Land­wir­te kri­ti­sie­ren Flä­chen­fraß

Bau­ern­ver­band Bi­be­rach-Sig­ma­rin­gen for­dert mehr Schutz von Agrar­flä­chen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Da­ni­el Hä­fe­le

BI­BE­RACH - Vor dem Hin­ter­grund des ge­plan­ten in­ter­kom­mu­na­len Ge­wer­be­ge­biets „IGI Riß­tal“und der Aus­wei­sung neu­er Bau­ge­bie­te im Land­kreis hat der Bau­ern­ver­band Bi­be­rach-Sig­ma­rin­gen in ei­nem Pres­se­ge­spräch vor ei­nem „fort­lau­fen­den Flä­chen­fraß“ge­warnt. „Die­ses The­ma ha­ben wir schon län­ger auf der Ta­ges­ord­nung. In der Zwi­schen­zeit hat der Flä­chen­fraß je­doch ein Tem­po er­reicht, der ei­nem Angst ma­chen kann“, sag­te der Vor­sit­zen­de Ger­hard Gla­ser.

Nicht sel­ten wird Bi­be­rach als Wachs­tums­re­gi­on be­zeich­net. Wei­te­re Ar­beits­plät­ze und neue Woh­nun­gen ent­ste­hen – in der lo­gi­schen Kon­se­quenz braucht es da­für Grund­stü­cke, auch sol­che, die vor­her als Agrar­flä­che dien­ten. „Die Sied­lungs-, In­dus­trie- und Ver­kehrs­flä­che ist die am dy­na­mischs­ten wach­sen­de Nut­zungs­art“, so Gla­ser. Zu­dem fin­de die Ener­gie­wen­de auf vor­he­ri­gen Agrar­flä­chen statt, bei­spiels­wei­se in Gestalt von Pho­to­vol­ta­ik-Parks.

Der Kreis­ge­schäfts­füh­rer Ni­k­las Kreeb führ­te in die­sem Zu­sam­men­hang Zah­len des sta­tis­ti­schen Lan­des­amts Ba­den-Würt­tem­berg ins Feld. So ha­be von 1979 bis 2016 die land­wirt­schaft­lich ge­nutz­te Flä­che im Kreis um drei Pro­zent ab­ge­nom­men, be­rich­te­te er im Ge­spräch. Wenn man je­doch die Zah­len auf der Home­page des sta­tis­ti­schen Lan­des­amts her­an­zieht, er­gibt sich im Zei­t­raum von 1979 bis 2016 ein Mi­nus bei den land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen von rund elf Pro­zent. Da­mit wür­de der Land­kreis Bi­be­rach dann auch über dem Lan­des­schnitt lie­gen. In der Stadt Bi­be­rach ging der An­teil im sel­ben Zei­t­raum um 21 Pro­zent zu­rück, so Kreeb. „In den Bal­lungs­räu­men wird der Schwund an land­wirt­schaft­lich ge­nutz­ten Flä­chen deut­li­cher“, er­läu­ter­te Kreeb. Es müs­se ein Um­den­ken statt­fin­den. Kon­kret rich­te­ten sich die For­de­run­gen des Kreis­bau­ern­ver­bands an die Ge­setz­ge­ber, al­so Bun­des- und Lan­des­po­li­ti­ker. AN­ZEI­GE „Wir ver­lan­gen drin­gend ein ge­setz­lich ver­an­ker­tes Er­hal­tungs­ge­bot für land­wirt­schaft­li­che Flä­chen“, sag­te Gla­ser. Die­ses Ge­bot soll­te gleich hoch sein wie je­nes für Wal­do­der Na­tur­schutz­ge­bie­te. Aus­sa­gen, wie die Land­wirt­schaft sei ei­ne Be­dro­hung für den Ar­ten­schutz, är­gern Gla­ser: „Trotz al­ler Kon­zen­tra­ti­on we­gen des Flä­chen­fra­ßes ist die Land­wirt­schaft im­mer noch am ehes­ten Hei­mat für zahl­rei­che Tie­re und Pflan­zen.“Auf zu­be­to­nier­ten Flä­chen könn­ten In­sek­ten, Vö­gel und die meis­ten Pflan­zen nicht über­le­ben. An­ge­spro­chen dar­auf, ob das Pres­se­ge­spräch als Po­si­tio­nie­rung ge­gen das „IGI“zu wer­ten sei, re­agier­ten die Be­tei­lig­ten aus­wei­chend. „Wir dür­fen nicht den Feh­ler ma­chen, Handt­mann ge­gen die Bau­ern aus­zu­spie­len“, sag­te Kreeb. Viel­mehr gin­ge es dar­um, die Po­li­ti­ker zu sen­si­bi­li­sie­ren. Wie Gla­ser sag­te, ge­hö­re der Kreis Bi­be­rach zu den eher sel­te­nen Ge­gen­den, in der so­wohl In­dus­trie als auch Land­wirt­schaft rich­tig stark sei­en: „Na­tür­lich pro­fi­tie­ren wir al­le von der wirt­schaft­li­chen Blü­te. Aber wenn es so ex­trem kommt, dro­hen die wirt­schaf­ten­den Bau­ern un­ter die Rä­der zu kom­men.“Der Stell­ver­tre­ten­de Kreis­ob­mann Heinz Schef­fold mahn­te hier­bei zu mehr Maß, an­statt zu Ak­tio­nis­mus: „Wir brau­chen na­tür­lich für ein Wachs­tum neue Bau- und In­dus­trie­ge­bie­te so­wie Stra­ßen.“

Maß­vol­le Er­wei­te­run­gen

Al­ler­dings müs­se dies maß­voll ge­sche­hen. Der­zeit sei­en die „Wachs­tums­schrit­te über­hitzt“. Gla­ser er­in­ner­te da­bei an die eins­ti­gen Pla­nun­gen zum In­dus­trie­ge­biet zwi­schen Schem­mer­ho­fen und Äp­fin­gen: „Auch da­mals wur­den die Pla­nun­gen mit Hoch­druck vor­an­ge­trie­ben.“Doch dann sei die Fi­nanz­kri­se ge­kom­men – und die Plä­ne vom Tisch ge­we­sen. „Es gibt vie­le Un­wäg­bar­kei­ten, die zu be­rück­sich­ti­gen sind“, so der Vor­sit­zen­de. Als Lö­sung für die ge­gen­sei­ti­gen In­ter­es­sen von In­dus­trie und Land­wirt­schaft, brach­ten die Be­tei­lig­ten die For­de­rung nach ei­nem ver­dich­te­ten Bau­en ins Spiel. „Es muss al­les ge­tan wer­den, um den Flä­chen­ent­zug auf das kleins­te Mi­ni­mum zu re­du­zie­ren,“so Gla­ser. Schef­fold nann­te hier­bei als Bei­spiel, Park­häu­ser für die Fahr­zeu­ge der Mit­ar­bei­ter zu bau­en, an­stel­le gro­ßer Park­plät­ze. Zu­dem könn­te man neue In­dus­trie­flä­chen auch auf dem Are­al aus­ge­beu­te­ter Kies­gru­ben er­rich­ten. Laut Kreeb muss auch bei neu­en Wohn­ge­bie­ten zu­erst ge­prüft wer­den, ob denn nicht auch in­ner­orts durch den Ab­bruch von un­be­wohn­ten Häu­sern Bau­plät­ze ent­ste­hen könn­ten.

FO­TO: DA­NI­EL HÄ­FE­LE

War­nen vor gro­ßem Flä­chen­ver­brauch (von links): Ger­hard Gla­ser, Heinz Schef­fold, Ni­k­las Kreeb und Hu­bert Hopp.

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