Pre­mie­re un­ter frei­em Him­mel

Das Thea­ter Ra­vens­burg zeigt die Ko­mö­die „Die Af­fä­re Rue de Lour­ci­ne“im In­nen­hof

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - VERANSTALTUNGEN -

RA­VENS­BURG (sz) - Die Pro­ben zur Ko­mö­die „Die Af­fä­re Rue de Lour­ci­ne“von Eu­gè­ne La­bi­che im Hof des Thea­ters Ra­vens­burg sind in vol­lem Gan­ge. Am Don­ners­tag, 22. Ju­ni, um 20.30 Uhr ist Pre­mie­re. Re­gis­seur Kars­ten En­gel­hardt gab sich am Mitt­woch­abend wäh­rend der ers­ten Ge­samt­pro­be mit Ko­s­tü­men im Frei­en schon sehr zu­frie­den über das, was ihm das fünf­köp­fi­ge En­sem­ble auf der Büh­ne bot.

Es ist ein Ein­ak­ter oh­ne Pau­se, der nur 70 Mi­nu­ten dau­ert, wes­we­gen Kars­ten En­gel­hardt den Be­ginn auf 20.30 Uhr ge­legt hat. Da­mit es im Ver­lauf des Stü­ckes, wenn die Span­nung steigt, schon dun­kelt. Al­le – Mar­co Ric­ci­ar­do, Alex Niess, To­bi­as Bern­hardt, Ana Schle­gel und Lothar Sonn­tag – tra­ten an die­sem Pro­ben­a­bend erst­mals in Ko­s­tü­men auf, die Ca­trin Bren­del als neue Ko­s­tüm­bild­ne­rin kre­iert hat. Ana Schle­gel in ih­rem rund­um ge­pols­ter­ten Bie­der­mei­er­kleid dürf­te hier­bei am meis­ten ge­schwitzt ha­ben. Das Büh­nen­bild von Wer­ner Klaus steht mit ei­nem rie­si­gen, schräg in Rich­tung Zu­schau­er­raum ge­kipp­ten Dop­pel­bett im Mit­tel­punkt. Das statt ei­nes Al­ko­vens, wie es der Ori­gi­nal­text vor­sieht. Um­säumt ist es von groß­flä­chi­gen Vor­hän­gen, die im­mer dann im Wind flat­ter­ten, wenn sie zu­ge­zo­gen blei­ben soll­ten. Sehr zum Leid­we­sen, aber auch zur Gau­di der Schau­spie­ler. Eu­gè­ne La­bi­che, 1815 in Pa­ris ge­bo­ren und 1888 eben­dort ver­stor­ben, ist als er­folg­rei­cher Lust­spiel­dich­ter be­kannt ge­wor­den. Sein Me­tier war das Gen­re­thea­ter, für das er über Jahr­zehn­te Pos­sen schrieb. Die 1857 ent­stan­de­ne Ko­mö­die „Die Af­fä­re Rue de Lour­ci­ne“, in der es vor­der­grün­dig um die Er­mor­dung ei­ner jun­gen Koh­len­händ­le­rin geht, steht für La­bi­ches sze­ni­schen Hu­mor und sei­ne Schlag­fer­tig­keit in den Dia­lo­gen.

Letz­te­re hat El­frie­de Je­linek ins Deut­sche über­setzt. „Die bei­den Män­ner Leng­lu­mé und Mis­tin­gue wa­chen zu­sam­men im Bett auf und ha­ben nach ei­ner durch­zech­ten Nacht ei­nen Film­riss“, er­klärt Kars­ten En­gel­hardt und blickt auf das Bett in Schief­la­ge. Hier hat sich das En­sem­ble ge­ra­de zum Fi­na­le ein­ge­fun­den – Ana Schle­gel als No­ri­ne und Ehe­frau von Leng­lu­mé, der mit Alex Niess als Mis­tin­gue ei­ne al­ko­hol­durch­dräng­te Nacht beim Ehe­ma­li­gen­treff sei­ner al­ten Schu­le zu­ge­bracht hat. To­bi­as Bern­hardt spielt ab­wech­selnd den Die­ner Jus­tin und Vet­ter Po­tard. Am Büh­nen­rand hat sich Lothar Sonn­tag mit sei­nem Ak­kor­de­on pos­tiert. Er über­nimmt den mu­si­ka­li­schen Part zu den Cou­plets der Schau­spie­ler, wenn sie beim Früh­stück im Bett ihr Lied „Zu Tisch, ge­schwind. Der Ap­pe­tit kommt mit dem Es­sen und lässt das Den­ken ver­ges­sen“an­stim­men. Nur dass No­ri­ne ei­ne Zei­tung auf­blät­tert, die von der Er­mor­dung be­sag­ter Koh­len­händ­le­rin be­rich­tet. Leng­lu­mé und Mis­tin­gue hal­ten sich für die Mör­der, kön­nen sich aber nicht mehr ge­nau er­in­nern und hier be­ginnt die Ge­schich­te von zwei Spieß­bür­ger­li­chen, die an den Ab­grund ge­ra­ten.

Al­les muss jetzt für die Pro­be pa­rat sein. Die Schnür­sen­kel für sonn­tags ab­ge­tra­ge­nen Schu­he, das Stö­vchen mit den Rauch­pa­tro­nen, die Pfei­fe, die Jus­tin ver­ges­sen hat zu­sam­men zu bau­en. Manch­mal ver­pas­sen sie noch ih­re Ein­sät­ze oder Lothar Sonn­tag muss noch ein­mal im­pro­vi­sie­ren. Doch der Wind hat sich all­mäh­lich ge­legt, so­dass die Vo­lants end­lich ru­hig hän­gen und Mis­tin­gue da­hin­ter wei­ter un­ge­se­hen schnar­chen kann. „Das sieht su­per aus!“, freut sich En­gel­hardt von sei­nem Re­gie­tisch aus ne­ben As­sis­ten­tin Han­nah Rech über die ge­lun­ge­nen Sze­nen.

FO­TO: BA­BET­TE CA­E­SAR

Al­le in ei­nem Bett – To­bi­as Bern­hardt, Mar­co Ric­ci­ar­do, Alex Niess, Ana Schle­gel und Lothar Sonn­tag bei den Pro­ben für die Frei­licht-Ko­mö­die „Die Af­fä­re Rue de Lour­ci­ne” im Thea­ter Ra­vens­burg.

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