Der An­lass zum Kauf war der Eis­vo­gel

Su­san­ne und Jörg Am­sel ha­ben ne­ben dem Bahn­wärter­häus­chen das Blaue Haus ge­baut

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN - Schon die An­fahrt zum Blau­en Haus ist ro­man­tisch: Ent­lang der na­tur­be­las­se­nen Do­nau auf der al­ten Stra­ße nach Sig­ma­rin­gen­dorf fährt der Be­su­cher un­ter ei­nem Dach von grü­nen Bäu­men vor­bei an Wie­sen zum al­ten Bahn­wärter­häus­chen an der still­ge­leg­ten Stre­cke Men­gen-Stockach. Hier woh­nen Su­san­ne und Jörg Am­sel seit 1983. Drei Jah­re spä­ter ha­ben sie auf dem Grund­stück auch noch das Blaue Haus als Ate­lier, Werk­statt und Aus­stel­lungs­raum ge­baut.

Es ist ein traum­haf­ter, wie aus der Zeit ge­fal­le­ner Ort. „Gera­de jetzt im Mai und Ju­ni ist es am schöns­ten“, sagt Jörg Am­sel. Im gro­ßen Gar­ten blü­hen die Blu­men, Gar­ten­mohn, Fin­ger­hut, Ake­lei und an­de­re, in ei­nem Beet ge­dei­hen Kräu­ter und das al­les ist um­ge­ben von na­tür­li­chem Wald und saf­ti­gen Wie­sen. Au­ßer dem Zwit­schern der Vö­gel herrscht himm­li­sche Ru­he, der Halb­schat­ten der Ter­ras­se bie­tet sich für ein lau­schi­ges Kaf­fee­stünd­chen an. Ein gro­ßer Hund passt auf, dass kei­ne un­ge­be­te­nen Gäs­te kom­men.

Der Brun­nen kann aus­trock­nen

Aber die Na­tu­ridyl­le hat auch ih­re ne­ga­ti­ven Seiten. In der Mit­te zwi­schen Sig­ma­rin­gen und Sig­ma­rin­gen­dorf ge­le­gen, ist die Ver­sor­gung mit Ener­gie und Trink­was­ser schwie­rig. Am­sels muss­ten für den Strom ei­ne ei­ge­ne Frei­lei­tung, teils ober­ir­disch, von Sig’dorf aus ver­le­gen. Im Di­ckicht steht ein Gas­tank. „Für das Was­ser ha­ben wir auch ei­nen ei­ge­nen Brun­nen, aber in hei­ßen Som­mern kann der aus­trock­nen. Da muss­ten wir schon mal Was­ser vom Bau­hof ho­len“, er­zählt Su­san­ne Am­sel. Auch wur­de das Was­ser durch Müll­ab­la­ge­run­gen aus dem Ge­biet Wach­tel­hau ver­un­rei­nigt. Da­her muss­ten Am­sels ei­ne teu­re An­la­ge für Um­keh­ro­s­mo­se zur Was­ser­rei­ni­gung in­stal­lie­ren. „Das funk­tio­niert bes­tens, wir ha­ben jetzt über­prüf­tes, bes­tes Was­ser“, sagt Jörg Am­sel. „Wir wa­ren beim Kauf des Hau­ses von ei­nem Pri­vat­mann wohl et­was blau­äu­gig und im Nach­hin­ein war der Preis zu hoch“, meint Su­san­ne Am­sel, „aber wir füh­len uns nach wie vor sehr wohl hier“, er­gänzt ihr Mann. „Die La­ge ist un­be­zahl­bar“, hat ein Be­kann­ter be­stä­tigt. Na­tür­lich bringt die La­ge in­mit­ten der Na­tur auch ei­ni­ges an Ar­beit mit sich. Bäu­me wol­len ge­lich­tet, Wie­sen ge­mäht und der Gar­ten be­stellt wer­den. Ab und an fiel auch mal ein Ast auf die Strom­lei­tung, da muss­te dann die Mo­tor­sä­ge her. Die Ge­mein­de Sig’dorf hat hier in­zwi­schen ei­ni­ge Bäu­me ge­fällt.

Von der Groß­stadt aufs Land

Als der Fo­to­graf Am­sel mit sei­ner Frau, der Schmuck­de­si­gne­rin Su­san­ne, das Haus an der Do­nau 1983 kauf­te, stan­den nur das Bahn­wärter­haus und das Stell­werk­häus­chen aus Fach­werk. Am­sel be­trieb da­mals mit Part­nern ein Fo­to­la­bor in Stutt­gart und ist noch bis 1993 wö­chent­lich drei Mal ge­pen­delt, bis er sei­ne An­tei­le am La­bor ver­kauft hat. „Wir woll­ten raus aus der Groß­stadt und ha­ben uns an ver­schie­de­nen Or­ten um­ge­se­hen“, er­zählt Jörg Am­sel. Au­ßer­dem woll­te er als Na­tur­fo­to­graf auch mehr künst­le­risch ar­bei­ten. Sei­ne Frau er­in­nert sich: Der An­lass war ei­gent­lich der Eis­vo­gel. Wir bei­de lie­ben den Eis­vo­gel, und als wir an der Do­nau ent­lang spa­zier­ten, sa­hen wir die­sen schö­nen bun­ten Vo­gel. Da war dann klar, hier blei­ben wir.“

Da Am­sels zwei klei­ne Mäd­chen hat­ten, wur­de das Bahn­wärter­häus­chen zu eng. So wur­de an­stel­le ei­nes bau­fäl­li­gen Schup­pens das Blaue Haus ge­baut. Hier hat Su­san­ne Am­sel im Erd­ge­schoss ihr Schmuckate­lier und gibt auch Kur­se zur Schmuck­her­stel­lung. Im Ober­ge­schoss ha­ben Am­sels wie von An­fang an ge­plant jah­re­lang Aus­stel­lun­gen mit aus­wär­ti­gen Künst­lern und ei­ge­nen Ar­bei­ten ver­an­stal­tet. Das gan­ze Häu­schen wird im Win­ter mit ei­ge­nem Holz be­heizt, so gibt es ei­ne woh­li­ge, ge­müt­li­che Wär­me, da­mit es auch bei Mi­nus­gra­den ein lau­schi­ges Plätz­chen bleibt.

FO­TOS: CHRIS­TOPH WAR­TEN­BERG

Su­san­ne und Jörg Am­sel woh­nen in ei­nem klei­nen Pa­ra­dies im Grü­nen und ha­ben dort das Blaue Haus ge­baut.

Im Ober­ge­schoss be­fin­den sich die Aus­stel­lungs­räum­lich­kei­ten.

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