Künf­tig här­te­re Stra­fen für Ra­se­rei, il­le­ga­le Au­to­ren­nen und Ein­brü­che

Durch die neu­en Ge­set­ze wird es mög­lich, die Au­tos der Be­tei­lig­ten zu be­schlag­nah­men und ih­nen den Füh­rer­schein zu ent­zie­hen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - Der Staat greift ge­gen Ra­ser und Woh­nungs­ein­bre­cher durch: Der Bun­des­tag hat am Don­ners­tag nach mo­na­te­lan­gem Tau­zie­hen zwei Ge­set­ze ver­ab­schie­det, die Ge­fäng­nis­stra­fen für die Teil­nah­me an il­le­ga­len Au­to­ren­nen so­wie Min­dest­stra­fen für Dieb­stäh­le ein­füh­ren so­wie die Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung bei Ver­däch­ti­gen er­mög­li­chen. To­bi­as Schmidt be­leuch­tet die Hin­ter­grün­de zu den neu­en Ge­set­zen.

War­um wird här­ter ge­gen Ra­ser vor­ge­gan­gen?

Im­mer wie­der sor­gen töd­li­che Un­fäl­le bei il­le­ga­len Au­to­ren­nen für Be­stür­zung, zum Bei­spiel der Fall aus Ber­lin, wo zwei Ra­ser nach dem Tod ei­nes Un­be­tei­lig­ten erst­mals we­gen Mor­des ver­ur­teilt wor­den wa­ren. Die Teil­nah­me an il­le­ga­len Au­to­ren­nen wur­de bis­lang nur als Ord­nungs­wid­rig­keit mit ei­ner Geld­bu­ße von ma­xi­mal 400 Eu­ro so­wie drei Mo­na­ten Füh­rer­schein­ent­zug be­straft. Das reich­te nicht aus, um Ra­ser ab­zu­schre­cken. Die Sze­ne hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich aus­ge­wei­tet.

Was än­dert sich nun?

Es wird ein neu­er Straf­tat­be­stand der Ver­an­stal­tung von il­le­ga­len Au­to­ren­nen so­wie der Teil­nah­me an ih­nen ein­ge­führt. Dar­auf steht künf­tig ei­ne Haft­stra­fe von bis zu zwei Jah­ren. Die Stra­fe kann auch ver­hängt wer­den, wenn je­mand im In­ter­net zu ei­nem Ren­nen auf­ruft. Wer­den durch die nicht ge­neh­mig­ten Stra­ßen­ren­nen Leib oder Le­ben von Men­schen ge­fähr­det, steigt die Haft­stra­fe auf bis zu fünf Jah­ren. Gibt es To­te oder meh­re­re Ver­letz­te, dro­hen den Teil­neh­mern bis zu zehn Jah­ren hin­ter Git­tern.

Wel­che Kon­se­quen­zen dro­hen Ra­sern dar­über hin­aus?

Die Fahr­zeu­ge von Teil­neh­mern an il­le­ga­len Au­to­ren­nen kön­nen ein­ge­zo­gen wer­den. Über­dies soll ih­nen der Füh­rer­schein ent­zo­gen und ei­ne Sperr­frist ver­hängt wer­den. Wer sich an sol­chen „irr­sin­ni­gen“Ren­nen be­tei­li­ge und da­bei das Le­ben an­de­rer Men­schen ge­fähr­de, „hat auf un­se­ren Stra­ßen kei­nen Platz mehr“, er­klär­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU).

Wer­den nur Teil­neh­mer il­le­ga­ler Au­to­ren­nen här­ter be­straft?

Nein, auch so­ge­nann­te Al­lein­ra­ser nimmt das neue Ge­setz ins Vi­sier. Wer sich mit nicht an­ge­pass­ter Ge­schwin­dig­keit und grob ver­kehrs­wid­rig und rück­sichts­los fort­be­wegt, er­hält künf­tig ei­ne Frei­heits­stra­fe von bis zu zwei Jah­ren oder ei­ne Geld­stra­fe.

Was steckt hin­ter den här­te­ren Stra­fen für Ein­bre­cher?

150 000 Woh­nungs­ein­brü­che wur­den 2016 re­gis­triert. Da­mit ist die Zahl zum ers­ten Mal seit Jah­ren wie­der ge­sun­ken. Al­ler­dings war 2015 mit 160 000 Fäl­len der höchs­te Stand seit 2003 er­reicht wor­den. Die Auf­klä­rungs­quo­te liegt bei 17 Pro­zent, tat­säch­lich wer­den nur drei Pro­zent der Tä­ter wirk­lich ver­ur­teilt. Für ei­nen Groß­teil der Ein­brü­che wer­den in­ter­na­tio­nal auf­ge­stell­te Ban­den ver­ant­wort­lich ge­macht, die mit ih­rer Beu­te ins Aus­land flie­hen. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) wies dar­auf hin, dass Ein­brü­che für die Op­fer oft „trau­ma­ti­sche Fol­gen“hät­ten.

Wie wird der Kampf ge­gen Woh­nungs­ein­bre­cher ver­schärft?

Zum ei­nen wird die Min­dest­stra­fe für Ein­brü­che in dau­er­haft pri­vat ge­nutz­te Woh­nun­gen von drei Mo­na­ten auf min­des­tens ein Jahr hoch­ge­setzt. Die ma­xi­ma­le Frei­heits­stra­fe kann wei­ter­hin bis zu zehn Jah­re be­tra­gen. Die Mög­lich­keit, dass Woh­nungs­ein­brü­che als „min­der schwe­re“Fäl­le ein­ge­stuft und Straf­ver­fah­ren so­mit vor­zei­tig ein­ge­stellt wer­den kön­nen, wur­de ge­stri­chen. Je­der Woh­nungs­ein­bruch ist nun ei­ne „schwe­re Straf­tat“. Das soll po­ten­zi­el­le Tä­ter ab­schre­cken.

Wie wer­den die Er­mitt­lungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­wei­tet?

Die SPD stimm­te letzt­lich der Uni­ons­for­de­rung zu, dass bei rich­ter­li­chem Be­schluss künf­tig auf Han­dy­und an­de­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten von Ver­däch­ti­gen zu­ge­grif­fen wer­den kann. So kön­nen die Fahn­der her­aus­fin­den, von wo aus Ver­däch­ti­ge te­le­fo­niert ha­ben und wem die An­ru­fe gal­ten.

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