Ver­wun­sche­ne Idyl­le ist ge­fähr­det

Seit 25 Jah­ren ist der Kräu­ter­gar­ten ein be­son­de­rer Ort, doch es feh­len Geld und Hel­fer

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Su­san­ne Grimm

IN­ZIG­KOFEN - „Ein wun­der­ba­rer Gar­ten und ei­ne Oa­se zum Ver­wei­len. Vie­len Dank für so viel Mü­he“: Die­ser und vie­le ähn­lich be­rüh­ren­de Bei­trä­ge ha­ben Be­su­cher des Kräu­ter­gar­tens beim Klos­ter In­zig­kofen ins Gäs­te­buch ge­schrie­ben. Der idyl­li­sche Ort mit Hun­der­ten hei­mi­schen, sorg­sam ge­heg­ten Nutz- und Heil­pflan­zen fei­ert in die­sem Jahr sei­nen 25. Ge­burts­tag. Al­f­red Bau­ern­feind vom Na­bu Sig­ma­rin­gen pflegt den rund 600 Qua­drat­me­ter gro­ßen Gar­ten seit vie­len Jah­ren im Ehrenamt. Der in­ner­halb der Mau­ern des ehe­ma­li­gen Au­gus­ti­ne­rin­nen­klos­ters lie­gen­de Kräu­ter­gar­ten „at­met Lie­be und Le­ben­dig­keit“, wie es ein tief be­ein­druck­ter hol­län­di­scher Tou­rist im Gäs­te­buch ver­merkt hat.

Die­se Ab­ge­schie­den­heit im Ver­bund mit den vie­len lie­be­voll in ver­schie­de­ne Be­rei­che an­ge­ord­ne­ten hei­mi­schen Kräu­tern, Blu­men und Wild­pflan­zen so­wie Bee­ren­sträu­chern und Ge­trei­de­sor­ten lässt den Be­su­cher schon beim Be­tre­ten in ei­ne ver­lo­ren ge­glaub­te Welt ein­tau­chen. Im Schat­ten ei­nes Ap­fel­baums la­den Ru­he­bän­ke zum Ver­wei­len ein, Li­bel­len schwir­ren um ei­nen ver­wun­sche­nen Brun­nen mit Was­ser­pflan­zen, ein Schmet­ter­ling lässt sich auf dem Polster des blau blü­hen­den Küm­mel­thy­mi­ans nie­der. Es ist nichts zu hö­ren au­ßer dem Ge­sang der Vö­gel und dem Sum­men der Bie­nen und Hum­meln. Ein Be­su­cher­paar sitzt ver­sun­ken auf ei­ner Bank und gibt sich der Ru­he und dem be­son­de­rem Flair die­ses Or­tes hin. „Vie­le Men­schen fin­den, dass von die­sem Gar­ten ein Zau­ber aus­geht, dem sie sich nicht ent­zie­hen kön­nen“, sagt Bau­ern­feind. Das wer­de ihm im­mer wie­der ge­sagt.

Im­mer wie­der wer­den im Gar­ten Pflan­zen ge­stoh­len

Er sagt aber auch, dass die­se Idyl­le be­droht ist. Die bis­he­ri­ge För­de­rung sei aus­ge­lau­fen und der An­trag auf Mit­tel aus dem Land­schafts­pfle­ge­topf ab­ge­lehnt wor­den. „Flie­ßen kei­ne Mit­tel, be­deu­tet dies das Aus für den Kräu­ter­gar­ten“, sagt Bau­ern­feind. Erst kürz­lich hat der rüh­ri­ge Na­tur­freund ein Hoch­beet an­ge­legt, in dem nun Sa­lat­köp­fe und an­de­res Ge­mü­se in ei­ner wie ge­malt er­schei­nen­den Pracht ge­dei­hen. „Das Ma­te­ri­al für das Hoch­beet konn­te je­doch nur be­schafft wer­den, weil die Spar­kas­sen-Stif­tung 1000 Eu­ro ge­spen­det hat.“Ein wei­te­res Är­ger­nis sei­en die im­mer wie­der vor­kom­men­den Pflan­zen­dieb­stäh­le. „Frisch ein­ge­setz­te Pflan­zen wer­den klamm­heim­lich ein­fach wie­der aus­ge­gra­ben und mit­ge­nom­men“, sagt Bau­ern­feind, der den Kräu­ter­gar­ten vier- bis fünf­mal pro Wo­che pflegt. Ein Gar­ten sei ein wich­ti­ger Ort, bei dem vie­le Zu­sam­men­hän­ge über die Na­tur er­fah­ren wer­den kön­nen – ins­be­son­de­re für Kin­der, die bei Ak­tio­nen im Kräu­ter­gar­ten mit Leib und See­le da­bei sind. „Hier las­sen sich zum Bei­spiel Ge­würz­pflan­zen, Heil­kräu­ter, Wild­ro­sen oder auch Kul­tur- und wich­ti­ge Nah­rungs­pflan­zen ent­de­cken“.

Der 67-Jäh­ri­ge zeig­te wei­te­re Aspek­te auf: „Für uns ist es sehr wich­tig zu zei­gen, dass ein Gar­ten auch ein un­glaub­lich viel­schich­ti­ger Le­bens­raum für vie­le Wild­tie­re sein kann.“Des­halb hat Bau­ern­feind im Kräu­ter­gar­ten ei­nen Wild­bie­nen­stand, St­ein­hau­fen, To­t­holz­hau­fen, Tro­cken­mau­ern, Vo­gel­nist­käs­ten und ei­ne Blu­men­wie­se an­ge­legt. Den Haupt­teil des Gar­tens neh­men die Heil­pflan­zen und Kü­chen­kräu­ter ein. Da­zu gibt es alt­be­kann­te Arz­nei­pflan­zen wie Jo­han­nis­kraut, Ma­ri­en­dis­tel, Ar­ni­ka, Ro­ter Son­nen­hut, oder das „Kraut der Uns­terb­lich­keit“zu se­hen. Auf dem Kü­chen­kräu­ter­beet wach­sen Eber­rau­te, Zi­tro­nen­ver­be­ne, Stevia, un­ter­schied­li­che Min­zen, ei­ne Rei­he ver­schie­de­ner Thy­mi­an­ar­ten, meh­re­re Sal­bei­ar­ten, Win­ter­he­cken­zwie­bel, Eta­gen­zwie­bel oder der als „Mag­gik­raut“be­kann­te Lieb­stö­ckel. Ein be­son­de­res Duf­t­er­leb­nis bie­tet das „Co­la-Kraut“, ei­ne Eber­rau­ten­art, die in­ten­siv nach Co­la riecht. Ei­ne Blü­ten­fül­le prä­sen­tiert be­son­ders im Früh­jahr das an ei­nem Hang an­ge­leg­te St­ein­gar­ten­beet. Mit Krapp, Fär­ber­dis­tel, Fär­ber­ka­mil­le oder Fär­ber­waid stel­len sich Pflan­zen vor, die frü­her zur Ge­win­nung von Farb­stof­fen dien­ten.

FO­TOS: SU­SAN­NE GRIMM

Ein Be­su­cher­paar sitzt ver­sun­ken auf ei­ner Bank und gibt sich der Ru­he und dem be­son­de­rem Flair des In­zig­ko­fer Kräu­ter­gar­tens hin. Er ist ein be­son­de­rer Ort.

Al­f­red Bau­ern­feind

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