Kreis steht vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen

Un­ter­brin­gung min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge wur­de zum Nach­teil des Lan­des neu ge­re­gelt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von An­na-Lena Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Die Un­ter­brin­gung un­be­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge (Uma) stellt den Land­kreis vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Zwar hat sich die An­zahl der zu be­treu­en­den Ju­gend­li­chen sta­bi­li­siert, ein bun­des- und lan­des­weit neu­es Ver­tei­lungs­kon­zept je­doch be­nach­tei­ligt die Län­der, die in der Ver­gan­gen­heit mehr auf­ge­nom­men hat­ten als vor­ge­schrie­ben. Au­ßer­dem gab es bei zwei von acht Pfle­ge­fa­mi­li­en, die ei­nen Uma auf­ge­nom­men hat­ten, Pro­ble­me, wes­we­gen das Be­treu­ungs­ver­hält­nis en­den muss­te, bei zwei wei­te­ren Fa­mi­li­en steht die Be­treu­ung auf der Kip­pe. Hu­bert Schatz, Fach­be­reichs­lei­ter Ju­gend des Land­rats­am­tes, hat dem Ju­gend­hil­fe­aus­schuss des Kreis­tags am Mitt­woch de­tail­lier­te Ein­bli­cke in die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on ge­ge­ben.

Vor ei­nem Jahr wur­de der Aus­schuss zu­letzt über die Si­tua­ti­on der Uma, für die der Land­kreis die Vor­mund­schaft über­nimmt, in­for­miert. „Da­mals stan­den mir deut­lich grö­ße­re Schweiß­per­len auf der Stirn. Heu­te sind sie klei­ner, aber nicht weg“, be­ginnt Hu­bert Schatz sei­ne Aus­füh­rung. Die Zu­gangs­zah­len sind zu­rück­ge­gan­gen. „Vor ei­nem Jahr ha­ben sie sich al­le zwei Mo­na­te fast ver­dop­pelt.“Der­zeit be­her­bergt der Kreis 90 Uma, was dem Soll von 90 bis 95 Ju­gend­li­chen ent­spricht. Ei­ni­ge Uma sind mitt­ler­wei­le er­wach­sen, war­ten auf das Er­geb­nis ih­res Asyl­an­trags, be­nö­ti­gen aber noch Hil­fe für jun­ge Voll­jäh­ri­ge und Be­glei­tung zu Be­hör­den­gän­gen in an­de­ren Bun­des­län­dern. In der Ver­gan­gen­heit konn­ten zahl­rei­che Pfle­ge­fa­mi­li­en ge­won­nen wer­den. Doch: „Die Vor­stel­lung vom Zu­sam­men­le­ben in der Fa­mi­lie ge­hen bei den Be­trof­fe­nen in ei­ni­gen Fäl­len weit aus­ein­an­der“, be­rich­tet Schatz. Er sprach den Fa­mi­li­en größ­ten Re­spekt aus, die sich der Auf­ga­be an­neh­men.

„Schwer kal­ku­lier­bar“

Ein wei­te­res Pro­blem: Das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren der Uma, der so­ge­nann­te Kö­nig­stei­ner Schlüs­sel, wur­de zum 1. Mai ge­än­dert. Bis­lang muss­te das Land Ba­den-Würt­tem­berg 13 Pro­zent der in Deutsch­land an­kom­men­den Uma auf­neh­men, der Kreis Sig­ma­rin­gen 1,2 Pro­zent da­von. „Am 1. Mai wur­de die Zahl der auf­ge­nom­me­nen Uma auf Null ge­setzt“, so Schatz. Sprich: Die Bun­des­län­der, dar­un­ter Ba­den-Würt­tem­berg, die ihr Soll mehr als er­füllt hat­ten, wer­den zu­nächst be­nach­tei­ligt. Er sprach von ei­nem „schlech­ten De­al“fürs Land. Die neu hin­zu­kom­men­den ju­gend­li­chen Flücht­lin­ge wer­den nach dem al­ten Mus­ter ver­teilt. Im Zu­satz­pro­to­koll sei zwar fest­ge­hal­ten, dass grenz­na­he Bun­des­län­der wie Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern ei­ne Wei­le ver­schont blie­ben und Luft ho­len kön­nen. „Das heißt aber, dass es spä­ter ei­nen Stau gibt und es ir­gend­wann wie­der sehr vie­le sind. Das macht mich nicht sehr glück­lich“, so Schatz. Von null auf Hun­dert müs­se man so zu­sätz­li­che Plät­ze und Per­so­nal be­reit­hal­ten, die Aus­wir­kun­gen sei­en schwer kal­ku­lier­bar.

„Zu der Zeit, als vie­le Flücht­lin­ge an­ka­men, ist dem Staat nicht übe­r­all die er­ken­nungs­dienst­li­che Er­fas­sung ge­lun­gen“, fährt Schatz fort. Der­zeit sei die Po­li­zei mit der Nacher­fas­sung be­schäf­tigt. Zwei Ju­gend­amt-Mit­ar­bei­tern ar­bei­ten nach wie vor in der Au­ßen­stel­le in der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le. Die Uma, die nicht in Pfle­ge­fa­mi­li­en le­ben, woh­nen im Heim, wo man sich auch um die In­te­gra­ti­on küm­mert. Zu­dem wer­den die Platz­ka­pa­zi­tä­ten in be­glei­te­ten Ju­gend­w­ohn­grup­pen aus­ge­baut. Das Land­rats­amt in­ves­tiert zu­dem in Fort­bil­dun­gen sei­ner Mit­ar­bei­ter, bei­spiels­wei­se über Ra­di­ka­li­sie­rung oder Asyl­recht.

Wie Schatz be­rich­tet, hat das Land al­le vor­ge­streck­ten Gel­der zur Un­ter­brin­gung der Uma zu­rück­ge­zahlt, der Kreis streckt nun wie­der die Kos­ten für die Un­ter­brin­gung vor, die halb­jähr­lich ab­ge­rech­net wer­den. „Ich ge­he da­von aus, dass das Land sei­ner Ver­pflich­tung nach­kom­men wird.“Je­doch wer­den Ver­wal­tungs­kos­ten, im Kreis Sig­ma­rin­gen 300 000 Eu­ro pro Jahr, nicht vom Land er­stat­tet.

FO­TO: ULI DECK/DPA

90 un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge sind der­zeit in der Be­treu­ung des Land­krei­ses,was auch dem Soll des Ver­tei­lungs­schlüs­sels ent­spricht – die La­ge wird sich laut Hu­bert Schatz je­doch zu­spit­zen.

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