Tram­po­lin-Sprin­ger ver­las­sen Heu­dorf wie­der

Kurs­an­bie­te­rin Me­la­nie Run­del beugt sich ei­nem vor Ge­richt aus­ge­tra­ge­nen Streit mit ei­ner Nach­ba­rin

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

HEU­DORF - Nach ei­nem Jahr in Heu­dorf zieht Me­la­nie Run­del mit ih­ren Fit­ness­kur­sen und ih­rem Team nach Men­gen um. Da­bei hat es ihr in den Räu­men in der ehe­ma­li­gen Heu­dor­fer Grund­schu­le sehr gut ge­fal­len und ih­re An­ge­bo­te im Tram­po­linJum­ping, In­door-Cy­cling und ver­schie­de­nen Fit­ness­kur­sen sind sehr gut an­ge­nom­men wor­den. Grund ih­res Weg­gangs ist ein Kon­flikt mit ei­ner di­rek­ten Nach­ba­rin. Die hat­te sie we­gen Ru­he­stö­rung an­ge­zeigt, die Ver­hand­lung ging zu­guns­ten der Nach­ba­rin aus. Nun muss Run­del nicht nur ho­he Auf­la­gen er­fül­len, son­dern auch die Pro­zess­kos­ten tra­gen. „In Heu­dorf zu blei­ben, ist mir zu ris­kant“, sagt sie. „Schließ­lich geht es um mei­ne Exis­tenz.“

Da­bei hat­te al­les so gut be­gon­nen. Vor ei­nem Jahr war sich Me­la­nie Run­del mit der Stadt­ver­wal­tung Scheer ei­nig ge­wor­den, Räu­me in der ers­ten Eta­ge des Schul­ge­bäu­des für ih­re Fit­ness­kur­se an­zu­mie­ten. „Es war ei­ne Win-Win-Si­tua­ti­on“, sagt sie. „Der Bür­ger­meis­ter war froh, dass die Räu­me wie­der ge­nutzt wer­den und für mein An­ge­bot war das genau pas­send.“Die ers­ten Kurs­teil­neh­mer wa­ren von der be­son­de­ren At­mo­sphä­re der Schu­le be­geis­tert. „Ich hat­te auch das Ge­fühl, dass die Heu­dor­fer sich freu­en, dass bei ih­nen im Ort mal wie­der et­was Neu­es an­ge­bo­ten wird“, sagt Run­del. Für die Jum­ping-Kur­se sei­en die Teil­neh­mer aber auch von wei­ter her nach Heu­dorf ge­kom­men. „Schließ­lich bie­tet das nicht je­der an.“

Schnell konn­te Run­del ihr Kurs­an­ge­bot aus­bau­en und wei­te­re Trai­ner ein­stel­len. „Ich wuss­te nicht, dass ne­ben­an ei­ne Zeit­bom­be tickt.“Kon­takt zur Nach­ba­rin, die im ehe­ma­li­gen Leh­rer­haus ne­ben­an wohnt, ha­be sie nicht ge­habt, höchs­tens ein­mal die Toch­ter auf dem Schul­hof ge­trof­fen. „Ein­mal woll­ten wir die Tram­po­li­ne nach drau­ßen stel­len und ich hat­te nach­ge­fragt, ob es in Ord­nung ist“, er­in­nert sich Run­del. „Da sag­te die Frau, dass wir doch eh ma­chen, was wir wol­len.“Dies ha­be sie schon et­was stut­zig ge­macht.

Im De­zem­ber sei ihr dann ein An­walts­schrei­ben ins Haus ge­flat­tert. Im dem sei ihr Ru­he­stö­rung vor­ge­wor­fen wor­den und ge­for­dert wor­den, die Mu­sik run­ter­zu­dre­hen und die Fens­ter wäh­rend der Kur­se ge­schlos­sen zu hal­ten. „Ich war total über­rascht, denn die Frau ist nie zu uns ge­kom­men und hat nie ge­sagt, dass wir ihr zu laut sind“, sagt Run­del. „Wir ha­ben uns im Team be­spro­chen und sind den For­de­run­gen so weit als mög­lich nach­ge­kom­men“, sagt Run­del. Weil sie nichts mehr von der Nach­ba­rin ge­hört ha­be, sei sie da­von aus­ge­gan­gen, dass es jetzt in Ord­nung sei. Statt­des­sen brach­te der Post­bo­te als nächs­tes ei­ne Vor­la­dung zu ei­ner Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt in Ra­vens­burg. Of­fen­bar hat­te die Nach­ba­rin sie we­gen Ru­he­stö­rung an­ge­zeigt und gleich die ent­spre­chen­den De­zi­bel­mes­sun­gen als Be­weis mit­ge­lie­fert. „Wir wuss­ten gar nicht, wann und wo das ge­mes­sen wor­den war“, so Run­del. Die Stadt­ver­wal­tung sei als Ver­mie­te­rin der Räu­me nicht an­ge­klagt wor­den, son­dern sie als Mie­te­rin. „Ich wuss­te gar nicht, was ich ma­chen soll­te“, sagt sie. „Ich bin noch nie ver­klagt wor­den.“Sie ha­be sich ei­nen Pflicht­ver­tei­di­ger neh­men müs­sen. Die Ver­hand­lung ha­be dann am Sch­mot­zi­gen Don­ners­tag statt­ge­fun­den. „Na­tür­lich hat die Rich­te­rin auch ge­fragt, war­um die Nach­ba­rin nicht auf uns zu­ge­gan­gen ist und ein klä­ren­des Ge­spräch ge­sucht hat“, so Run­del. „Aber das konn­te ich ihr auch nicht er­klä­ren.

Das Ur­teil kommt per Post

Um wei­te­re Mes­sun­gen ma­chen zu kön­nen, wur­de die Ver­hand­lung aus­ge­setzt. Be­ra­tung und Ur­teil fan­den nicht­öf­fent­lich statt, Me­la­nie Run­del be­kam am 28. April das Ur­teil der Rich­te­rin per Post zu­ge­stellt. Sie kam da­bei nicht der For­de­rung der Nach­ba­rin nach, den Sport­be­trieb von Me­la­nie Run­del ganz zu un­ter­sa­gen. „Aber auf­grund des­sen, dass wir die De­zi­bel­zahl der TA Lärm bei of­fe­nem Fens­ter nicht ein­hal­ten kön­nen, wur­den mir ho­he Auf­la­gen für den Wei­ter­be­trieb ge­macht“, sagt Run­del.

Soll­te sie wäh­rend des Be­triebs künf­tig mit of­fe­nem Fens­ter er­wischt wer­den, dro­he ihr ei­ne Geld­stra­fe von bis zu 250 000 Eu­ro. Au­ßer­dem muss sie die Ge­richts­kos­ten in Hö­he von 10 000 Eu­ro tra­gen. „Das war schon ein Schock, wo soll ich die denn her­neh­men?“, sagt Run­del.

Die Stadt­ver­wal­tung und der Ge­mein­de­rat sind Me­la­nie Run­del nach dem Ur­teil mit der Mie­te und dem ge­plan­ten Ein­bau von Schall­schutz­fens­tern ent­ge­gen­ge­kom­men. Trotz­dem konn­ten sie Run­del nicht hal­ten. Sie hat ih­ren Miet­ver­trag nun doch ge­kün­digt und wird ab dem 28. Ju­ni ih­re Kur­se in der Saar­stra­ße 3 in Men­gen in den Räu­men des ehe­ma­li­gen Li­fe­style-Stu­di­os an­bie­ten. „Es hat ein­fach kei­nen Wert mehr“, sagt Run­del. Um die Räu­me in Men­gen be­kom­men zu kön­nen, ha­be sie schnell han­deln müs­sen.

Bür­ger­meis­ter Lothar Fi­scher ist na­tür­lich ent­täuscht, dass Run­del Heu­dorf wie­der ver­lässt. „Aber ver­ständ­lich ist die Si­tua­ti­on na­tür­lich, da kön­nen wir nichts ma­chen.“Die Nach­ba­rin war für ei­ne Stel­lung­nah­me ge­gen­über der Schwä­bi­schen Zei­tung nicht zu er­rei­chen.

FO­TO: PRI­VAT

Me­la­nie Run­del möch­te ih­re gu­te Lau­ne be­hal­ten und ih­re Fit­ness­kur­se wei­ter­füh­ren. Des­halb zieht sie nach Men­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.