Sig’dor­fer Ver­gan­gen­heit wird in Bil­dern wie­der le­ben­dig

Die Ge­mein­de er­in­nert sich in Fo­tos an sei­ne Ge­schich­te

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN/SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIG­MA­RIN­GEN­DORF - Ei­ne reiz­vol­le und opu­len­te Bil­der­ga­le­rie stellt der neu er­schie­ne­ne Fo­to­bild­band „Sig­ma­rin­gen­dorf – Un­se­re Ge­mein­de in Bil­dern aus frü­he­ren Ta­gen“dar. Der Band ist nicht nur ei­ne Fund­gru­be für ein­ge­fleisch­te Sig’dor­fer, son­dern zugleich auch ei­ne wert­vol­le Samm­lung his­to­ri­scher Do­ku­men­te, de­ren Nut­zen weit über die Lo­kal­his­to­rie hin­aus­reicht. Darstel­lun­gen dörf­li­chen Le­bens in der Ver­gan­gen­heit, wie sie auch in so­zio­lo­gisch-his­to­ri­schen Un­ter­su­chun­gen ge­leis­tet wer­den, fin­den hier ei­ne Fül­le von Ma­te­ri­al.

Der Band glie­dert sich in 15 The­men­kom­ple­xe, an­ge­fan­gen mit ei­nem Rund­gang durch das Dorf, fer­ner die Land­wirt­schaft, Ver­ei­ne und Fes­te und na­tür­lich Kirch­li­ches. Nicht feh­len dür­fen die Fas­net oder die Hüt­ten­wer­ke in Lau­cher­thal. Ein kur­zes Ka­pi­tel be­fasst sich mit der Ge­mein­de im Drit­ten Reich, mit Auf­mär­schen, Kund­ge­bun­gen und dem Be­such des NSDAP-Kreis­lei­ters.

Si­cher­lich steht der Wie­der­er­ken­nungs­wert bei Per­so­nen aus dem Dorf­le­ben im Mit­tel­punkt der Samm­lung. So man­cher Aus­ruf der Ver­wun­de­rung, die Er­in­ne­rung der Kin­der und En­kel an ih­re Alt­vor­de­ren, wird beim Be­trach­ten ei­nen brei­ten Raum ein­neh­men. Aber auch Ge­bäu­de, die es ein­mal gab und an die sich der Be­trach­ter noch er­in­nert fin­det man auf vie­len Ab­bil­dun­gen. Da sieht man den Kirch­turm mit zwei Spitz­türm­chen auf dem Dach, die 1969 ent­fernt wur­den, oder ein Luft­bild aus dem Jah­re 1956, an­hand des­sen man in­ter­es­san­te Ver­glei­che zur Ge­gen­wart zie­hen kann.

Kul­tur­his­to­risch span­nend sind die Bil­der von der frü­he­ren Land­wirt­schaft und dem Ar­beits­le­ben. Das Ver­ar­bei­ten ei­ner ge­schlach­te­ten Sau zeigt ei­ne Bil­der­kom­bi­na­ti­on aus den 50er-Jah­ren, ein Schluck aus der Most­fla­sche nach dem Be­la­den des Heu­wa­gens weckt Er­in­ne­run­gen an länd­li­ches Le­ben. Fuhr­wer­ke wur­den noch von Och­sen­ge­span­nen ge­zo­gen und in den Fa­b­rik­hal­len gab es die klas­si­sche Ma­lo­che. Für Tech­nik­fans ent­hält der Band vie­le Bil­der mit his­to­ri­schen Trak­to­ren, Dampf­lo­ko­mo­ti­ven oder Ar­beits­for­men, die heu­te vor­sint­flut­lich wir­ken. Der Han­del in Zei­ten, als es noch kei­ne Su­per­märk­te gab, ist in Bil­dern re­prä­sen­tiert, die zei­gen, wie viel­fäl­tig das An­ge­bot und wie be­schei­den doch die Zahl der Pro­duk­te war.

Der Bild­band ver­mit­telt al­ler­dings kein nost­al­gisch ro­man­ti­sie­ren­des Bild der gu­ten al­ten Zeit. Man sieht durch­aus, dass Le­ben und Ar­beit hart wa­ren, wenn auch im­mer wie­der un­ter­bro­chen von fröh­li­cher Ge­sel­lig­keit. Be­mer­kens­wert ist ein Bild von 1951, als auf der Wald­büh­ne „Im wei­ßen Rössl“auf­ge­führt wur­de, als vor dem Büh­nen­kom­plex Hun­der­te von Fahr­rä­dern auf ei­nem „be­wirt­schaf­te­ten“al­so zu be­zah­len­den Park­platz stan­den.

Die Samm­lung mit Bil­dern aus frü­he­ren Ta­gen ver­schafft ei­ni­ge an­re­gen­de und un­ter­halt­sa­me St­un­den und bie­tet ei­ne ein­ma­li­ge Samm­lung his­to­ri­scher Fo­tos, die die Jahr­zehn­te im Dorf le­ben­dig wer­den las­sen.

FO­TO: PRI­VAT

Wäh­rend der Fas­net 1954 be­tankt Ro­se­ma­rie Reb­holz (Füss) ein Au­to, da­hin­ter steht ihr Va­ter und Ge­schäfts­in­ha­ber Eu­gen Reb­holz.

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