Ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Hen­drik● Groth h.groth@schwa­ebi­sche.de

Wenn es denn tat­säch­lich so kommt, hat sich al­lei­ne für die­se Nach­richt der Ham­bur­ger G20-Gip­fel ge­lohnt. Die USA und Russ­land ha­ben sich nach ei­ge­nen An­ga­ben auf ei­ne er­neu­te Waf­fen­ru­he für Tei­le von Sy­ri­en ge­ei­nigt. Wenn US-Prä­si­dent Do­nald Trump und sein rus­si­scher Wi­der­sa­cher Wla­di­mir Pu­tin ei­ne be­last­ba­re Ver­ein­ba­rung er­zielt ha­ben soll­ten, dann wä­re das im Rin­gen um die Be­en­di­gung die­ses ver­hee­ren­den Krie­ges ein wich­ti­ger Schritt.

Dies be­deu­tet noch nicht, dass sich schon in Kür­ze im zer­stör­ten Sy­ri­en vie­les zum Gu­ten wen­den wird, aber wenn sich die bei­den gro­ßen Atom­mäch­te tat­säch­lich ei­nig wä­ren, dann sinkt die Ge­fahr ei­ner wei­te­ren Es­ka­la­ti­on und gleich­zei­tig wächst der Druck auf die je­wei­li­gen Ver­bün­de­ten, mehr Kom­pro­miss­be­reit­schaft zu zei­gen. „Te­le­fo­na­te rei­chen nie aus“, sag­te Pu­tin zu Be­ginn des Ge­sprächs. Nach dem Tref­fen der mäch­tigs­ten Män­ner der Welt müss­te ei­gent­lich auch je­dem Kri­ti­ker klar ge­wor­den sein, war­um die­se gro­ßen Kon­fe­ren­zen über­haupt ab­ge­hal­ten wer­den – trotz ho­her Kos­ten, schar­fer Pro­tes­te und ver­ab­scheu­ungs­wür­di­ger Ran­da­le.

Die zahl­rei­chen Pro­ble­me zwi­schen den bei­den Staa­ten ha­ben ein Tref­fen zwi­schen Trump und Pu­tin in den USA oder Russ­land un­mög­lich ge­macht. Das Ver­hält­nis zwi­schen Wa­shing­ton und Mos­kau ist so schlecht wie seit Lan­gem nicht mehr. In Ham­burg konn­ten sich bei­de je­doch oh­ne Ge­sichts­ver­lust tref­fen. Ei­ne An­nä­he­rung bei der Sy­ri­en-Be­wer­tung könn­te zu Fort­schrit­ten auch im Fal­le der Ukrai­ne füh­ren. Im Kal­ten Krieg nann­te man ähn­li­che Ver­ein­ba­run­gen ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­men. Dass Trump und Pu­tin dop­pelt so lan­ge wie vor­ge­se­hen zu­sam­men­sa­ßen und so die üb­ri­gen Gip­fel­teil­neh­mer in der Elb­phil­har­mo­nie war­ten lie­ßen, dürf­te ver­schmerz­bar sein.

Und die an­de­ren Kon­flik­te? Mer­kel be­grüß­te den tür­ki­schen Au­to­kra­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan, Me­xi­kos Prä­si­dent wie­der­um den USStaats­chef. Nord­ko­rea wur­de di­rekt mit Chi­nas Staats­ober­haupt be­spro­chen. Auch aus Un­ver­bind­lich­keit kann kon­kre­te Po­li­tik er­wach­sen. Der Rah­men da­für war und ist G20.

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