Kun­de fühlt sich von Bank über­vor­teilt

Süd­west­bank be­strei­tet trotz ho­her Ver­lus­te fal­sche Be­ra­tung bei Geld­an­la­ge

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN - Geld­an­la­ge ist der­zeit ein schwie­ri­ges The­ma. We­gen der schlech­ten Zin­sen schla­gen vie­le Be­ra­ter ei­nen Ak­ti­en­kauf vor. Das hat Sigurd Gul­de aus Stet­ten am Bo­den­see ge­tan und fühlt sich jetzt von sei­ner Bank, der Süd­west­bank (SWB) „über den Tisch ge­zo­gen“. In­ner­halb von ei­nem drei­vier­tel Jahr hat­te er nach Auf­stel­lung der SWB von sei­nem an­ge­leg­ten Geld in Hö­he von 40 000 Eu­ro 4000 Eu­ro (Auf­stel­lung vom 28. No­vem­ber 2015) ver­lo­ren, ob­wohl er bei Ver­trags­ab­schluss aus­drück­lich ei­ne ri­si­ko­ar­me An­la­ge ver­ein­bart hat­te.

Ins­ge­samt hat­ten Gul­de und sei­ne Schwes­ter 50 000 Eu­ro ge­erbt, Geld das be­reits bei der SWB-Fi­lia­le Sig­ma­rin­gen lag, weil Gul­des Va­ter im­mer sei­ne Ge­schäf­te und die sei­nes Ar­beit­ge­bers über die­se Bank ab­ge­wi­ckelt hat­te. In meh­re­ren An­ru­fen wur­de dann nach­ge­fragt, so Gul­de, was denn nun mit dem Geld pas­sie­ren sol­le.

Mit ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Bank sei dann ein Ter­min ver­ein­bart wor­den, bei dem An­la­ge­mög­lich­kei­ten er­ör­tert wur­den. Die Bank­mit­ar­bei­te­rin ha­be vor­ge­schla­gen, das Geld auf­zu­tei­len. 20 000 Eu­ro soll­ten in das Pro­gramm „Süd­west­bank An­la­geIn­vest“flie­ßen, auf­ge­teilt in 10 000 Eu­ro als Fest­geld zu 1,5 Pro­zent Ver­zin­sung und 10 000 Eu­ro als An­la­ge im ETHNA-Ak­tiv In­vest­ment­fonds. Hier­aus wur­de ei­ne „über­durch­schnitt­li­che Ver­zin­sung“an­ge­kün­digt. Dem stimm­te Gul­de zu.

Die rest­li­chen 30 000 Eu­ro flos­sen in ei­nen SWB-In­vest­ment­fonds. Am 17. März 2015 wur­den die Ver­trä­ge un­ter­schrie­ben. Gul­de sagt: „Wir ha­ben ei­ne gro­ße Men­ge an Pa­pier un­ter­schrie­ben.“Da­bei ha­be man mehr­fach be­tont, dass man sich auf die münd­li­che Be­ra­tung ver­las­se, da nie­mand al­le Pa­pie­re le­sen und vor al­lem ver­ste­hen kön­ne. Dass die Ver­lus­te in be­sag­ter Hö­he und mehr ent­ste­hen könn­ten, da­vor ha­be man ihn und sei­ne bei der Ver­trags­un­ter­zeich­nung an­we­sen­de Schwes­ter nicht ein­dring­lich ge­nug un­ter­rich­tet.

Die ge­naue Hö­he der Ver­lus­te und an­ge­ge­be­nen Be­trä­ge va­ri­iert. Die ver­schie­de­nen, ir­ri­tie­rend von­ein­an­der ab­wei­chen­den Be­rech­nun­gen der Bank be­we­gen sich zwi­schen 6400 und 3152 Eu­ro. In ei­ner Auf­stel­lung der Bank vom 10. Fe­bru­ar 2016 be­läuft sich die Sum­me der Wert­pa- pie­re auf 33 601,86, in ei­ner Auf­stel­lung vom 22. Au­gust auf 34 473,40 Eu­ro. Das wä­ren, aus­ge­hend von 40 000 Eu­ro An­la­ge in Wert­pa­pie­ren je nach­dem rund 6400 oder rund 5500 Eu­ro Ver­lust. In Ab­zug ge­bracht müs­sen an­geb­lich wohl 1600 Eu­ro, sagt ein Mit­ar­bei­ter der SWB, die für die Be­gräb­nis­kos­ten Gul­des Mut­ter an­ge­fal­len sind. Un­be­rührt da­von bleibt die An­la­ge von 10 000 Eu­ro Fest­geld, die 150 Eu­ro Zins ab­ge­wor­fen hat und nach Aus­sa­ge von Gul­de un­auf­ge­for­dert zu­rück­ge­zahlt wur­de.

Jus­ti­zi­ar der Bank sieht die Ver­lust­la­ge an­ders

Claus Schnei­der, der Jus­ti­zi­ar der SWB, sieht die Ver­lust­la­ge an­ders, räumt aber ein, dass „der tat­säch­li­che Ver­lust re­la­tiv hoch für ei­ne Geld­an­la­ge der Ri­si­ko­klas­se 2 (ri­si­ko­arm)“sei. Er geht von 2460 Eu­ro Ver­lust, zu­züg­lich 692 Eu­ro Ge­büh­ren, al­so von ei­nem Auf­wand von 3152 Eu­ro aus, die al­so weit we­ni­ger aus­mach­ten als „dem ...un­ter­stell­ten Ver­lust von cir­ca 6400 Eu­ro.“Gul­de be­strei­tet, 6400 Eu­ro Ver­lust un­ter­stellt zu ha­ben, be­tont aber, nur 320 Eu­ro Ge­büh­ren be­zahlt zu ha­ben. Die Bank be­grün­det die Ver­lus­te mit Kurs­ver­lus­ten, die nach ei­ner lan­gen Hoch­pha­se ein­ge­tre­ten sei­en. Der Jus­ti­zi­ar sieht kein Fehl­ver­hal­ten der SWB: „Die bei der Be­ra­tung vor Ab­schluss er bei­den Geld­an­la­gen er­folg­ten Do­ku­men­ta­tio­nen sind nicht zu be­an­stan­den“, schreibt Schnei­der am 15. Fe­bru­ar die­sen Jah­res.

Er be­ruft sich un­ter an­de­rem auf ei­ne Fonds­ver­mö­gens­ver­wal­tung mit der Num­mer 77 00 35 752. Es er­gibt sich hier auch ein selt­sa­mes Re­chen­ex­em­pel: Un­ter der Kauf­sum­me der Pa­pie­re im Schrei­ben von Schnei­der sind 37 046 Eu­ro an­ge­ge­ben, un­ter dem ETHNA-Fonds wei­te­re 9092 Eu­ro als Kauf­sum­me, das er­gä­be ei­ne Ak­ti­en­in­ves­ti­ti­on von rund 46 948 Eu­ro. Dann wä­ren die in­ves­tier­ten 40 000 Eu­ro um 6948 Eu­ro über­schrit­ten.

Die Sach­la­ge ist ex­trem kom­pli­ziert, be­zie­hungs­wei­se wird von der Bank so kom­pli­ziert dar­ge­stellt, da mit im­mer wie­der wech­seln­den Zah­len ge­rech­net wird. Fakt bleibt, dass Gul­de ei­nen er­heb­li­chen Ver­lust hin­neh­men muss­te. Selbst bei den für Gul­de un­güns­tigs­ten Sum­men, die der Jus­ti­zi­ar an­führt, ist das ein Ver­lust von gut sechs Pro­zent auf das an­ge­leg­te Ak­ti­en­ver­mö­gen. Tat­säch­lich be­lau­fen sich nach An­ga­ben Gul­des die Ver­lus­te auf 4920,51 Eu­ro (An­ge­legt 39 909,20 Eu­ro, ab­züg­lich der er­hal­te­nen 34 988,69 Eu­ro – in 16 Mo­na­ten) – oder an­ders aus­ge­drückt mi­nus 12,3 Pro­zent, rech­net Gul­de vor.

Gul­de be­män­gelt im­mer wie­der wech­seln­de An­sprech­part­ner

Gul­de be­män­gelt nicht nur, dass ihm bei Ver­trags­un­ter­zeich­nung et­wa 50 Sei­ten Er­läu­te­run­gen vor­ge­legt wur­den, son­dern auch, dass es im­mer wie­der wech­seln­de An­sprech­part­ner bei der Bank gab. Rück­ruf­bit­ten wur­den gar nicht oder sehr ver­spä­tet er­füllt, weil Mit­ar­bei­ter sich nicht mel­de­ten oder in­zwi­schen nicht mehr für die­se An­ge­le­gen­heit zu­stän­dig wa­ren.

Auch stütz­ten sich die Be­rech­nun­gen der Bank im­mer wie­der auf an­de­re Zah­len. Er hat von der Bank ei­ne Er­stat­tung sei­nes an­ge­leg­ten Gel­des in vol­ler Hö­he zu­züg­lich ei­nes Scha­dens­er­sat­zes von 5000 Eu­ro ge­for­dert.

FOTO: AND­RE PENNER/ DPA

Geld­an­la­ge ist der­zeit ein schwie­ri­ges The­ma. We­gen der schlech­ten Zin­sen schla­gen vie­le Be­ra­ter ei­nen Ak­ti­en­kauf vor.

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