Ein Le­ben wie ein bun­ter Traum

Mit 65 zehrt Da­vid Has­sel­hoff noch im­mer vom Ruhm sei­ner Bay­watch-Ta­ge

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - JOURNAL - Von Jo­han­nes Sch­mitt-Teg­ge

LOS AN­GE­LES (dpa) - Im Kampf um Da­vid Has­sel­hoffs ver­blass­ten Ruhm greift sein fik­ti­ver Ma­na­ger in der Net­flix-Se­rie „Hoff the Re­cord“zu dras­ti­schen Mit­teln: Er streut fal­sche Be­rich­te, de­nen zu­fol­ge Has­sel­hoff ei­nen töd­li­chen Un­fall er­lit­ten ha­be, und schon schie­ßen die Ver­kaufs­zah­len für des­sen Au­to­bio­gra­fie in die Hö­he. „Der bes­te Weg, die Kar­rie­re ei­nes Pro­mi­nen­ten wie­der­zu­be­le­ben, ist manch­mal des­sen Tod“, heißt es. Sei­ne et­was ver­flo­ge­ne Be­rühmt­heit scheint der ech­te „Hoff“mit Hu­mor zu neh­men. Die­ser Ta­ge ist er 65 Jah­re alt ge­wor­den.

Ei­nen „ko­mi­schen An­satz“mit Blick auf sein ei­ge­nes Le­ben nennt der in Bal­ti­more (Ma­ry­land) ge­bo­re­ne Star die Net­flix-Pro­duk­ti­on, die 2016 mit ei­nem In­ter­na­tio­nal Em­my aus­ge­zeich­net wur­de. In der fik­tio­na­len Do­ku-Se­rie spielt er sich selbst und ver­sucht mit schrä­gen Mit­teln, dem schwin­den­den Er­folg neu­es Le­ben ein­zu­hau­chen. „Ich ha­be ei­ne Par­odie von Da­vid Has­sel­hoff ge­spielt, al­so spie­le ich ei­ne Ka­ri­ka­tur mei­ner selbst“, sagt er. Zu scha­de, sich selbst auf die Schip­pe zu neh­men, ist sich Has­sel­hoff nicht.

Der Hü­ne mit der be­haar­ten Brust scheint sich in ei­ne abs­trak­te Fi­gur ver­wan­delt zu ha­ben, die mit dem in Ka­li­for­ni­en und Wa­les le­ben­den Va­ter zwei­er Töch­ter kaum noch et­was zu tun hat. Im In­ter­view spricht Has­sel­hoff von sich selbst in der drit­ten Per­son, sagt Sät­ze wie: „Man kann Da­vid Has­sel­hoff nicht nach­bil­den.“

Manch­mal kann er selbst kaum glau­ben, was sich in sei­nem tat­säch­li­chen Le­ben so al­les ab­ge­spielt hat. Dass er in „Knight Ri­der“als Mann mit der Le­der­ja­cke be­rühmt wur­de, der ein spre­chen­des Au­to fährt. Dass er mit ei­nem „dum­men Kla­vier­schal und Lich­ter­ja­cke“am Sil­ves­ter­abend 1989 an der Ber­li­ner Mau­er vor den wie­der­ver­ei­nig­ten Mas­sen sang. Dass er auf ei­nem Mu­sik­fes­ti­val nach Bands wie Gre­en Day und Iron Mai­den „mit Zeug be­wor­fen“wur­de, weil er „die­se dum­men, klei­nen Pop­songs“sang, wie er sagt. 2013 wur­de ein im süd­li­chen At­lan­tik ent­deck­ter Krebs we­gen des­sen be­haar­tem Brust­pan­zer nach ihm be­nannt, in „Hoff-Kr­ab­be“. Sei­ne Deutsch­land­tour­nee 2018 wur­de um zahl­rei­che Ter­mi­ne er­wei­tert, weil die Ti­cket­ver­käu­fe so gut lie­fen.

Die ro­te Ba­de­ho­se und die Schwimm­hil­fe aus der Er­folgs­se­rie „Bay­watch“oder das spre­chen­de Au­to K.I.T.T. aus „Knight Ri­der“sind Kult­ob­jek­te. Has­sel­hoff iden­ti­fi­ziert sich noch mit den Shows, will aber nicht dar­an klam­mern. Er spielt Pe­ter Pan an Thea­tern in Groß­bri­tan­ni­en, ver­such­te sich mit sei­nen Töch­tern an ei­ner (wenn auch we­nig er­folg­rei­chen) Rea­li­ty­show und nimmt wei­ter Mu­sik auf. Im No­vem­ber ist er Gast­ge­ber auf ei­ner Mit­tel­meerK­reuz­fahrt na­mens „Hoff Crui­se“. Er sieht sich als Schau­spie­ler und hofft auf ei­ne drit­te Staf­fel von „Hoff the Re­cord“so­wie dar­auf, „Knight Ri­der“als Film ins Ki­no zu brin­gen. „Das wä­re ein Traum“, sagt Has­sel­hoff.

Ein welt­be­kann­ter Tief­punkt

We­nig Ver­ständ­nis hat er da­für, wie ei­ner der Tief­punk­te sei­nes Le­bens in der Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlach­tet wur­de. Sei­ne Toch­ter hat­te 2007 ein Vi­deo von ihm ge­macht, dass ihn halb­nackt und voll­trun­ken beim Ver­such zeigt, ei­nen Ham­bur­ger zu es­sen. Dann tauch­te es im In­ter­net auf. „Manch­mal fal­len die Men­schen ver­dammt noch­mal run­ter“, sagt er. „Es war ein Teil von Da­vid Has­sel­hoffs lan­gem Le­ben, ein Abend in sei­nem Zu­hau­se, der aus­ge­nutzt wur­de und die letz­ten zwölf Jah­re an ihm hän­gen blieb.“Dann fügt er hin­zu: „Ich bin ver­dammt noch­mal ein Mensch. Wie wür­dest du dich füh­len?“

Ver­bit­tert ist Has­sel­hoff über die­se Ge­schich­te aber nicht. Nach fünf ge­schie­de­nen Ehen ist er glück­lich, in der 36 Jah­re al­ten Hay­ley Ro­berts ei­ne neue Part­ne­rin ge­fun­den zu ha­ben. Die wa­li­si­sche Ver­käu­fe­rin sprach ihn vor sechs Jah­ren in ei­ner Ho­tel­bar in Car­diff an, um ihn nach ei­nem Au­to­gramm zu fra­gen. Zu sei­nem As­sis­ten­ten ha­be er ge­sagt: „Da ist sie. Da ist das Mäd­chen, von dem ich seit fünf Jah­ren träu­me.“Ver­gan­ge­nes Jahr mach­te Has­sel­hoff ihr bei ei­nem Pick­nick am Strand von Ma­li­bu ei­nen Hei­rats­an­trag.

FO­TO:DPA

Show­time: Da­vid Has­sel­hoff mit sei­ner Ver­lob­ten Hay­ley Ro­berts an­läss­lich des Ki­no­films „Bay­watch“am 30. Mai in Ber­lin.

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