In­fla­ti­on ver­stärkt sich wei­ter

In die­sem Jahr liegt die Jah­res­teue­rung be­stän­dig bei mehr als ei­nem Pro­zent

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Frie­de­ri­ke Marx und Jörn Ben­der

WIES­BA­DEN (dpa) - Die In­fla­ti­on in Deutsch­land zieht wieder et­was an: Hö­he­re Prei­se für Nah­rungs­mit­tel, Rei­sen und Mie­ten ha­ben die Jah­res­teue­rung im Ju­ni auf 1,6 Pro­zent ge­trie­ben. Dies teil­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Don­ners­tag mit. Im Mai 2017 hat­te die jähr­li­che Teue­rungs­ra­te bei 1,5 Pro­zent ge­le­gen, im April wa­ren es 2,0 Pro­zent. Mehr als vor ei­nem Jahr kos­te­ten vor al­lem Nah­rungs­mit­tel (2,8 Pro­zent). Der Preis­an­stieg ha­be sich wei­ter ver­stärkt, so die Sta­tis­ti­ker.

FRANKFURT (dpa) - Das Le­ben in Deutsch­land wird wieder teu­rer. Hö­he­re Prei­se für Nah­rungs­mit­tel und Ur­laubs­rei­sen ha­ben die In­fla­ti­on in Deutsch­land im Ju­ni et­was nach oben ge­trie­ben. Die Zei­ten ex­trem nied­ri­ger In­fla­ti­ons­ra­ten na­he der Null­li­nie sind vor­erst vor­bei. Ins­ge­samt klet­ter­ten die Prei­se im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat um 1,6 Pro­zent, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt in Wies­ba­den mit­teil­te. Dämp­fend da­ge­gen wirk­ten sich erst­mals seit Mo­na­ten die Ener­gie­prei­se aus. Oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der Prei­se für Strom, Heiz­öl, Ben­zin und Die­sel hät­te die In­fla­ti­ons­ra­te bei 1,8 Pro­zent ge­le­gen.

Seit ver­gan­ge­nem De­zem­ber liegt die Jah­res­teue­rung be­stän­dig bei über ei­nem Pro­zent. Im Fe­bru­ar klet­ter­te die Ra­te so­gar auf 2,2 Pro­zent, im April wa­ren es 2,0 Pro­zent. Haupt­grund wa­ren ge­stie­ge­ne Öl­prei­se. Im Ju­ni trie­ben vor al­lem teu­re­re Nah­rungs­mit­tel, hö­he­re Net­to­kalt­mie­ten und Preis­sprün­ge bei Pau­schal­rei­sen die In­fla­ti­on an. Der Preis­druck bei Ener­gie ließ da­ge­gen nach. Ins­ge­samt lag die Teue­rung nach Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes um 1,6 Pro­zent über dem Ni­veau des Vor­jah­res­mo­nats.

Kein dras­ti­scher An­stieg

Ein dras­ti­scher An­stieg der Le­bens­hal­tungs­kos­ten ist aber sehr un­wahr­schein­lich. „Nied­ri­ge­re Öl­prei­se und ein stär­ke­rer Eu­ro dürf­ten die In­fla­ti­on in den kom­men­den Mo­na­ten dämp­fen“, sagt ING-Di­ba-Chef­volks­wirt Cars­ten Br­ze­ski vor­aus. Auch KfW-Chef­öko­nom Jörg Zeu­ner er­war­tet zu­nächst kei­ne dras­ti­schen Preis­sprün­ge: „Dämp­fen­de Ef­fek­te von den Ener­gie­prei­sen wi­der­strei­ten mit stei­gen­den In­fla­ti­ons­bei­trä­gen der Di­enst­leis­tun­gen.“Die Bun­des­bank rech­net für 2017 in Deutsch­land mit ei­ner Teue­rungs­ra­te von 1,5 Pro­zent nach ge­ra­de ein­mal 0,4 Pro­zent im Vor­jahr. Mit­tel­fris­tig strebt die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) im Eu­ro­raum ei­ne jähr­li­che In­fla­ti­ons­ra­te von knapp un­ter 2,0 Pro­zent an – weit ge­nug ent­fernt von der Null­mar­ke. Denn dau­er­haft nied­ri­ge Prei­se gel­ten als Ri­si­ko für die Konjunktur: Un­ter­neh­men und Ver­brau­cher könn­ten In­ves­ti­tio­nen auf­schie­ben, in der Hoff­nung, dass es bald noch bil­li­ger wird. Weil die Wäh­rungs­hü­ter die­ses Ziel seit Jah­ren ver­feh­len, ver­su­chen sie, mit viel bil­li­gem Geld nach­zu­hel­fen. Für das lau­fen­de Jahr rech­net die EZB im ge­mein­sa­men Wäh­rungs­raum mit ei­ner Teue­rungs­ra­te von 1,5 Pro­zent, 2018 er­war­tet die No­ten­bank 1,3 Pro­zent, 2019 könn­ten es 1,6 Pro­zent sein. Seit­dem die In­fla­ti­on wieder steigt, meh­ren sich vor al­lem in Deutsch­land die Stim­men, die ei­nen Aus­stieg aus der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik der EZB for­dern. Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Spa­rer lei­den un­ter dem Zin­s­tief. „Es ist höchs­te Zeit für den Aus­stieg“, sagt DZ-Ban­kChef Wolfgang Kirsch. EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi mahnt zur Ge­duld: „Wir brau­chen Aus­dau­er in un­se­rer Geld­po­li­tik.“Zwar sprach Eu­ro­pas obers­ter Wäh­rungs­hü­ter jüngst von ei­ner „gra­du­el­len An­pas­sung“der EZB-Po­li­tik.

Nach bis­he­ri­gen Plä­nen will die EZB bis min­des­tens En­de 2017 an ih­rem mil­li­ar­den­schwe­ren Kauf­pro­gramm für Staats- und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen fest­hal­ten. Volks­wir­te er­war­ten in die­sem Sep­tem­ber kon­kre­te­re Hin­wei­se der Wäh­rungs­hü­ter zum wei­te­ren Kurs der No­ten­bank. Mehr­heit­lich rech­nen Öko­no­men damit, dass die EZB 2018 zu­nächst ihr An­lei­hen­kauf­pro­gramm all­mäh­lich aus­lau­fen las­sen wird und erst da­nach die Zin­sen lang­sam wieder an­hebt.

Noch sei „ei­ne ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik ge­recht­fer­tigt, um die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung und damit den Preis­auf­trieb im Eu­ro­raum zu stüt­zen“, sag­te Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann jüngst. Es ge­be im EZBRat je­doch „un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen dar­über, wie stark wir geld­po­li­tisch Gas ge­ben müs­sen und wel­che In­stru­men­te wir ein­set­zen sol­len“.

FO­TO: DPA

Auch die Preis­stei­ge­rung bei Nah­rungs­mit­teln im Ju­ni trieb die In­fla­ti­on an.

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