Pfarr­kir­che be­kommt neu­es theo­lo­gi­sches Kon­zept

Re­no­vie­rung könn­te 2018 star­ten – Der Künst­ler und Kir­chen­ge­stal­ter Jo­sef Alexander Hen­sel­mann ent­wirft

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - RUND UM SIGMARINGEN/SIGMARINGEN - Von Co­rin­na Wolber

SIG­MA­RIN­GEN­DORF - Dunk­le Flie­sen, we­nig Licht im Chor­raum und ei­ne ins­ge­samt eher zu­sam­men­hang­lo­se An­ord­nung des kirch­li­chen In­ven­tars: Die Pfarr­kir­che St. Pe­ter und Paul in Sig­ma­rin­gen­dorf soll grund­le­gend ver­än­dert wer­den. Im Fo­kus der Über­le­gun­gen steht der Wunsch, „die Wür­de des Kir­chen­raums wie­der sicht­bar zu ma­chen“, sagt Pfar­rer Ek­ke­hard Baum­gart­ner. Die ver­schie­de­nen Sa­nie­run­gen im Lau­fe der Jahr­zehn­te sei­en für sich ge­nom­men viel­leicht zeit­ge­mäß ge­we­sen, hät­ten die Kir­che je­doch in ei­nen „ins­ge­samt un­er­freu­li­chen Zu­stand ge­bracht. Das Ge­samt­er­geb­nis passt nicht mehr“. Vor ei­nem Jahr ha­be sich da­her ei­ne Steue­rungs­grup­pe zu­sam­men­ge­fun­den, die ein stim­mi­ges Kon­zept er­ar­bei­ten soll. Als „Ge­schenk des Him­mels“emp­fin­det es Baum­gart­ner, dass da­für auch der be­deu­ten­de Künst­ler und Kir­chen­ge­stal­ter Jo­sef Alexander Hen­sel­mann ge­won­nen wer­den konn­te, der vor Kur­zem auch den his­to­ri­schen Mar­stall in Krau­chen­wies sa­niert hat.

Den Ver­ant­wort­li­chen schwebt vor, in der Kir­che Be­zü­ge wie­der­her­zu­stel­len, die im Lau­fe der Jahr­zehn­te ver­lo­ren ge­gan­gen sind. „Mo­men­tan ist sie ei­gent­lich le­dig­lich mö­bliert“, sagt der lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de des Pfarr­ge­mein­de­rats, Hans Steu­rer, der sich im Ar­beits­kreis en­ga­giert. So soll der Kir­chen­raum nicht nur ein neu­es ge­stal­te­ri­sches Kon­zept er­hal­ten, son­dern auch und ge­ra­de ein theo­lo­gi­sches. Vor­ge­se­hen sind auch künst­le­ri­sche Ele­men­te. Das süd­li­che Sei­ten­schiff soll mit ei­ner Son­ne sym­bo­lisch für den Be­ginn und das Ge­schenk des Le­bens ste­hen, wäh­rend es an der Nord­sei­te mit ei­nem Mond ums An­neh­men und Los­las­sen am Le­bens­en­de ge­hen soll. „Dort wird Platz für die Pie­ta, das To­ten­buch und die Op­fer­ker­zen sein“, sagt Baum­gart­ner. Durch das Haupt­schiff soll ei­ne Art „Weg der Ge­rech­tig­keit“füh­ren, an dem ent­lang ei­ne künst­le­ri­sche Um­set­zung der Zehn Ge­bo­te vor­ge­se­hen ist. Der Tauf­stein be­kommt nach den Ide­en der Ver­ant­wort­li­chen sei­nen neu­en Platz in der Kir­chen­mit­te un­ter der Vie­rung – al­so dort, wo sich Haupt­und Qu­er­schiff tref­fen. „Die Tau­fe ge­hört nicht nur zum Be­ginn des Le­bens, son­dern zu al­len Pha­sen“, sagt Pas­to­ral­re­fe­rent Wolf­gang Holl. „Es geht in der Tau­fe auch um den Tod und die Au­fer­ste­hung.“Die Idee, den Tauf­stein da­her auch zen­tral in der Kir­chen­mit­te zu plat­zie­ren, ist Aus­druck des theo­lo­gi­schen Kon­zepts: „Der Raum soll als Gan­zes ei­ne Bot­schaft ver­mit­teln“, sagt Baum­gart­ner. Da­zu ge­hört auch, dass das Kreuz vor­ge­rückt wer­den soll – der­zeit hängt es ziem­lich im Dun­keln. Der Chor­raum soll auch ins­ge­samt deut­lich hel­ler wer­den. Als die Sa­kris­tei

dort an­ge­baut wor­den ist, wur­de auch ein Fens­ter auf­ge­ge­ben – mit den ent­spre­chen­den Fol­gen für die Licht­ver­hält­nis­se. Auf wel­che Wei­se die Har­mo­nie kon­kret wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, steht noch nicht fest. „Aber die ro­ten Fens­ter kom­men aus dem Chor­raum even­tu­ell ins Sei­ten­schiff“, sagt Baum­gart­ner. Hin­ter dem Kreuz soll künf­tig ei­ne künst­le­ri­sche Darstel­lung der Au­fer­ste­hungs­en­gel ste­hen. „Wir schau­en dann aufs Kreuz und gleich­zei­tig auf Os­tern“, sagt Baum­gart­ner. Die Bot­schaft: Mit dem Tod ist das Le­ben nicht zu En­de.

Fi­nan­zie­rungs­kon­zept soll im kom­men­den Früh­jahr ste­hen

Um­grup­pie­ren, in­halt­lich ge­stal­ten, den Ur­zu­stand der Kir­che wie­der her­stel­len: Baum­gart­ner geht es ums gro­ße Gan­ze. „Wir ma­chen es jetzt ent­we­der ganz oder gar nicht“, sagt er. Aus die­sem Grund kom­me es bei­spiels­wei­se auch nicht in­fra­ge, den dun­kel­brau­nen Flie­sen­bo­den zu be­las­sen. „Das geht ein­fach nicht, das passt nicht mehr.“Statt­des­sen soll wie­der ein Mu­schel­kalk­bo­den her.

Zu den vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten sa­gen die Ver­ant­wort­li­chen noch nichts, zu­mal die Pla­nung noch nicht fi­xiert ist. Der Zeit­plan sieht vor, dass das Fi­nan­zie­rungs­kon­zept bis zum kom­men­den Früh­jahr steht. Zu­vor muss noch der Stif­tungs­rat be­ra­ten, ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung tref­fen und grü­nes Licht ge­ben. Vor­aus­sicht­lich stemmt die Kir­chen­ge­mein­de ein Drit­tel der Kos­ten aus ih­ren Haus­halts­mit­teln selbst. Ein wei­te­res Drit­tel kom­me üb­li­cher­wei­se als Zu­schuss vom Or­di­na­ri­at, sagt Baum­gart­ner. Das letz­te Drit­tel müss­te dann aus Kre­di­ten und Spen­den fi­nan­ziert wer­den. Heu­te soll sich ein ent­spre­chen­der Bau­för­der­ver­ein grün­den (In­for­ma­tio­nen im Kas­ten), ein Stand auf dem Stra­ßen­fest ist ge­plant. Nächs­tes Früh­jahr soll es dann in die kon­kre­te Pla­nung ge­hen, zu der auch die Aus­schrei­bung der Ar­bei­ten ge­hört. Zum Pa­tro­zi­ni­um 2018 soll es ei­ne Art „Star­tGot­tes­dienst“ge­ben; der gro­ße Wunsch der Ver­ant­wort­li­chen ist es, die fer­tig re­no­vier­te Kir­che dann im Früh­jahr 2019 ein­wei­hen zu kön­nen.

FO­TO: CO­RIN­NA WOLBER

Der Kir­chen­raum soll so ver­än­dert wer­den, dass Gestal­tung und theo­lo­gi­sches Kon­zept wie­der ei­ne stim­mi­ge Ein­heit bil­den.

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