Fest­hal­le wird teu­rer als 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro

Trotz­dem gibt Gam­mer­tin­ger Gemeinderat grü­nes Licht für Architekten-Wett­be­werb

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB/LAUCHERT - Von Ignaz Stös­ser

GAM­MER­TIN­GEN - In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben es die Spat­zen be­reits von den Dä­chern ge­pfif­fen: Die De­cke­lung der Kos­ten von 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro für die Gam­mer­tin­ger Stadt­hal­le wird nicht zu hal­ten sein. In der Ge­mein­de­rats­sit­zung am Di­ens­tag hat die Ver­wal­tung nun ei­ne neue Kos­ten­schät­zung für die noch zu pla­nen­de Stadt­hal­le vor­ge­legt. Oh­ne grö­ße­re Dis­kus­si­on gab der Gemeinderat mehr­heit­lich grü­nes Licht für den vor­ge­se­he­nen Architekten-Wett­be­werb.

Da­mit die Kos­ten­stei­ge­rung nicht so krass er­scheint, hat die Ver­wal­tung gleich ein ab­ge­speck­tes Raum­pro­gramm er­ar­bei­ten las­sen. Hät­te die Stadt an den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen fest­ge­hal­ten, wä­ren die neu­en Kos­ten von 5,5 Mil­lio­nen auf 6,6 Mil­lio­nen hoch­ge­gan­gen. Nun soll der Saal statt 700 Qua­drat­me­ter nur noch 550 Qua­drat­me­ter groß wer­den, das La­ger wird von 140 auf 80 Qua­drat­me­ter zu­sam­men­ge­stri­chen und die Büh­ne von 260 auf 180 Qua­drat­me­ter. Da­mit wür­den sich die bis­he­ri­gen Kos­ten le­dig­lich auf knapp 5,9 Mil­lio­nen er­hö­hen.

Hand­wer­ker­kos­ten sind ge­stie­gen

Der Pla­ner von der LBBW Stutt­gart, Mar­kus Lämm­le, er­klär­te die neue Kos­ten­schät­zung mit Preis­stei­ge­run­gen im Hand­werk. Bei den ers­ten Be­rech­nun­gen ha­be er Zah­len aus dem Jahr 2015 zu­grun­de ge­legt, jetzt die Zah­len von 2017. Bür­ger­meis­ter Hol­ger Jerg deu­te­te an, dass man mög­li­cher­wei­se mit wei­te­ren Preis­stei­ge­run­gen rech­nen müs­se, weil Bau­be­ginn ja erst in ein, zwei Jah­ren sein soll. Lämm­le mach­te deut­lich, dass die Flä­chen­re­du­zie­rung nicht ein­her­ge­hen müs­se mit Qua­li­täts­ver­lust.

„Wir wol­len raum­spa­rend und trotz­dem qua­li­täts­voll ar­bei­ten“, ver­si­cher­te Lämm­le. So schlägt er vor, zwi­schen Saal und Foy­er ein Trenn­wand­sys­tem ein­zu­bau­en, so­dass der Saal bei Be­darf durch das Foy­er er­wei­tert wer­den kann, eben­so durch ei­nen in­te­grier­ba­ren Mehr­zweck­raum. Die fest in­stal­lier­te Büh­nen­flä­che könn­te laut Mar­kus Lämm­le durch ei­ne gro­ße mo­bi­le Vor­büh­ne (in­klu­si­ve Stuhl­la­ger) er­wei­tert wer­den.

In ih­ren State­ments ga­ben sich die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den op­ti­mis­tisch und blie­ben eher im Grund­sätz­li­chen. Wolf­gang Lieb (Glei­ches Recht für al­le) mach­te un­miss­ver­ständ­lich deut­lich: „Ich ste­he hin­ter die­sem Kon­zept.“Und er ver­si­cher­te, dass sei­ne ge­sam­te Frak­ti­on dies eben­so tue. Die Stadt sei ge­ra­de jetzt in der glück­li­chen La­ge, dass es der­zeit güns­ti­ge Zin­sen ge­be. Karl-Heinz He­bei­sen (CDU) nann­te das Vor­ha­ben ein Jahr­hun­dert­pro­jekt und gab sich si­cher, dass es ge­lin­gen wer­de, auch den letz­ten Skep­ti­ker von dem Vor­ha­ben zu über­zeu­gen. Ste­phan Binsch (SPD) sag­te: „Die Um­fra­ge hat deut­lich ge­macht, dass ein Be­darf be­steht.“Er ha­be in den Bür­ger­werk­stät­ten Lei­den­schaft ge­spürt, als es um die De­tails ge­gan­gen sei. Nun freue er sich auf die nächs­ten Schrit­te.

Kri­tik kam von sei­nem Frak­ti­ons­kol­le­gen El­mar Mol­nar. Er ist über­zeugt, dass die Hal­le si­cher­lich noch teu­rer wer­de. Mol­nar ver­tritt die An­sicht, dass in den kom­men­den Jah­ren nicht al­le Gam­mer­tin­ger Schul­ge­bäu­de ge­braucht wer­den und sich hier ein Fest­saal ein­rich­ten lie­ße. Er hat Fol­gen­des be­rech­net: „Wenn die jet­zi­gen Bau­kos­ten ge­hal­ten wer­den kön­nen, ha­ben wir für lan­ge Zeit täg­lich ei­ne Ver­pflich­tung von rund 1000 Eu­ro für die Hal­le.“Der Ket­ten­a­cker Orts­vor­ste­her Mat­thi­as Gul­de for­der­te ei­nen mit­tel­fris­ti­gen Fi­nanz­plan, der si­cher­stel­le, dass ne­ben der Fest­hal­le auch an­de­re Pro­jek­te in der Kom­mu­ne ver­folgt und fi­nan­ziert wer­den könn­ten.

In der Ab­stim­mung wur­de bei zwei SPD-Ge­gen­stim­men mehr­heit­lich be­schlos­sen, ei­nen nicht of­fe­nen Architekten-Wett­be­werb vor­zu­be­rei­ten, der auf acht Teil­neh­mer be­grenzt wer­den soll. Da­bei ist vor­ge­se­hen, im Sep­tem­ber das Funk­ti­ons­und Raum­pro­gramm im Gemeinderat zu be­schlie­ßen, eben­so den Aus­lo­bungs­text für den Wett­be­werb. Im De­zem­ber sol­len dann die Bür­ger mit ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on noch­mals mit­ein­be­zo­gen wer­den. Im März 2018 fällt die Ent­schei­dung für ein Mo­dell.

FO­TO: IGNAZ STÖS­SER

Die Hin­weis­ta­fel vor dem Ge­wer­be­park an der Sig­ma­rin­ger Stra­ße in Gam­mer­tin­gen ist ver­ros­tet, das Ge­bäu­de selbst ist drin­gend sa­nie­rungs­be­dürf­tig Dar­um schlägt die Stadt gleich zwei Flie­gen mit ei­ner Klap­pe, wenn sie den Ge­wer­be­park ab­reißt, um Platz zu schaf­fen für die Fest­hal­le. Das Are­al ist seit den 1990er-Jah­ren im Be­sitz der Stadt.

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