro Jahr, wie der Lei­ter des Bi­schöf­li­chen Seel­sor­ge­am­tes, Ber­tram Mei­er, sag­te. Ei­ner von de­nen, die sich in der baye­risch-schwä­bi­schen Diö­ze­se ha­ben tau­fen las­sen, war in­des der Tä­ter von Arn­schwang. Den­noch sag­te Mei­er, an­ge­sichts der lan­gen Vor­be­rei­tungs­zeit und der not­wen­di­gen Er­laub­nis des Bi­schöf­li­chen Or­di­na­ri­ats sei ihm „kein ein­zi­ger Fall be­kannt, dass die Tau­fe als Vor­wand ge­nutzt wur­de, um nicht ab­ge­scho­ben zu wer­den“.

Ge­richt sah Ge­fahr von Über­grif­fen

Das galt nach An­sicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen auch für den spä­te­ren Tä­ter von Arn­schwang. Die Rich­ter stell­ten im Ju­li 2014 fest, der Af­gha­ne ha­be ei­nen „ernst­haf­ten Glau­bens­wech­sel voll­zo­gen und prak­ti­zie­re den christ­li­chen Glau­ben auch nach au­ßen hin“. 2012 ha­be er sich tau­fen und fir­men las­sen, er ge­he nach ei­ge­nen An­ga­ben re­gel­mä­ßig in die Kir­che. „Bei die­ser Sach­la­ge ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Klä­ger in Af­gha­nis­tan auf­grund sei­nes Ab­falls vom mos­le­mi­schen Glau­ben und der Zu­wen­dung zum christ­li­chen Glau­ben der kon­kre­ten Ge­fahr von schwer­wie­gen­de­nen Über­grif­fen auf sei­ne Per­son aus­ge­setzt wä­re“, hieß es da­mals.

In Arn­schwang wird am Frei­tag ei­ne And­acht für das ge­tö­te­te Kind statt­fin­den.

FO­TO: DPA

Wer als Flücht­ling zum christ­li­chen Glau­ben über­tritt, lebt nach ei­ner Rück­kehr in sein Her­kunfts­land un­ter Um­stän­den ge­fähr­lich.

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