Der ab­ge­schnit­te­ne Dau­men lan­det in ei­nem ge­kühl­ten Beu­tel

16 Ju­gend­li­che zei­gen, dass sie beim Ro­ten Kreuz ge­lernt ha­ben, Ver­letz­te am Un­fall­ort zu ver­sor­gen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Ve­ra Ro­meu

MEN­GEN - Mit­glie­der des Ju­gend­rot­kreu­zes Men­gen ha­ben ei­nen Er­s­teHil­fe-Kurs ab­sol­viert: 16 Ju­gend­li­chen ha­ben die Be­schei­ni­gung er­hal­ten, die zwei Jah­re gül­tig ist. In den wö­chent­li­chen Übungs­stun­den am Don­ners­tag­abend sind die Ju­gend­li­chen von ih­ren Übungs­lei­te­rin­nen Ja­ni­na Lan­ge und Jas­min We­ber dar­auf vor­be­rei­tet wor­den.

Die Ju­gend­li­chen hat­ten sich am Sams­tag­mor­gen im DRK-Raum des Ret­tungs­zen­trums mit der Aus­bil­de­rin Alexandra War­ne ge­trof­fen. Sie gin­gen die Theo­rie durch. War­ne zeig­te Bil­der von Un­fäl­len und Ver­let­zun­gen und die Ju­gend­li­chen er­klär­ten, was zu ma­chen ist. In der Mit­te des Raums la­gen zwei Mat­ten, auf de­nen die Fäl­le nach­ge­stellt und be­han­delt wur­den. Je­der Fall wur­de ge­nau be­spro­chen und die Hand­grif­fe de­tail­liert durch­ge­spielt. Es herrsch­te ei­ne erns­te und kon­zen­trier­te Stim­mung.

Nach dem ge­mein­sa­men Mit­tag­es­sen wur­de ei­ne gro­ße Übung vor­be­rei­tet. Alexandra War­ne er­klär­te, was sich bei dem Un­fall er­eig­net hat: A fährt mit dem Rol­ler, stürzt, was zu ei­nem of­fe­nen Bruch am Arm führt. B ist ge­ra­de da­bei, et­was an der Ket­te ih­res Mo­peds zu re­pa­rie­ren. Das Fahr­zeug springt an und die Ket­te schnei­det den Dau­men ab. Der Opa sieht das Ge­sche­hen und hat ei­nen Herz­still­stand. C sieht den Un­fall, wird ohn­mäch­tig, fällt und zieht sich da­bei ei­ne Hirn-Schä­del-Frak­tur zu. D wirft ge­ra­de Alt­klei­dung in den Con­tai­ner und er­schrickt we­gen des Un­falls. Der Con­tai­ner schnappt zu, sie hat den Arm drin und ver­letzt sich. Die tie­fe Wun­de blu­tet sehr. „So habt ihr fünf Men­schen, bei de­nen ihr Ers­te-Hil­fe leis­ten soll­tet“, er­klärt War­ne.

Die „ver­un­fall­ten Per­so­nen“hat­ten Wun­den, die wie ech­te Wun­den aus­sa­hen. Die Ju­gend­lei­te­rin­nen hat­ten sie mit Schmin­ke und künst­li­chem Blut her­ge­stellt, so­dass die Si­mu­la­ti­on ein­drucks­voll war. Da­für hat das Ju­gend­rot­kreuz ei­nen Kof­fer mit al­len Zu­ta­ten, um täu­schend ech­te Wun­den zu mo­del­lie­ren. Nach­dem War­ne das Sze­na­rio be­schrie­ben hat­te, rann­ten die Ju­gend­li­chen in Zwei­er­grup­pen mit den DRKRuck­sä­cken los und zo­gen die Warn­wes­ten an. Sie si­cher­ten die Un­fall­stel­le ab und mel­de­ten den Un­fall. Dann ver­sorg­ten sie die Un­fall­op­fer. „Wer nicht schreit, wird zu­erst ver­sorgt. Der ist am ge­fähr­dets­ten“, er­klär­te War­ne am Ran­de der Übung.

Druck­pols­ter wird an­ge­legt

Zwei Ju­gend­li­che re­ani­mier­ten den Opa mit dem Re­ani­ma­ti­ons­beu­tel. 30 kur­ze Druck­mas­sa­gen im Rhyth­mus von 100-120, da­mit wer­den die Herz­funk­tio­nen über­nom­men, bis das Herz wie­der an­springt. Da­zwi­schen mach­ten sie zwei Be­at­mun­gen. Zwei Ju­gend­li­che leg­ten das Mäd­chen mit dem am­pu­tier­ten Dau­men in Schock­la­ge, deck­ten es mit der Ret­tungs­de­cke zu, weil es auf dem Bo­den im­mer kalt ist und es win­dig war. Sie ver­sorg­ten die Hand. Das Stück Dau­men leg­ten sie in ei­nen ste­ri­len Beu­tel, den sie in ei­nen zwei­ten Beu­tel, der zur Küh­lung mit Was­ser ge­füllt war, leg­ten. Auf die Hand leg­ten sie ein Druck­pols­ter an, um das Blut zu stil­len.

Das Mäd­chen mit der of­fe­nen Frak­tur wur­de auch gut be­han­delt: Der Kno­chen­bruch wur­de ste­ril zu­ge­deckt, da­mit kein Schmutz zur In­fek­ti­on führt. Mit ei­nem an­ge­leg­ten Druck­pols­ter ver­hin­der­ten sie, dass Druck auf die Wun­de kommt. Mit ei­nem Drei­ecks­tuch wur­de der Arm ru­hig ge­stellt. Das Mäd­chen mit dem Schä­del-Ba­sis-Bruch lag auf dem Bo­den, Blut floss aus dem Mund­win­kel. Die Erst­hel­fer dreh­ten es auf die rich­ti­ge Sei­te, da­mit das Blut raus­flie­ßen kann und nicht nach in­nen blu­tet. Das Mäd­chen mit der stark blu­ten­den Wun­de am Arm wur­de auf­ge­for­dert, mit der ge­sun­den Hand das Blu­ten zu stil­len, und sich hin­zu­le­gen. Der Arm wur­de hoch­ge­hal­ten, da­mit das star­ke Blu­ten auf­hört. Auch sie in Schock­la­ge ge­legt und mit der Ret­tungs­de­cke zu­ge­deckt.

Die Ju­gend­lei­te­rin­nen We­ber und Lan­ge zeig­ten sich mit der Übung sehr zu­frie­den. Die Ju­gend­li­chen ha­ben die Ers­te-Hil­fe sehr gut ge­leis­tet, sag­ten sie. Sie wer­den ih­re Be­schei­ni­gun­gen be­kom­men.

Die Übungs­stun­den fin­den je­de Wo­che am Don­ners­tag­abend im Ret­tungs­zen­trum statt. Ju­gend­li­che, die In­ter­es­se ha­ben, kön­nen da­zu kom­men. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen gibt es bei Ja­ni­na Lan­ge: ja­ni­na.lan­ge@drk-men­gen.de

FO­TO: VE­RA RO­MEU

Die Mit­glie­der des Ju­gend­rot­kreu­zes Men­gen be­wei­sen, dass sie ver­letz­te Men­schen nach ei­nem Un­fall gut ver­sor­gen kön­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.