So­li nur für Gut­ver­die­ner

SPD prä­sen­tiert Steu­er­kon­zept – Kri­tik aus Uni­on und FDP

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

BER­LIN (dpa) - Die SPD will im Fal­le ei­ner ge­won­ne­nen Bun­des­tags­wahl un­te­re und mitt­le­re Ein­kom­men ent­las­ten und Bes­ser­ver­die­ner stär­ker zur Kas­se bit­ten. Vor al­lem über die Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schla­ges für un­te­re und mitt­le­re Ein­kom­men ver­spricht die SPD Steu­er­ent­las­tun­gen von min­des­tens 15 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr ab 2020.

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz will den Spit­zen­steu­er­satz auf 45 Pro­zent an­he­ben. Der er­höh­te Satz soll dann ab 76 200 Eu­ro zu ver­steu­ern­dem Ein­kom­men für Le­di­ge grei­fen. Die Rei­chen­steu­er von drei Pro­zent­punk­ten auf den Spit­zen­steu­er­satz soll ab ei­nem Ein­kom­men von 250 000 Eu­ro er­ho­ben wer­den.

Bay­erns Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU) nann­te die Plä­ne „ty­pisch SPD: klas­si­sche Um­ver­tei­lung“. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sieht in den Plä­nen ei­ne „saf­ti­ge Steu­er­er­hö­hung“für den Mit­tel­stand.

BER­LIN - Dies­mal hat er sich Un­ter­stüt­zung mit­ge­bracht. SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz stellt in Ber­lin zu­sam­men mit dem Ham­bur­ger Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz und dem hes­si­schen Vor­sit­zen­den Thors­ten Schä­fer-Güm­bel das Steu­er­kon­zept der SPD vor. „Wer hart für sein Geld ar­bei­tet, darf nicht schlech­ter ge­stellt sein, als wer sein Geld für sich ar­bei­ten lässt“, so Schulz.

Das Pro­fil schär­fen, das war die De­vi­se der SPD nach der ver­lo­re­nen Wahl in NRW. Zu lan­ge hat­te man ge­zö­gert, die Kon­zep­te zum The­ma Ren­te und Steu­ern zu of­fen­ba­ren. Bei der Ren­te hat die Par­tei be­reits ge­lie­fert, jetzt legt Schulz die Steu­er­plä­ne der So­zi­al­de­mo­kra­ten vor. Dass er da­bei um­rahmt wird von Scholz, der auf dem rech­ten Par­tei­flü­gel an­ge­sie­delt ist, und Thors­ten Schä­ferGüm­bel, der den tra­di­tio­nell lin­ken Ge­nos­sen in Hes­sen vor­steht, ist wohl kein Zu­fall. Das Bild sym­bo­li­siert: Ei­nig­keit bei der SPD in Sa­chen Steu­er­ge­rech­tig­keit.

Auch Fach­ar­bei­tern hel­fen

„Ein mo­der­nes Deutsch­land braucht ei­ne mo­der­ne Fi­nanz­po­li­tik“, sagt Schulz. Es kön­ne nicht an­ge­hen, dass ein Fach­ar­bei­ter mit dem Spit­zen­steu­er­satz be­las­tet wer­de, sich aber in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne ent­zö­gen.

Der So­li-Zu­schlag für un­te­re und mitt­le­re Ein­kom­men soll 2020 gänz­lich fal­len, bei den Rei­che­ren lang­sam ab­ge­schmol­zen wer­den. Olaf Scholz be­grün­det dies da­mit, dass es ab dem 1. Ja­nu­ar 2020 mit dem Aus­lau­fen des So­li­dar­pakts kei­ne Grund­la­ge mehr für den So­li ge­be. „Wer sich um den So­li drückt, kann kein se­riö­ses Steu­er­kon­zept vor­le­gen“, sagt Ham­burgs Bür­ger­meis­ter an die Adres­se Wolf­gang Schäu­bles (CDU).

Zu­schuss zu So­zi­al­bei­trä­gen

Die SPD will Fa­mi­li­en ent­las­ten, die Kos­ten für Ki­tas und Ganz­tags­be­treu­ung in Schu­len sen­ken und lang­fris­tig ganz strei­chen. Gleich­zei­tig soll die Gren­ze für den Spit­zen­steu­er­satz, der der­zeit ab ei­nem zu ver­steu­ern­den Jah­res­ein­kom­men von 54 000 Eu­ro be­ginnt, an­ge­ho­ben wer­den auf 60 000. Heu­te zah­len 6,5 Pro­zent al­ler Steu­er­zah­ler den Spit­zen­steu­er­satz.

Klei­ne Ein­kom­men bis zu 1300 Eu­ro im Mo­nat, die von Steu­er­er­leich­te­run­gen nichts ha­ben, sol­len bei den So­zi­al­bei­trä­gen ent­las­tet wer­den, in­dem aus Steu­ern die Bei­trä­ge für die Ren­te mit­be­zahlt wer­den. Wer 850 Eu­ro ver­dient, soll um rund 300 Eu­ro jähr­lich bei der Ren­ten­zah­lung ent­las­tet wer­den.

Die SPD for­dert ei­ne Re­form der Erb­schaft­steu­er. Für Schä­fer-Güm­bel ist es ein „prag­ma­ti­scher, aber ef­fi­zi­en­ter Weg“, über die Erb­schaft­steu­er hö­he­re Ver­mö­gen zu be­steu­ern. Die Ver­mö­gen­steu­er, die wei­ter­hin im SPD-Grund­satz­pro­gramm steht, hat sich als sehr schwie­rig er­wie­sen. Von den Ju­sos al­ler­dings kam post­wen­dend Pro­test.

„Die Ver­mö­gen­steu­er ist für uns nicht vom Tisch“, sagt de­ren Vor­sit­zen­de Jo­han­na Ue­ker­mann. Ei­ne SPD in Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung müs­se die Ein­füh­rung ei­ner Ver­mö­gen­steu­er ernst­haft prü­fen.

Beim Par­tei­tag der SPD am Sonn­tag wird das Wahl­pro­gramm ein­ge­bracht. Dort soll dann auch Ge­le­gen­heit sein, ent­spre­chen­de An­trä­ge zu stel­len.

Der Par­tei­tags­ort Dort­mund war vor Mo­na­ten aus­ge­sucht wor­den, als man noch da­von aus­ging, dass die NRW-SPD die Wahl ge­winnt und man da­durch ent­spre­chen­den Rü­cken­wind er­hält. Die­se Hoff­nun­gen ha­ben sich zer­schla­gen, Han­ne­lo­re Kraft hat sich zu­rück­ge­zo­gen.

Schrö­der soll ein­hei­zen

Statt­des­sen wird Alt­kanz­ler Ger­hard Schrö­der in Dort­mund als „Ein­hei­zer“er­war­tet. Im Mit­tel­punkt des Par­tei­tags wird aber na­tür­lich Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz ste­hen.

„Wir ha­ben so­li­de ge­rech­net und ver­spre­chen nichts, was wir nicht hal­ten kön­nen“, sagt Schulz in Ber­lin. Er geht da­von aus, dass das Steu­er­kon­zept mit ei­nem Ent­las­tungs­vo­lu­men von 15 Mil­li­ar­den Eu­ro von der Par­tei so ak­zep­tiert wird. Man ha­be sich lei­ten las­sen von dem, was man für ge­recht hal­te, meint der Kanz­ler­kan­di­dat. Und jetzt ge­he es dar­um, wer die bes­se­ren Kon­zep­te ha­be. „Wir stel­len un­se­re vor, an­de­re ge­hen schwei­gend in die Zu­kunft“, kri­ti­siert Schulz mit Blick auf die Uni­on. So viel Wahl­kampf muss dann doch schon sein.

FO­TO: DPA

Ham­burgs Ers­ter Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz, Kanz­ler­kan­di­dat und Par­tei­chef Mar­tin Schulz und der hes­si­sche SPD-Lan­des­chef Thors­ten Schä­fer-Güm­bel (von links) prä­sen­tie­ren das neue Steu­er­kon­zept der SPD.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.