Zwi­schen Ent­täu­schung und Hoff­nung

Po­li­zei­prä­si­di­um: Reaktionen auf die Stand­ort­fest­le­gung auf Ra­vens­burg.

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann und Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN/MEN­GEN - Im Land­kreis Sig­ma­rin­gen re­agie­ren die Bür­ger­meis­ter un­ter­schied­lich auf die In­for­ma­ti­on, dass Ra­vens­burg als Stand­ort für das künf­ti­ge Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­schwa­ben als ge­setzt gilt. Men­gens Bür­ger­meis­ter Ste­fan Bubeck ist ent­täuscht, Ho­hen­ten­gens Bür­ger­meis­ter Pe­ter Rai­ner will die Hoff­nung noch nicht ganz auf­ge­ben, Sig­ma­rin­gens Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer mehr über die Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en er­fah­ren. Die bei­den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Andrea Bo­gner-Un­den (Grü­ne) und Klaus Bur­ger (CDU) wer­den am Mitt­woch mit Staats­se­kre­tär Jä­ger über das The­ma spre­chen.

Seit En­de März die Emp­feh­lun­gen des Len­kungs­aus­schus­ses zur Über­prü­fung der Po­li­zei­re­form ver­öf­fent­licht wor­den wa­ren, ist klar, dass es ein Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­schwa­ben für den Bo­den­see­kreis so­wie die Land­krei­se Sig­ma­rin­gen und Ra­vens­burg ge­ben wird. Die­ses Prä­si­di­um hat­te es in al­len zur De­bat­te ge­stell­ten Va­ria­tio­nen ge­ge­ben. Da der Stand­ort zum da­ma­li­gen Zeit­punkt noch nicht als be­schlos­sen gel­ten konn­te, hat­ten Sig­ma­rin­gen, Bad Saul­gau und Men­gen/Ho­hen­ten­gen sich un­ab­hän­gig von­ein­an­der mit Grund­stü­cken und den ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­ge­län­den bei der Lan­des­re­gie­rung in Stutt­gart als mög­li­che Stand­or­te be­wor­ben. Im Mai hat­te Staats­se­kre­tär Mar­tin Jä­ger, der im In­nen­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg für Po­li­zei­an­ge­le­gen­hei­ten zu­stän­dig ist, den Kreis be­sucht und die an­ge­bo­te­nen Im­mo­bi­li­en und Flä­chen be­gut­ach­tet.

„Ein­ma­li­ge Chan­ce ver­tan“

„Jetzt kön­nen wir ei­gent­lich nur Ra­vens­burg gra­tu­lie­ren“, sagt Ste­fan Bubeck, Bür­ger­meis­ter der Stadt Men­gen. Er macht kei­nen Hehl dar­aus, dass er die Ent­schei­dung für Ra­vens­burg für ei­ne „struk­tur­po­li­ti­sche Fehl­ent­schei­dung“hält. „Hier wird die ein­ma­li­ge Chan­ce ver­tan, mit dem Kreis Sig­ma­rin­gen als Stand­ort end­lich ein­mal den länd­li­chen Raum zu stär­ken“, sagt er. „Seit dem Ab­zug der Bun­des­wehr gibt es im­mer nur Lip­pen­be­kennt­nis­se, aber es wird nichts ge­tan.“Im Ge­gen­satz zu den ehe­ma­li­gen Bun­des­wehrStand­or­ten Sig­ma­rin­gen und Meß­stet­ten hät­ten Men­gen und Ho­hen­ten­gen auch kei­ne Zu­schüs­se in zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he als Kom­pen­sa­ti­on er­hal­ten. „Da bin ich auch per­sön­lich von den Po­li­ti­kern ent­täuscht, die 2011 mit Un­ter­stüt­zungs­ver­spre­chen für die Kon­ver­si­on auf uns zu­ge­kom­men sind.“Jetzt wä­re die Mög­lich­keit ge­we­sen ein Si­gnal zu set­zen. „Aber wie­der wird ein Bal­lungs­raum be­vor­zugt“, so Bubeck.

Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer gibt die Be­wer­bung um ein Po­li­zei­prä­si­di­um in Sig­ma­rin­gen noch nicht ver­lo­ren. „Nach mei­nem Kennt­nis­stand ist den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den ein Vor­schlag des In­nen­mi­nis­te­ri­ums zu­ge­gan­gen, ein wei­te­res Po­li­zei­prä­si­di­um in Ra­vens­burg ein­zu­rich­ten. Dar­über wol­len Grü­ne und CDU am Mitt­woch re­den“, sagt Schä­rer. Ent­schei­den­de Fra­gen sei­en al­ler­dings bis­lang nicht be­ant­wor­tet. „Was sind die Kri­te­ri­en für die Ent­schei­dung und vor al­lem, was kos­tet es“, will Schä­rer wis­sen.

Er kön­ne den Vor­schlag des In­nen­mi­nis­te­ri­ums nur zur Kennt­nis neh­men, er ha­be kei­nen Kon­takt zum Mi­nis­te­ri­um ge­habt. „In dem Vor­schlag sind die Vor­zü­ge Sig­ma­rin­gens nicht ge­wür­digt wor­den. Wir ha­ben drei Grund­stü­cke, ei­nes bei der Ne­po­muk­brü­cke, das der al­ten Le­bens­mit­tel­un­ter­su­chungs­an­stalt und na­tür­lich das Ka­ser­nen­ge­län­de an­zu­bie­ten“, be­tont Schä­rer. Er ge­he da­von aus, dass es noch in­ten­si­ve Dis­kus­sio­nen un­ter an­de­rem über die Kos­ten ge­ben wer­de, erst dann kön­ne man wei­ter über­le­gen. „Es ist noch al­les mög­lich, viel­leicht bleibt auch al­les beim Al­ten“, sagt der Sig­ma­rin­ger Bür­ger­meis­ter.

Rai­ner ist wei­ter ge­spannt

„Na­tür­lich hat Ra­vens­burg ei­ne star­ke Stel­lung, aber es ist noch al­les of­fen“, sagt auch Ho­hen­ten­gens Bür­ger­meis­ter Pe­ter Rai­ner. Am En­de sei vor al­lem wich­tig, dass es mit ei­nem Prä­si­di­um für Ober­schwa­ben ei­ne gu­te po­li­zei­li­che Ver­sor­gung der Bür­ger ge­be. Er bli­cke der wei­te­ren Dis­kus­si­on mit Span­nung ent­ge­gen, zu­mal die grü­nen Po­li­ti­ker an­de­re Auf­fas­sun­gen hät­ten als die der CDU. „Be­trach­tet man nur den Kos­ten­fak­tor, spricht al­les für die Ge­bäu­de auf dem Ehoch4-Ge­län­de“, sagt Rai­ner. „Aber auf an­de­re Kri­te­ri­en ha­ben wir kei­nen Ein­fluss, ken­nen sie ja noch nicht ein­mal.“

Ge­nau die­se Kri­te­ri­en will der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Klaus Bur­ger heu­te und mor­gen ge­nau­er un­ter die Lu­pe neh­men. „Wir konn­ten ja durch­set­zen, dass die drei Stand­or­te im Kreis Sig­ma­rin­gen vom In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­prüft wur­den“, sagt er. „Jetzt will ich die Er­geb­nis­se auch se­hen.“Er be­tont, dass die Ka­bi­netts­vor­la­ge zwar Ra­vens­burg be­vor­zu­ge, aber die Ent­schei­dung noch nicht ge­fal­len sei. Zeit­gleich blei­be er auch an der Mög­lich­keit dran, dass auf dem Ka­ser­nen­ge­län­de ei­ne Aus­bil­dungs­stät­te für Po­li­zis­ten ein­ge­rich­tet wer­den könn­te, wenn es kein Prä­si­di­um gibt. „Dass sich die Ge­bäu­de da­für bes­tens eignen, ist in Stutt­gart an­ge­kom­men“, sagt er. „Wir ha­ben bis­her gut ge­kämpft, sonst wä­ren wir nicht so weit ge­kom­men.“

„Ich fin­de es sehr scha­de, dass of­fen­sicht­lich ein mög­li­ches Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­schwa­ben nicht im Land­kreis Sig­ma­rin­gen sein soll. Ich ha­be mich sehr für ei­nen Stand­ort in un­se­rem Land­kreis ein­ge­setzt“, sagt die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Andrea Bo­gner-Un­den (Grü­ne). Ge­mein­sam mit MdL Klaus Bur­ger wer­de sie des­halb am Mitt­woch­vor­mit­tag Staats­se­kre­tär Mar­tin Jä­ger am Ran­de des Plen­ums in Stutt­gart spre­chen. Sie er­war­te von Jä­ger Trans­pa­renz über mög­li­che Ar­gu­men­te und Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en des In­nen­mi­nis­te­ri­ums bei der Stand­ort­aus­wahl ei­nes Po­li­zei­prä­si­di­ums Ober­schwa­ben. „Für Sig­ma­rin­gen wer­de ich mich bei Jä­ger für ei­nen Aus­bau der Po­li­zei­prä­senz stark ma­chen, wel­ches di­rekt mit ei­ner zu­sätz­li­chen 24-St­un­den-Po­li­zei­wa­che auf dem Ge­län­de der Lan­des­erst­auf­nah­me ver­bun­den sein soll­te. Beim In­nen­mi­nis­te­ri­um wer­de ich zu­dem für die vor­han­de­nen Lie­gen­schaf­ten wer­ben, um die­se lan­des­ei­gen zu nut­zen.

Die grü­ne Land­tags­frak­ti­on ent­schei­de nicht über ein­zel­ne Stand­or­te. Selbst­ver­ständ­lich ha­be sie sich im Vor­feld in­ner­halb ih­rer Frak­ti­on für ei­nen Stand­ort im Land­kreis Sig­ma­rin­gen ein­ge­setzt. „Die Ent­schei­dung liegt nicht in der Frak­ti­on, son­dern beim In­nen­mi­nis­te­ri­um“, sagt Bo­gner-Un­den.

FO­TO: DPA

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Er­hält der Land­kreis Sig­ma­rin­gen kein Po­li­zei­prä­si­di­um? Für die ei­nen ist es schon be­schlos­se­ne Sa­che, an­de­re hof­fen noch.

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