LEA-Ver­trag: Ein Punkt ist noch strit­tig

Land und Stadt ver­han­deln noch dar­über, wie lan­ge Flücht­lin­ge in der LEA blei­ben dür­fen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN - Von Micha­el He­scheler

SIG­MA­RIN­GEN - Die Ver­hand­lun­gen zwi­schen Stadt, Land­kreis und dem Land zum Fort­be­stand der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le für Flücht­lin­ge (LEA) dau­ern an. Dies er­gab ei­ne An­fra­ge bei Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer. Ak­tu­ell ge­he es in den Ver­hand­lun­gen dar­um, wie lan­ge die Flücht­lin­ge in der ehe­ma­li­gen Ka­ser­ne blei­ben dür­fen. Ei­ne Än­de­rung des Asyl­ge­set­zes sieht vor, dass Flücht­lin­ge, de­ren Asyl­an­trag nicht be­wil­ligt wer­den wird, bis zu 24 Mo­na­te in ei­ner LEA un­ter­ge­bracht wer­den dür­fen. Die Stadt hat­te in ih­rem Ka­ta­log ge­for­dert, in Sig­ma­rin­gen le­dig­lich Flücht­lin­ge mit ei­ner ho­hen Blei­be­per­spek­ti­ve un­ter­zu­brin­gen.

Die­ser ei­ne Punkt ist nach An­ga­ben von Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer noch strit­tig. In al­len an­de­ren Punk­ten ha­be man sich auf ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie ver­stän­digt, sagt das Sig­ma­rin­ger Stadt­ober­haupt, oh­ne Ein­zel­hei­ten zu nen­nen. Schä­rer will den Ver­trags­ent­wurf erst vor­stel­len, wenn al­le Punk­te aus­ver­han­delt sind. Das Zwi­schen­er­geb­nis ken­ne zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht ein­mal der Stadt­rat, sagt er.

Laut sei­nen An­ga­ben ha­ben die Ver­hand­lungs­füh­rer in Kern­punk­ten wie der von der Stadt ge­for­der­ten Ober­gren­ze von 500 Flücht­lin­gen und ei­ner Be­fris­tung der LEA bis Ju­li 2020 ei­ne Ei­ni­gung er­zielt. Auch die Ver­hand­lun­gen über ei­nen Po­li­zei­pos­ten sind laut Schä­rer ab­ge­schlos­sen. Be­ob­ach­ter er­war­ten, dass sich das Land hier be­wegt und ei­ne Po­li­zei­wa­che auf dem LEA-Ge­län­de ein­rich­tet.

Ur­sprüng­lich soll­te der Ge­mein­de­rat in sei­ner Ju­li-Sit­zung über den Ver­trags­ent­wurf dis­ku­tie­ren, doch da­zu wird es nach jet­zi­gem Stand nicht kom­men. Hin­ter­grund ist der noch un­ge­klär­te, strit­ti­ge Punkt zur ma­xi­ma­len Dau­er der Un­ter­brin­gung. Nach An­ga­ben des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums le­ben ak­tu­ell 729 Be­woh­ner in der LEA. Wie vie­le der Flücht­lin­ge län­ger als sechs Mo­na­te in der Erst­auf­nah­me un­ter­ge­bracht sind, kann die Be­hör­de nicht sa­gen: „Da der­zeit zahl­rei­che Ver­le­gun­gen statt­fin­den und al­lein für den lau­fen­den Mo­nat rund 200 wei­te­re Ver­le­gun­gen vor­ge­se­hen sind, ist ei­ne ver­läss­li­che Er­he­bung der Zahl erst wie­der En­de die­ses Mo­nats mög­lich“, teilt Pres­se­spre­cher Dirk Abel auf An­fra­ge mit.

Nach In­for­ma­tio­nen der Stadt Sig­ma­rin­gen han­delt es sich um ei­ne drei­stel­li­ge Zahl, die ihr auf­grund der Vor­komm­nis­se der ver­gan­ge­nen Wo­chen „Bauch­weh macht“. Bür­ger­meis­ter Schä­rer be­zieht sich auf die in Zu­sam­men­hang mit Flücht­lin­gen ste­hen­de Kri­mi­na­li­tät. Je län­ger Flücht­lin­ge mit ei­ner ge­rin­gen Blei­be­per­spek­ti­ve in Sig­ma­rin­gen un­ter­ge­bracht sei­en, des­to mehr wür­den sie das Ge­fü­ge be­las­ten, so das Stadt­ober­haupt.

Schä­rer hat das Land des­halb auf­ge­for­dert, in die­ser Sa­che ei­nen Lö­sungs­vor­schlag zu un­ter­brei­ten. So­bald sich das In­nen­mi­nis­te­ri­um äu­ße­re, wer­de er den Vor­schlag zu­sam­men mit Land­rä­tin Bürk­le prü­fen und ent­schei­den, ob die For­mu­lie­rung in den Ver­trags­ent­wurf über­nom­men wer­de.

Erst da­nach könn­ten sich die Gre­mi­en da­mit be­fas­sen. Schä­rer rech­net mit ei­ner Be­ra­tung im Sep­tem­ber, doch der Zeit­plan ist schon mehr­fach ge­ris­sen wor­den.

FO­TO: THO­MAS WARNACK/ARCHIV

Vie­le Bür­ger ha­ben die zwölf For­de­run­gen der Stadt mit ih­rer Un­ter­schrift un­ter­stützt. Wel­che der For­de­run­gen er­füllt wer­den, ist nach wie vor un­klar.

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