Der lan­ge Weg zum Woh­nen im Dorf

Wohn­häu­ser statt ver­fal­le­ne Ge­bäu­de - Land­wirt Lutz macht Hof zu Bau­plät­zen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Ru­di Mul­ter

HAID - Die Lan­ge Stra­ße in Haid bei Bad Saul­gau steht vor ei­ner gro­ßen Ve­rän­de­rung: Das Ehe­paar Sieg­fried und Kla­ra Lutz will die al­ten, bau­fäl­li­gen und nicht sehr an­sehn­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Ge­bäu­de ab­rei­ßen und an ih­rer Stel­le 14 Bau­plät­ze er­schlie­ßen. Da­mit er­mög­li­chen sie Häus­le­bau­ern das Le­ben auf dem Dorf. Doch der Weg da­hin ist lang. Seit 30 Jah­ren macht sich Sieg­fried Lutz über die Ver­wen­dung sei­ner al­ten Ge­bäu­de Ge­dan­ken.

„Wir sind jetzt auf je­den Fall ein Stück wei­ter“, sagt Sieg­fried Lutz beim Vor-Ort-Ter­min in Haid. Der Ge­mein­de­rat der Stadt Bad Saul­gau hat En­de Mai die öf­fent­li­che Aus­le­gung des Be­bau­ungs­plans „Orts­kern Haid“be­schlos­sen. Läuft al­les glatt, könn­ten im kom­men­den Jahr die ers­ten Grund­stü­cke ver­kauft wer­den, schätzt Ans­gar Klei­ner, Orts­vor­ste­her der Ort­schaft Haid-Bo­gen­wei­lerSie­ßen.

Struk­tur­wan­del

Das Pro­jekt hat viel zu tun mit dem Struk­tur­wan­del der Land­wirt­schaft. „Die Land­wirt­schaft hat in­ner­halb der Ort­schaf­ten kei­nen Platz mehr“, sagt Sieg­fried Lutz. Das Pro­blem, so der Land­wirt, sei­en die Im­mis­sio­nen. Woh­nen auf der ei­nen und Ge­ruchs­be­läs­ti­gung und Lärm durch die Land­wirt­schaft auf der an­de­ren Sei­te ver­tra­gen sich auf dem Dorf schon lan­ge nicht mehr. Der 47-jäh­ri­ge Land­wirt bau­te des­halb ei­ne neue Hof­stel­le au­ßer­halb des Dorfs. In dem Stall mit Fut­ter­la­ger hält Sieg­fried Lutz rund 100 Milch­kü­he, im Dorf wä­re nach sei­nen Wor­ten die Hal­tung von höchs­tens 60 Kü­hen mög­lich ge­we­sen. Den Struk­tur­wan­del be­kommt Sieg­fried Lutz nicht al­lein zu spü­ren. Von ur­sprüng­lich elf land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben in Haid, ge­be es heu­te nur noch vier. Und es geht wei­ter. Sieg­fried Lutz stellt seit ei­nem Jahr auf bio­lo­gi­sche Prouk­ti­ons­wei­e­se um, weil er da das Ge­fühl ha­be, dass land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te von Ver­mark­tern und Ver­brau­chern ge­schätzt wer­den.

„Das Raus­ge­hen kos­tet ei­ne Men­ge Geld“, so der Land­wirt. Zu­sätz­li­che Mit­tel woll­te er nicht in den Un­ter­halt sei­ner al­ten land­wirt­schaft­li­chen Ge­bäu­de ent­lang der Lan­ge Stra­ße in Haid ste­cken. Die Ge­bäu­de ver­fie­len. Das ist kein schö­ner An­blick. Der frü­he­re lang­jäh­ri­ge Ort­schafts­rat weiß sehr wohl um die Frem­den, die Haid an­ge­sichts der al­ten, ver­fal­le­nen Häu­ser für „kein schö­nes Dorf“hiel­ten. In Bo­gen­wei­ler und Sie­ßen, den bei­den an­de­ren Teil­or­ten, ver­lief die Ent­wick­lung an­ders. Bo­gen­wei­ler be­kam ein Dorf­ge­mein­schafts­haus und ein Neu­bau­ge­biet, Sie­ßen ha­be durch das Klos­ter ei­ne Ei­gen­dy­na­mik ent­wi­ckelt, er­zählt Lutz.

In ei­ni­gen Be­rei­chen sind in Haid al­te Hof­stel­len durch neue er­setzt wor­den. Das An­we­sen der Fa­mi­lie Lutz aber hat ei­ne zen­tra­le Be­deu­tung. „Die Leu­te ha­ben nicht ver­stan­den, war­um das hier so lan­ge dau­ert“, er­in­nert sich Sieg­fried Lutz. Ers­te Ge­sprä­che führ­te der Land­wirt

be­reits mit Alt­bür­ger­meis­ter Gün­ter St­rigl, auch bei Jo­han­nes Hä­fe­le war das Pro­jekt ei­ner neu­en Nut­zung für die vom Ver­fall be­droh­ten Ge­bäu­de ein The­ma. Doch es gab Pro­ble­me. Ei­nes der gro­ßen war die um­welt­ge­rech­te Be­hand­lung des Nie­der­schlag­was­sers für die 14 künf­ti­gen Wohn­häu­ser. Ei­ne Ver­si­cke­rung auf dem leh­mi­gen Un­ter­grund war nicht mög­lich. Ein spe­zi­el­les Re­gen­was­ser­sys­tem lei­tet das Was­ser nun han­g­ab­wärts zu ei­ner Flä­che, auf der das Was­ser ver­si­ckern kann.

Sor­gen we­gen der Ver­mark­tung für die Bau­grund­stü­cke macht sich Sieg­fried Lutz nicht, auch wenn er schon jetzt mit ei­nem Qua­drat­me­ter­preis von über 120 Eu­ro rech­net. Doch die Vor­tei­le der neu­en Plät­ze sei­en deut­lich. Zum Ein­kau­fen, zum Kin­der­gar­ten und zur Schu­le sind es von Haid aus we­ni­ge Ki­lo­me­ter. Die Stra­ßen­an­bin­dung ist gut, die Plät­ze ver­gleichs­wei­se groß.

„Ei­ne Auf­wer­tung“

„Das ist ei­ne Auf­wer­tung des Ein­gangs in das Dorf“, freut sich auch Bo­gen­wei­lers Orts­vor­ste­her Ans­gar Klei­ner. Da­zu ge­hö­re auch die Neu­ge­stal­tung des frü­he­ren En­gel-Are­als an der Bun­des­stra­ße durch Gio­van­ni Me­lil­lo aus Ho­hen­ten­gen. Er möch­te an die­sem Stand­ort ei­ne Moz­za­rel­la-Pro­duk­ti­on ein­rich­ten.

FO­TO: RU­DI MUL­TER

Ei­ne Lö­sung für die Flä­che mit den bau­fäl­li­gen Ge­bäu­den nach vie­len Jah­ren: Kla­ra und Sieg­fried Lutz hal­ten den Be­bau­ungs­plan, der an der Lan­ge Stra­ße in Haid den Bau von 14 Wohn­häu­sern er­mög­li­chen soll.

Un­ge­nutz­te land­wirt­schaft­li­che Ge­bäu­de ver­fal­len. Die­ses in Haid soll bald neu­en Bau­plät­zen wei­chen.

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