Schul­haus wird zur Hei­mat für Künst­ler

Meh­re­re Künst­ler aus der Re­gi­on ver­an­stal­ten in Un­din­gen ge­mein­sa­me Aus­stel­lung

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB/LAUCHERT -

SONNENBÜHL (sz) - Die Sa­nie­rung des al­ten Schul­hau­ses in dem Son­nen­büh­ler Teil­ort Un­din­gen (er­baut im Jah­re 1870) ist im vol­len Gan­ge. Kunst und Kunst­schaf­fen­de aus der Re­gi­on sol­len hier auf ei­ne völ­lig neue Art in­te­griert wer­den. Ge­plant ist ei­ne lang­fris­ti­ge Ga­le­rie für Aus­stel­lun­gen und Kunst­schu­le so­wie die Ver­mie­tung der obe­ren Eta­gen an Se­nio­ren, die sich künst­le­risch ent­fal­ten möch­ten.

Er­werb und Um­ge­stal­tung der Al­ten Schu­le so­wie der Neu­bau ei­nes groß­zü­gi­gen Ate­lier­ge­bäu­des und der Auf­bau ei­nes gut flo­rie­ren­den Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens sind das stol­ze Le­bens­werk des lei­den­schaft­li­chen Künst­lers und Ma­ler­meis­ters Jo­hann Hölz aus St­ein­hil­ben. Im Rah­men des 40-jäh­ri­gen Fir­men­ju­bi­lä­ums fand die viel­be­ach­te­te zum Nach­den­ken an­re­gen­de Kunst­aus­stel­lung „Kunst im Roh­bau“statt. Die Aus­stel­lung war sehr gut be­sucht, und im­mer wie­der schau­ten In­ter­es­sier­te vor­bei, die auch das al­te Schul­ge­bäu­de, in dem sie einst die Schul­bank drück­ten, be­sich­ti­gen woll­ten. Sie trau­ten ih­ren Au­gen nicht, was sie dort er­war­te­te.

Be­ein­dru­ckend zeigt die Aus­stel­lung ne­ben un­ter­schied­li­chen far­ben­fro­hen Por­traits und Stil­le­ben und Tier- und Land­schafts­bil­der auch in­spi­ra­ti­ve Col­la­gen und Ma­te­ri­al­bil­der. Man­nig­fal­ti­ge Holz­skulp­tu­ren und über­di­men­sio­nal gro­ße Acryl­bil­der im Stil des phan­tas­ti­schen Ex­pres­sio­nis­mus der be­reits be­kann­ten Künst­le­rin Cor­ne­lia Pra­witt die mit ih­rer Kunst schon auf der Art Inns­bruck ver­tre­ten war, wur­den be­wun­dert.

Die er­grei­fen­de raum­fül­len­de In­stal­la­ti­on „Fe­ge­feu­er“des Künst­ler­paa­res Ma­la­jo­ni aus Neuf­ra fand beim Pu­bli­kum be­son­de­ren An­klang. Der Be­trach­ter be­fand sich in­mit­ten ei­ner er­starr­ten Grup­pie­rung le­bens­gro­ßer ste­chend wei­ßer Gips­fi­gu­ren, zer­stör­ter Kör­per, ab­ge­ris­se­ner Kör­per­tei­le – vor ei­nem apo­ka­lyp­ti­schen Büh­nen­bild.

Dem Künst­ler­paar An­ja Da­vid und Jo­hann Bo­zic ist es ge­lun­gen, in ih­rer in­stal­la­tiv kon­zi­pier­ten Ar­beit, durch zu­nächst be­frem­den­de Wir­kung ei­ne kri­ti­sche Dis­tanz beim Be­trach­ter zu er­zeu­gen, um auf ein bren­nen­des The­ma un­se­rer Zeit hin­zu­wei­sen, und zwar auf Ra­di­ka­li­sie­rung, Macht, Macht­miss­brauch, Ter­ror und Flucht. Es sind Ab­bil­der von Men­schen in ei­ner glo­ba­li­sier­ten Welt, die sich auf der Su­che nach Iden­ti­tät, und Zu­ge­hö­rig­keit be­fin­den.

Nicht dass der Be­trach­ter bei die­ser Aus­stel­lung ir­gend­wann zur Ru­he kommt, nein auch, der in Un­din­gen und Um­ge­bung be­reits be­kann­te Initia­tor die­ser Aus­stel­lung, Jo­hann Hölz, ir­ri­tier­te das kunst­in­ter­es­sier­te Pu­bli­kum wie­der ein­mal mit sei­nem Werk: „Al­le in ei­nem Boot“– oder der Hand­schlag zwi­schen Mar­tin Lu­ther und Papst Fran­zis­kus. Ge­las­sen und ent­spannt ist kei­ner der Gäs­te aus die­ser Aus­stel­lung nach Hau­se ge­gan­gen – wohl aber nach­denk­lich. Das war ganz im Sin­ne der Künst­ler.

FO­TO: PRI­VAT

Die In­stal­la­ti­on „Fe­ge­feu­er“des Künst­ler­paa­res Ma­la­jo­ni aus Neuf­ra fin­det beim kunst­in­ter­es­sier­ten Pu­bli­kum be­son­de­ren An­klang.

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