Ei­ne wei­te­re Wie­sen­flä­che wird ver­sie­gelt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN -

Zur An­sied­lung ei­nes Horn­bach-Bau­mark­tes er­reicht die SZ fol­gen­der Le­ser­brief:

Nach­dem der Rat das Vor­ha­ben in pla­nungs­recht­li­cher Hin­sicht ge­bil­ligt hat, dürf­te da­mit zu rech­nen sein, dass in ab­seh­ba­rer Zeit die Bau­ge­neh­mi­gung er­teilt und der Bau­markt ge­baut wer­den wird. Dann wird in der Ta­laue na­he der Gor ei­ne gro­ße Wie­sen­flä­che, ein be­son­ders be­deut­sa­mer Re­ten­ti­ons­raum, auf­ge­schüt­tet und ver­sie­gelt wer­den.

Es scheint, dass das The­ma Flä­chen­ver­brauch, da­zu noch in ei­nem aus öko­lo­gi­scher Sicht be­son­ders sen­si­blen Be­reich, we­der von Stadt­ver­wal­tung noch vom Rat als Pro­blem wahr­ge­nom­men wird. Die Ent­schei­dung ist ein er­neu­ter Be­weis da­für, dass sich fast stets die ma­te­ri­ell-öko­no­mi­schen In­ter­es­sen ge­gen­über den öko­lo­gi­schen Er­for­der­nis­sen durch­set­zen.

Zu kei­ner Zeit sind so viel Flä­chen ver­braucht wor­den wie in un­se­rer. Noch nie hat ei­ne Ge­ne­ra­ti­on so­viel na­tür­li­che Le­bens­räu­me be­rei­nigt, be­gra­digt, pla­niert, drai­niert, zu­ge­schüt­tet und ver­sie­gelt wie die heu­ti­ge. Ei­nem Be­richt der SZ zu­fol­ge ver­schwin­den Tag für Tag im Süd­wes­ten Grün­flä­chen in der Grö­ße von zehn Fuß­ball­fel­dern un­ter As­phalt und Be­ton. Der jähr­li­che Land­ver­brauch ent­spricht et­wa der Grö­ße des Bo­den­sees. Trotz end­li­cher Res­sour­cen schrei­tet der Flä­chen­ver­brauch un­auf­halt­sam fort, auch in Sig­ma­rin­gen. Wenn ich es rich­tig se­he, ist die Ta­laue seit den 1970/80iger Jah­ren suk­zes­si­ve auf­ge­schüt­tet, über­baut und groß­flä­chig ver­sie­gelt wor­den. Die Be­bau­ung und As­phal­tie­rung von Wie­sen­flä­chen in den Burg­wie­sen, den Käp­peles­wie­sen und In der Au sind mir in Er­in­ne­rung. Da­mit sind die Wie­sen und Au­en ih­rer na­tür­li­chen Funk­ti­on als Was­ser­spei­cher be­raubt wor­den.

Ge­ra­de die­se Bö­den kön­nen Re­gen­was­ser rasch auf­neh­men, gro­ße Men­gen da­von spei­chern und spä­ter den Pflan­zen zur Ver­fü­gung stel­len und die Grund­was­ser­neu­bil­dung si­cher­stel­len. Ein Teil des Was­sers wird ver­lang­samt an Bä­che und Flüs­se wei­ter­ge­ge­ben. Die­ser Vor­gang min­dert das Ri­si­ko von Über­schwem­mun­gen und Hoch­was­ser. Dies führt, be­son­de­res bei Stark­re­gen, den wir der­zeit fast täg­lich er­le­ben, zu ei­ner Über­las­tung der Flüs­se und Bä­che, so­dass die Ge­wäs­ser im­mer häu­fi­ger über die Ufer tre­ten. Be­son­ders an der Lau­chert, an der ich woh­ne, ist dies zu be­ob­ach­ten.

Al­bert Grö­ner, Sig­ma­rin­gen-Jungnau

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