End­lich ein deut­li­ches Zei­chen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Andre­as● Her­holz po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Es ist das En­de der viel zu lan­gen di­plo­ma­ti­schen Zu­rück­hal­tung. End­lich setzt die Bun­des­re­gie­rung ein deut­li­ches Zei­chen, re­agiert auf die nicht en­den wol­len­de Se­rie von Pro­vo­ka­tio­nen und Grenz­über­schrei­tun­gen der Tür­kei. Ver­schärf­te Rei­se­hin­wei­se und die Dro­hung mit dem En­de von Wirt­schafts­hil­fen – Ber­lin zieht im Dau­er­kon­flikt mit An­ka­ra die Dau­men­schrau­ben an.

Blei­ben die Ur­lau­ber weg und feh­len die Kre­dit­ab­si­che­run­gen und För­der­mil­lio­nen, wird die tür­ki­sche Wirt­schaft emp­find­lich ge­trof­fen. Der Ab­schied von Rechts­staat­lich­keit und De­mo­kra­tie, die au­to­kra­ti­sche Herr­schaft von Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan wür­de das tür­ki­sche Volk so­mit auch öko­no­misch teu­er zu ste­hen kom­men.

Viel zu lan­ge hat es Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel an Klar­heit ge­gen­über Er­do­gan ver­mis­sen las­sen. Aus Sor­ge um den Be­stand des Flücht­lings­ab­kom­mens der Eu­ro­päi­schen Uni­on mit An­ka­ra ver­zich­te­te die Re­gie­rungs­che­fin lie­ber auf Kl­ar­text und Kon­se­quen­zen. Der tür­ki­sche Au­to­krat muss sich an­ge­sichts der schüch­ter­nen Ber­li­ner Re­ak­tio­nen auf sei­ne im­mer neu­en Grenz­über­schrei­tun­gen re­gel­recht er­mu­tigt ge­fühlt ha­ben, die Es­ka­la­ti­on auf die Spit­ze zu trei­ben.

Die Fest­nah­me von Un­schul­di­gen, die In­haf­tie­rung oh­ne rechts­staat­li­ches Ver­fah­ren, sind ei­ne er­schre­cken­de Form von Gei­sel­nah­me. Der ak­tu­el­le Fall des Deut­schen Pe­ter Steudt­ner und meh­re­rer an­de­rer Men­schen­recht­ler hat das Fass of­fen­bar zum Über­lau­fen ge­bracht. Die Hoff­nung, der tür­ki­sche Prä­si­dent wer­de schon wie­der zur Ver­nunft kom­men und ein­len­ken, hat sich nicht er­füllt.

Al­lein von An­kün­di­gun­gen wird sich Re­cep Tay­yip Er­do­gan al­ler­dings nicht be­ein­dru­cken las­sen. In die­sem Zu­sam­men­hang stellt sich ei­ne enorm wich­ti­ge Fra­ge: Wo bleibt der Druck der Eu­ro­päi­schen Uni­on und der Na­to? Nur wenn die Bünd­nis­se ge­schlos­sen auf die tür­ki­schen Wer­te­ver­let­zun­gen re­agie­ren und sich nicht im­mer wie­der aus­ein­an­der­di­vi­die­ren las­sen, kann dies auch Wir­kung und Er­folg zei­gen.

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