Bahn­hofs­ge­bäu­de ist be­lieb­tes­tes Fo­to­mo­tiv

Der al­te Gam­mer­tin­ger Bahn­hof wird dem­nächst ab­ge­ris­sen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB/LAUCHERT -

GAMMERTINGEN (ist/sz) - Die Fra­ge, wel­ches das am meis­ten fo­to­gra­fier­te Ge­bäu­de in der Stadt Gammertingen ist, hat sich bis­her wohl noch nie­mand ge­stellt. Al­lein der Hei­mat­kund­ler Bo­tho Wall­dorf tut es. Und er kann die Fra­ge auch ein­deu­tig be­ant­wor­ten: Es ist das al­te Bahn­hofs­ge­bäu­de von Gammertingen, das dem­nächst ab­ge­ris­sen wer­den soll.

„Die Tou­ris­tik-Bro­schü­ren der Stadt Gammertingen ab dem Jahr 1938 bis zu den An­sichts­kar­ten der heu­ti­gen Ta­ge rü­cken das frei-reichs­rit­ter­schaft­lich Speth´sche Stadt­schloss in den Mit­tel­punkt“, sagt Wall­dorf. Doch das Bahn­hofs­ge­bäu­de sei im Lau­fe der Jah­re ein­deu­tig viel häu­fi­ger fo­to­gra­fiert wor­den als das Schloss. Der ers­te Fo­to­graf, Jo­sef Rei­ser (1858 bis 1945), war schon im Herbst 1901 zur Stel­le, als das Bahn­hofs­ge­bäu­de noch gar nicht be­nutzt wur­de. So wich­tig er­schien ihm ein Glas­plat­ten­fo­to von dem Bau­werk zu er­stel­len, wel­ches 116 Jah­re alt wer­den soll­te.

„Ab den 1950er-Jah­ren ka­men ver­mehrt Ei­sen­bahn­freun­de nach Gammertingen, wel­che die da­mals noch vor­han­de­ne Ne­ben­bahn-Idyl­le fo­to­gra­fier­ten“, weiß Wall­dorf. Ein be­lieb­ter Mo­tiv­stand­punkt sei der „Gü­ter­ram­pen“ge­we­sen. Der bot ei­nen er­höh­ten Stand­punkt mit gu­ter Sicht auf die lang­fris­tig stets wech­seln­den Bahn­fahr­zeu­ge. Auf all die­sen Auf­nah­men kam un­be­ab­sich­tigt im­mer „Stel­le­schmieds Schopf“mit aufs

Bild. Die­se letz­te Gam­mer­tin­ger Feld­scheu­ne wur­de um 1900 Op­fer der zahl­rei­chen Brand­stif­tun­gen je­ner Zeit. Der Nach­fol­ge­bau hat die Zei­ten über­dau­ert und fand un­ge­ahn­te Ver­brei­tung in Zehn­tau­sen­den von Fo­tos, aber auch in den Ge­schäfts­be­rich­ten der Ho­hen­zol­le­ri­schen Lan­des­bahn AG.

Meh­re­re Epo­chen er­lebt

„Al­le Epo­chen der deut­schen Ge­schich­te hat das Bahn­hofs­ge­bäu­de Gammertingen er­lebt“, er­zählt Wall­dorf wei­ter. Das war bei­spiels­wei­se die Kai­ser­zeit mit den War­te­sä­len für die zwei­te und drit­te Klas­se, das Drit­te Reich un­ter an­de­rem mit den Mu­ni­ti­ons­zü­gen zur Mu­ni­ti­ons­an­stalt Mu­na Haid, und in den 1950erJah­ren wa­ren es die voll­be­setz­ten Pil­ger­zü­ge zum Gna­den­ort Beu­ron, der dann spä­ter seit 1993 be­quem mit dem Na­tur­park-Ex­press er­reicht wer­den kann. Os­tern 1983 und Os­tern 1985 wa­ren die Bahn­hofs­fes­te, mit neun be­triebs­fä­hi­gen Dampf­loks und Zehn­tau­sen­den von Be­su­chern, die nach wie vor größ­ten Ver­an­stal­tun­gen in der Ge­schich­te der Stadt Gammertingen. In den Jah­ren 1984 bis 2014 ver­kehr­te der Trieb­wa­gen­zug-Son­der­zug „Flie­gen­der Gam­mer­tin­ger“. „Nicht zu zäh­len ist die An­zahl der Fo­tos, die bei die­sen An­läs­sen auf dem Bahn­hof Gammertingen ge­macht wur­den“, so Wall­dorf.

Es ist auch ei­ne Men­ge von Li­te­ra­tur über den Bahn­hof Gammertingen ent­stan­den. Un­über­schau­bar sind die In­for­ma­tio­nen, die heu­te im Netz über Ge­schich­te und Ge­gen­wart des Bahn­hofs für je­den er­reich­bar sind.

FO­TO: IGNAZ STÖSSER

Ar­bei­ter neh­men an der Au­ßen­an­la­ge des neu­en Gam­mer­tin­ger Bahn­hofs­ge­bäu­des letz­te Ar­bei­ten vor. Dem­nächst soll es be­zo­gen wer­den. Der al­te Gam­mer­tin­ger Bahn­hof im Hin­ter­grund wird ab­ge­ris­sen.

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