Ku­bus mit Schloss­blick

Se­rie: Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger hat sich mit ih­rem Wohn­turm am Jo­sefs­berg selbst ver­wirk­licht

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN - Von An­na-Lena Buchmaier

SIG­MA­RIN­GEN - Die­ses Prä­di­kat tra­gen nicht vie­le Häu­ser: Vor Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­gers Haus in der Gus­tav-Bre­gen­zer-Stra­ße ist auf dem Bo­den ei­ne Pla­ket­te der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Ar­chi­tek­ten­kam­mer ein­ge­las­sen. 2012 wur­de das ku­bi­sche Ge­bäu­de, ein „Wohn­turm für ei­ne Per­son“, am Hang des Jo­sefs­bergs mit dem Preis für „bei­spiel­haf­tes Bau­en“aus­ge­zeich­net. Wer es ein­mal be­tre­ten hat, weiß wie­so. „Das Haus ist kom­pro­miss­los und mu­tig auf die Be­dürf­nis­se der Haus­her­rin zu­ge­schnit­ten“, heißt es in der Be­grün­dung der Ju­ry.

Das mo­der­ne, wür­fel­för­mi­ge Haus mit der Pan­ora­ma­schei­be bie­tet nicht nur ei­nen sa­gen­haf­ten Blick auf Schloss und Stadt, es ist so­wohl raf­fi­niert als auch zweck­ori­en­tiert ge­stal­tet und ein Kunst­werk für sich. In Kom­bi­na­ti­on mit der ge­schmack­vol­len In­nen­ein­rich­tung durch die ehe­ma­li­ge Rek­to­rin des Ho­hen­zol­lern-Gym­na­si­ums und Kunst­lieb­ha­be­rin Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger er­gibt sich ein ele­gan­tes Ge­samt­bild. „Ich mag den Bau­haus­stil“, sagt Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger, die das Haus 2007 in An­leh­nung an die Kun­strich­tung er­bau­en ließ. Nach der Schei­dung von ih­rem Mann hat sie sich, weil sie kei­ne ge­eig­ne­te Ei­gen­tums­woh­nung ge­fun­den hat­te, da­zu ent­schlos­sen, noch ein­mal zu bau­en – ganz nach ih­ren Vor­stel­lun­gen. „Wenn man zum zwei­ten Mal baut, lernt man aus frü­he­ren Feh­lern“, sagt die 65-Jäh­ri­ge. Sie en­ga­gier­te den Stutt­gar­ter Ar­chi­tek­ten Tho­mas Zol­ler. „Ich ha­be mir Ge­bäu­de von ihm und sein ei­ge­nes Haus im Stutt­gar­ter Raum an­ge­se­hen“, sagt Sch­mitt-Si­ckin­ger, die von den Ge­bäu­den über­zeugt war. Bei ei­nem Es­sen mit ihm und ih­rem Bru­der, ei­nem Sta­ti­ker, wur­den die Plä­ne kon­kre­ti­siert. „Der ers­te Ent­wurf wur­de ganz klas­sisch auf ei­ne Ser­vi­et­te ge­malt“, so Sch­mitt-Si­ckin­ger. Er sah zu­nächst ei­ne Art Turm vor, kein wür­fel­för­mi­ger Über­hang, wie er schließ­lich ge­baut wur­de.

„Ich woll­te ei­ne Dach­ter­ras­se und ein hoch­ge­le­ge­nes Wohn­zim­mer mit Schloss­blick“, sagt die Bau­her­rin. So kam es – da­zu Kirsch­holz­bo­den, licht­durch­flu­te­te Zim­mer, ver­schach­tel­te Räu­me und 120 Qua­drat­me­ter

Ku­bus mit Schloss­blick

Wohn­flä­che. Der Ar­chi­tekt brach­te sich mit ei­ge­nen Ide­en ein, so ist bei­spiels­wei­se das Trep­pen­haus von in die Wand ein­ge­las­se­nen Bü­cher­re­ga­len ge­säumt – glei­cher­ma­ßen platz­spa­rend wie de­ko­ra­tiv. Auch cle­ve­re Ver­bin­dungs­ele­men­te aus Glas ma­chen den Charme und luf­ti­gen Cha­rak­ter des Hau­ses aus. Zu­dem ist je­der Trep­pen­ab­satz an­ders ge­stal­tet, mal schwe­ben die Trep­pen schein­bar frei, mal sind sie in ei­nen mas­si­ven Be­ton­so­ckel in­te­griert – ein Mar­ken­zei­chen des Ar­chi­tek­ten.

Fünf nutz­ba­re Ebe­nen um­fasst das Haus, ei­ne schma­le Wen­del­trep­pe führt auf die gro­ße Dach­ter­ras­se, von der man ei­nen wun­der­schö­nen Rund­um­blick auf die Stadt hat. Ein Auf­zug ver­schafft ei­nen bar­rie­re­frei­en Zu­gang zu al­len Stock­wer­ken. „Wenn man in dem Al­ter baut, wä­re al­les an­de­re fahr­läs­sig“, sagt die 65-jäh­ri­ge Sig­ma­rin­ge­rin.

Vom Wohn­zim­mer aus blickt man gen Sü­den in den Gar­ten, Rich­tung Nor­den aufs Schloss. Trotz gro­ßer Glas­schei­ben ist es nicht zu warm: „Im Win­ter fällt auf der Süd­sei­te die Son­ne ein und wärmt das Haus auf. Im Som­mer je­doch ist der Licht­ein­fall sagt Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger. Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger auf ih­rer Dach­ter­ras­se mit Rund­um-Blick.

zu steil und es bleibt kühl.“Trotz der groß­zü­gi­gen Glas­fron­ten ist das Haus von au­ßen kaum ein­seh­bar, im Gar­ten ist es durch Obst­bäu­me ge­schützt, von der Stra­ße aus ist es zu hoch ge­le­gen. „Vom Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses wür­de man viel­leicht se­hen, dass bei mir Licht brennt“, sagt die ehe­ma­li­ge Rek­to­rin. Doch da­mit hät­te sie kein Pro­blem. Auf die Fra­ge, ob sie die Schön­heit des Aus­blicks noch zu schät­zen wis­se, ant­wor­tet sie: „Je­den Mor­gen, wenn ich zum Früh­stück hoch­kom­me, ge­nie­ße ich die Aus­sicht.“Das Haus steckt vol­ler Kunst: ei­ge­ne Ge­mäl­de, St­ein­skulp­tu­ren,

Pa­pier­ar­bei­ten – zum Teil Ge­schen­ke von Künst­lern. Al­les ist farb­lich auf­ein­an­der ab­ge­stimmt; da­zwi­schen tum­meln sich vie­le Bü­cher und bun­te Tep­pi­che. Auch die Mö­bel sind ein ab­ge­stimm­ter Mix aus An­ti­qui­tä­ten (der Bie­der­mei­er-Se­kre­tär, ein Erb­stück) und mo­der­ner Wohn­kul­tur. „Ich ha­be ei­ne kla­re Li­nie – bei der Ein­rich­tung, und auch sonst“, sagt die Haus­her­rin, die ei­nen fei­nen Sinn für In­nen­ar­chi­tek­tur hat. „Ich ha­be nach der Schu­le mit ei­nem Ar­chi­tek­tur­stu­di­um ge­lieb­äu­gelt, doch Ma­the hat mich da­von ab­ge­hal­ten.“So stu­dier­te sie Kunst.

„Wenn man zum zwei­ten Mal baut, lernt man aus frü­he­ren Feh­lern“,

Ei­nen Nach­teil hat das Ge­bäu­de: „Es ist al­les aus Be­ton, auch die Wän­de. Für das Be­fes­ti­gen von Bil­dern oder Ge­mäl­den be­darf es al­so ei­nes Bohr­ham­mers. „Doch ich de­ko­rie­re oh­ne­hin nicht häu­fig um“, sagt Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger und blickt sich um. „Zu­dem gibt es auch fast kei­ne freie Wand mehr.“

Ei­ne Bil­der­ga­le­rie von Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­gers Haus so­wie al­le Tei­le der Se­rie gibt es un­ter www.schwa­ebi­sche.de/ wohn­se­rie

Von au­ßen er­in­nert das Haus von Mar­lis Sch­mitt-Si­ckin­ger an ei­nen Turm. Von in­nen gibt es ei­nen sa­gen­haf­ten Blick aufs Schloss.

FO­TOS: BUCHMAIER

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