Pe­li­kan-Päch­ter füh­len sich be­tro­gen

Sie war­ten dar­auf, dass der Ei­gen­tü­mer das Ho­tel in Beu­ron ren­no­viert.

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

BEU­RON - Das Glück, die pas­sen­de Gas­tro­no­mie zur Pacht ge­fun­den zu ha­ben, währ­te nur kurz: Al­f­red und Gu­drun Ge­scho­lo­witz ha­ben im Früh­jahr das Ho­tel Pe­li­kan als Päch­ter über­nom­men, in der Hoff­nung, das sa­nie­rungs­be­dürf­ti­ge Ge­bäu­de wer­de bald re­no­viert – laut Pacht­ver­trag war bis Mai die Kü­che vor­ge­se­hen, bis Ok­to­ber der Fest­saal und an­schlie­ßend auch das Ho­tel, bis spä­tes­tens Fe­bru­ar 2018. „Nichts ist bis­her ge­sche­hen; das ist arg­lis­ti­ge Täu­schung“, sagt Al­f­red Ge­scho­lo­witz. „Nach mehr als zwei Mo­na­ten Kampf ver­lie­ren wir die Lust. Wir ha­ben das Ge­fühl, wir sind ei­nem Be­trü­ger auf­ge­ses­sen.“Das Paar muss­te al­le drei Kö­che ent­las­sen. Der Ei­gen­tü­mer des Pe­li­kans möch­te sich nicht öf­fent­lich zu den Vor­wür­fen äu­ßern. Das Paar hat nun ei­nen An­walt ein­ge­schal­tet.

Als das Ehe­paar das Ob­jekt über­nom­men hat­te, wur­de ver­trag­lich ge­re­gelt, dass das Ge­bäu­de zu den ge­nann­ten Fris­ten re­no­viert wer­den soll­te. Et­wa 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro woll­te der Ei­gen­tü­mer da­für in die Hand neh­men. „Der Scha­den ist nun grö­ßer als zu­vor. Frü­her konn­te man die Zim­mer we­nigs­tens noch nut­zen“, klagt der Päch­ter. Bei 26 von 30 Ho­tel­zim­mern wur­de mit dem Ab­riss der Du­schen be­gon­nen, die Ar­bei­ten sta­gnie­ren aber seit­her. „Es ist ei­ne Ka­ta­stro­phe. Die Zim­mer sind in ei­nem de­so­la­ten Zu­stand.“Auch die Per­so­nal­zim­mer sei­en un­be­wohn­bar, trotz der Zu­si­che­rung ei­ner so­for­ti­gen Re­no­vie­rung. „Es gibt gro­ße Lö­cher in der Wand und Schim­mel, der wohl von ei­nem frü­he­ren Was­ser­scha­den stammt.“Auch die Spü­lung der Da­men­toi­let­te sei ka­putt. „Nicht mal die ver­ros­te­ten Heiz­kör­per in der Kü­che, die das Ve­te­ri­när­amt be­an­stan­det hat, wer­den ge­stri­chen.“Er un­ter­stellt dem Ei­gen­tü­mer ei­ne „Hin­hal­te­tak­tik“und fach­li­che In­kom­pe­tenz.

Ge­scho­lo­witz hat be­reits ei­nen An­walt ein­ge­schal­tet. „Der­zeit läuft ei­ne Frist, bin­nen der der Ei­gen­tü­mer noch tä­tig wer­den kann. In we­ni­gen Ta­gen ha­ben wir aber An­spruch auf Scha­dens­er­satz im sechs­stel­li­gen Be­reich.“Am liebs­ten wür­de Ge­scho­lo­witz dem Ei­gen­tü­mer das Ho­tel ab­kau­fen, Un­ter­stüt­zung in die­ser Sa­che er­hal­te Ge­scho­lo­witz auch von der Hirsch­braue­rei. „Der Be­sit­zer ver­langt aber 370 000 Eu­ro mehr, als er selbst da­für be­zahlt hat.“Die Sum­me, die der Ei­gen­tü­mer aus­ge­ge­ben ha­ben soll, be­läuft sich laut Ge­scho­lo­witz auf 500 000 Eu­ro. Auf­ge­ben will das Ehe­paar aber noch nicht.

„Wir bie­ten nach wie vor nur ei­ne Not­kü­che an“

Weil die Kü­che rund 35 Jah­re alt ist und zum Teil nicht funk­tio­niert, gibt es stren­ge Auf­la­gen. Am gas­be­trie­be­nen Herd fehlt das Si­cher­heits­glas. Der Herd ist un­zu­gäng­lich zu­ge­schraubt, weil in­nen al­les ver­kohlt ist. „Wir bie­ten nach wie vor nur ei­ne Not­kü­che an.“Die Gäs­te sind ent­täuscht und wü­tend. „Et­wa 500 Es­sen muss­te ich schon ab­sa­gen. Ich füh­re ei­ne Strich­lis­te“, er­klärt Al­f­red Ge­scho­lo­witz. Im­mer­hin: Seit ei­ner Be­gut­ach­tung durch das Ve­te­ri­när­amt dür­fen die bei­den Päch­ter auch Sa­la­te an­bie­ten. „Uns wur­de be­schei­nigt, dass un­se­re Not­kü­che ein­wand­frei ist. Kaf­fee, Ku­chen, Bock­würs­te und Sa­lat dür­fen wir al­so wei­ter­hin ser­vie­ren“, so Ge­scho­lo­witz. So hat­te sich das der Gas­tro­nom aber nicht vor­ge­stellt. „Das ist wie in ei­nem Ki­osk. Und die Gäs­te sa­gen uns: Frü­her konn­te man hier so gut es­sen. Wir wür­den ja gern, aber wir dür­fen nicht.“

Zu al­lem Übel kam am Mon­tag noch ein wei­te­rer Scha­den hin­zu: Im Ka­bel­schacht hat der Tra­fo des Las­ten­auf­zugs Feu­er ge­fan­gen. „Es gab ei­nen Schwel­brand. Bei­na­he wä­re er un­ent­deckt ge­blie­ben“, er­klärt Ge­scho­lo­witz. „Mei­ne Frau hat den Rauch be­merkt und mein­te, hier stimmt et­was nicht.“Nun muss das Ehe­paar erst mal den Schock ver­ar­bei­ten. Der Ei­gen­tü­mer sei über den Brand­scha­den in­for­miert. „Er sagt, er wird Kon­takt mit der Ver­si­che­rung auf­neh­men.“

FO­TO: COLOURBOX

FO­TOS: GÜN­THER BRENDER

Al­f­red Ge­scho­lo­witz ist ver­är­gert: Er muss sei­ne Gäs­te der­zeit mit ei­ner Not-Spei­se­kar­te ver­trös­ten, weil er das Re­stau­rant und Ho­tel im un­re­no­vier­ten Zu­stand nicht wie ge­wünscht be­trei­ben kann.

Die Ho­tel­zim­mer sind nicht be­zieh­bar.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.