Ra­sen­mä­hen – ein me­di­ta­ti­ves Ver­gnü­gen?

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MENSCHEN - c.po­e­tsch-rit­ter@schwa­ebi­sche.de l.mo­el­lers@schwa­ebi­sche.de

Der Reiz des Ra­sen­mä­hens er­schließt sich sel­ten auf An­hieb. Mit­un­ter be­darf es des Um­wegs über die so­ge­nann­te Pro­kras­ti­na­ti­on – ei­ne an­geb­lich weit­ver­brei­te­te, krank­haf­te Ar­beits­stö­rung, die Men­schen, statt ih­ren krea­ti­ven Pflich­ten am Schreib­tisch nach­zu­kom­men, lie­ber we­nig an­spruchs­vol­le Tä­tig­kei­ten mit schnell sicht­ba­ren Er­geb­nis­sen ver­rich­ten lässt. Ge­mein­hin wird Bü­geln emp­foh­len. Aber im Som­mer war ich im­mer wie­der froh, aufs Ra­sen­mä­hen aus­wei­chen zu dür­fen, schon we­gen der fri­schen Luft. Und mit­un­ter er­eil­te mich, wäh­rend ich selbst­ver­ges­sen mei­ne Bah­nen zog, tat­säch­lich die zün­den­de Idee, die mir im Ar­beits­zim­mer, vor mich hin­brü­tend, nie ge­kom­men wä­re.

Da­mit ist es frei­lich vor­bei, seit der Vor­gang des Mä­hens selbst mei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit er­for­dert. Denn ich mä­he nur noch ge­zielt und se­lek­tiv. Es fing da­mit an, dass ich klei­ne Ko­lo­ni­en von Gän­se­blüm­chen und Ver­giss­mein­nicht be­hut­sam um­kurv­te. Ich brach­te es nicht übers Herz, sie mit den Tau­sen­den von Lö­wen­zahn-Klo­nen ein­fach platt­zu­ma­chen. Bald ha­be ich al­le paar Me­ter an­ge­hal­ten und das Gras in­spi­ziert, das ei­nen Ra­sen zu nen­nen im Grun­de im­mer schon ver­mes­sen war. Da­für darf ich mich jetzt an wach­sen­den Wie­sen­flä­chen mit Mar­ge­ri­ten und Mohn und Korn­blu­men er­freu­en. Auch wenn ich, statt zu mä­hen, nun wie­der bü­geln muss.

Mal stand das Gras zu hoch, weil ich den Ra­sen zu lan­ge nicht ge­mäht hat­te. Ich muss­te mit der Sen­se ran. Spä­ter war das Gras zu kurz, weil der Ra­sen­mä­her falsch ein­ge­stellt war. Brau­ne Fle­cken wa­ren die un­schö­ne Fol­ge. Mal hat­te ich mir vor­ge­nom­men, nun aber wirk­lich zu mä­hen: Lei­der fehl­te das Ben­zin für den Mo­tor. Und beim nächs­ten Mal muss­te ich län­ger als ge­plant ar­bei­ten: Da war es zu spät, die Nach­barn hät­ten we­gen Ru­he­stö­rung ge­me­ckert. Und schon wie­der stand das Gras zu hoch ...

Al­so kauf­te ich mir ei­nen Mäh­ro­bo­ter, der nie streikt, im­mer rich­tig ein­ge­stellt ist, stets Zeit hat, zu den pro­gram­mier­ten Zei­ten lei­se vor sich hin ar­bei­tet und nur ab und zu neue Mes­ser braucht. Das Er­geb­nis: ein per­fek­ter Ra­sen, ei­ne zu­frie­de­ne Fa­mi­lie und vor al­lem kein Stress. Ab­ge­se­hen von den ei­ge­nen Un­zu­läng­lich­kei­ten, die er­folg­rei­ches Mä­hen ver­hin­dern: War­um bit­te soll­te ich mit ei­nem lär­men­den und stin­ken­den Mä­her, der die Um­welt wie ein klei­nes Mo­tor­boot ver­pes­tet, durch mei­nen Gar­ten zie­hen? War­um die Fin­ger so dre­ckig ma­chen, dass sie noch nach ei­ner Wo­che an die grü­ne Pam­pe im Müll­sack er­in­nern? Ich bin froh, dass der al­te Elek­tro­mä­her im Him­mel für Gar­ten­ge­rä­te ge­lan­det ist: Das Ka­bel ha­be ich si­cher drei­mal durch­trennt.

Der Mäh­ro­bo­ter er­le­digt den Job viel bes­ser. Und hat ei­nen schö­nen Na­men: „Schaf “.

Beim Ra­sen­mä­hen kom­men mir zün­den­de Ide­en. Von Chris­tia­ne Pötsch-Rit­ter

Der Ro­bo­ter er­le­digt den Job viel bes­ser – und sau­be­rer. Von Lud­ger Möl­lers

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