Fem­mer: „Be­zahl­ba­rer Wohn­raum ist im Kreis rar“

SPD-Kreis­vor­sit­zen­der will Dis­kus­si­on um ge­mein­nüt­zi­ge Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft und So­zi­al­quo­ten füh­ren

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

MEN­GEN - Wie kön­nen in Men­gen und im ge­sam­ten Land­kreis Sig­ma­rin­gen Woh­nun­gen ent­ste­hen, die auch für Men­schen mit ge­rin­gem Ein­kom­men er­schwing­lich sind? Micha­el Fem­mer, Vor­sit­zen­der der SPD im Kreis Sig­ma­rin­gen, und Bür­ger aus Men­gen will sich künf­tig ver­stärkt des The­mas be­zahl­ba­rer Wohn­raum an­neh­men. Er hat den Ein­druck, dass ge­nau die­ser in al­len Kreis­kom­mu­nen recht knapp ist und möch­te ei­ne Dis­kus­si­on um mög­li­che Lö­sungs­an­sät­ze ins Rol­len brin­gen. Ihm selbst schwebt da­bei die Grün­dung ei­ner ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft oder die Ein­füh­rung ei­ner So­zi­al­quo­te bei ge­för­der­ten Bau­pro­jek­ten vor.

Gro­ße pri­va­te Bau­pro­jek­te lau­fen der­zeit in vie­len Städ­ten. „Aber mit so­zia­lem Woh­nungs­bau hat das nichts zu tun“, sagt Fem­mer und nennt als Bei­spie­le die ak­tu­el­len Bau­pro­jek­te der Ge­sell­schaft für Sied­lungs- und Woh­nungs­bau (GSW) so­wie des Bau­un­ter­neh­mens Löff­ler in der Stroh­dor­fer Stra­ße in Sig­ma­rin­gen so­wie vom Un­ter­neh­men Max Wild auf dem ehe­ma­li­gen Zie­gel­ei­ge­län­de in Men­gen und das Löff­ler-Pro­jekt auf dem Knie­selA­re­al in Men­gen. „Da ent­ste­hen Woh­nun­gen, die sich nur Men­schen mit ge­ho­be­nem Ein­kom­men leis­ten kön­nen“, sagt Fem­mer. Fa­mi­li­en mit Kin­dern, Al­lein­er­zie­hen­de und Rent­ner mit klei­nem Ein­kom­men könn­ten das nicht be­zah­len. „Zu­mal das ja auch al­les Ei­gen­tums­woh­nun­gen sind. Selbst, wenn ver­mie­tet wür­de, wä­re das für vie­le zu teu­er.“

Fem­mer fin­det, dass Miet­prei­se, die sich auf ei­nem Ni­veau von neun bis elf Eu­ro pro Qua­drat­me­ter be­we­gen und Bau­prei­sen von 3000 Eu­ro, nicht ak­zep­ta­bel sind. „Es fin­det schnell ei­ne Quar­tiers­bil­dung statt: Die­je­ni­gen, die es sich leis­ten kön­nen, blei­ben un­ter sich“, so Fem­mer. „Da­bei ist ge­ra­de ei­ne Durch­mi­schung und ei­ne in­tak­te Nach­bar­schaft wich­tig für In­te­gra­ti­on und ein ver­nünf­ti­ges so­zia­les Mit­ein­an­der.“

Bür­ger­meis­ter er­hal­ten Post

Um die La­ge im Kreis im De­tail zu er­fas­sen, hat Micha­el Fem­mer die Bür­ger­meis­ter an­ge­schrie­ben, um nach den Ak­ti­vi­tä­ten der Kom­mu­nen in Sa­chen be­zahl­ba­rer Wohn­raum zu fra­gen. „Als be­zahl­bar gilt in der Re­gel, wenn nicht mehr als ein Drit­tel des ei­nem Haus­halt zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ein­kom­mens für die Mie­te ver­wen­det wird“, sagt Fem­mer. Bei den ge­nann­ten ho­hen Miet­prei­sen sei­en vie­le Haus­hal­te ein­fach zu stark be­las­tet. Die Rück­mel­dun­gen, die Fem­mer bis­lang be­kom­men hat, stär­ken ihn in sei­ner Ab­sicht, an dem The­ma dran­zu­blei­ben. „Der Te­nor ist, dass be­zahl­ba­rer Wohn­raum über­all The­ma ist und sich die Kom­mu­nen auch mehr da­von wün­schen“, sagt er. „Es ha­pert aber an der Um­set­zung, weil die Kom­mu­nen da­für kein Geld in die Hand neh­men kön­nen oder wol­len.“

So sieht es bei­spiels­wei­se auch Men­gens Bür­ger­meis­ter Ste­fan Bubeck. „Ich tei­le die Mei­nung, dass der Be­darf an Wohn­raum steigt, den auch Men­schen mit nied­ri­gem Ein­kom­men zah­len kön­nen“, sagt er. „Als Kom­mu­ne sind wir aber der fal­sche Adres­sat.“Die Stadt Men­gen kön­ne nur ge­wis­se Rah­men­be­din­gun­gen ge­ben, sei aber zu klein, um selbst mit ei­ner Wohn­bau­ge­nos­sen­schaft ak­tiv zu wer­den. Er ge­he da­von aus, dass in ei­nem zwei­ten Schritt auch ge­rin­ger Ver­die­nen­de von den bei­den gro­ßen Bau­pro­jek­ten in Men­gen pro­fi­tie­ren kön­nen: „Es wird da ge­wis­se Ver­la­ge­run­gen ge­ben: Wenn die rund 100 neu­en Woh­nun­gen be­zo­gen sind, wer­den Alt­bau­woh­nun­gen im Stadt­ge­biet frei, die zu güns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen ge­mie­tet wer­den kön­nen.“

Au­ßer­dem wer­de auch in die Be­stands­im­mo­bi­li­en am Hol­der­stock und „Bei der Lin­de“in­ves­tiert, wo Woh­nun­gen mit ver­gleich­bar nied­ri­gen Mie­ten an­ge­bo­ten wür­den. „Es ist al­so nicht so, dass sich nichts tun wür­de.“

Im hö­he­ren Seg­ment

Was die Miet­prei­se an­geht, gibt Bubeck zwar zu, dass die neu ent­ste­hen­den Woh­nun­gen im hö­he­ren Seg­ment lie­gen re­la­ti­viert aber auch: „Im Ver­gleich mit Bal­lungs­zen­tren lie­gen wir mit un­se­rem durch­schnitt­li­chen Miet­ni­veau von fünf bis acht Eu­ro pro Qua­drat­me­ter noch ziem­lich gut.“In Groß­städ­ten in Ba­den-Würt­tem­berg lie­ge der Durch­schnitt bei 15 bis 20 Eu­ro. „Dar­an soll­ten wir auch im­mer den­ken.“

Weil Fem­mer glaubt, dass die Kom­mu­nen das The­ma be­zahl­ba­rer Wohn­raum nicht je­de für sich stem­men kön­nen und wol­len, möch­te er die Dis­kus­si­on über ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft für den Kreis an­sto­ßen. „Un­ter Fe­der­füh­rung des Krei­ses und mit fi­nan­zi­el­len Ein­la­gen der Kom­mu­nen pro Ein­woh­ner, könn­ten da ge­zielt Pro­jek­te an­ge­sto­ßen wer­den,“fin­det er. Zu­sätz­lich könn­ten die Kom­mu­nen über ei­ne So­zi­al­quo­te nach­den­ken. Gibt es För­de­run­gen für Wohn­bau­pro­jek­te, könn­ten die dar­an ge­knüpft wer­den, dass ein be­stimm­ter An­teil der Woh­nun­gen als So­zi­al­woh­nun­gen ge­baut und für et­wa zehn oder 15 Jah­re zu ei­nem fes­ten Miet­preis ver­mie­tet wür­den. „Die In­ves­to­ren müs­sen ein­fach mehr in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men wer­den“, sagt Fem­mer. Aus sei­ner Sicht soll­te sich der Kreis­tag ge­nau­er mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen.

FO­TO: CHRIS­TOPH KLA­WIT­TER

Im Wohn­ge­biet am Hol­der­stock in Men­gen sind die Miet­prei­se noch ver­gleichs­wei­se nied­rig. Der SPD-Kreis­vor­sit­zen­de Micha­el Fem­mer be­klagt, dass es im ge­sam­ten Land­kreis Sig­ma­rin­gen zu we­nig be­zahl­ba­ren Wohn­raum ge­be. Des­halb for­dert er ei­ne Dis­kus­si­on.

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