Aus kur­zem Trip wird lang­jäh­ri­ge Auf­ga­be

Der Ve­rin­gen­städ­ter Ent­wick­lungs­hel­fer Ru­di Reit­in­ger ist in der Re­gi­on auf Tour für El Sal­va­dor

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB / LAUCHERT - Von Ga­b­rie­le Lo­ges

VERINGENSTADT - Ru­di Reit­in­ger ver­bringt zur­zeit ei­ni­ge Wo­chen in der al­ten Hei­mat. Sei­ne neue liegt in Zen­tral­ame­ri­ka, ge­nau­er in El Sal­va­dor. Seit mehr als 30 Jah­ren ist er im Di­enst der Mit­mensch­lich­keit. Men­schen in un­se­rer Re­gi­on hel­fen ihm, in­dem sie bei den Stern­sin­gern spen­den oder wenn sie im Welt­la­den ein­kau­fen.

Sein El­tern­haus in Veringenstadt ist ver­mie­tet, aber Ru­di Reit­in­ger hat dort im­mer noch ei­ne klei­ne Woh­nung: „Ich ver­brin­ge hier mei­nen Ur­laub.“Von Ur­laub kann al­ler­dings kei­ne Re­de sein. Zum ei­nen ist er be­reits im Ren­ten­al­ter, zum an­de­ren ist er un­un­ter­bro­chen auf „mis­sio­na­ri­scher“Tour, um neue Geld­ge­ber zu fin­den und bei sei­nen bis­he­ri­gen dar­über zu be­rich­ten, was mit dem ge­spen­de­ten Geld ge­schieht. Es ist Reit­in­ger ein An­lie­gen, ganz kon­kret zu sa­gen und mit ei­nem Vi­deo­film zu zei­gen, wer in Se­gun­do Mon­tes, El Sal­va­dor, un­ter­stützt wird.

Reit­in­ger hat Volks­wirt­schaft stu­diert und war spä­ter Do­zent an der FH in Kon­stanz und Leh­rer an ei­nem Gym­na­si­um in St. Gal­len. 1984 folg­te er ei­nem Auf­ruf der Ca­ri­tas, die Ka­ta­stro­phen­hel­fer für Hon­du­ras such­te. Dort leb­ten vie­le El Sal­va­do­ria­ner in La­gern, die vor dem Bür­ger­krieg in das Nach­bar­land ge­flo­hen wa­ren. Reit­in­ger wag­te den Schritt und kün­dig­te: „Ich woll­te nicht so lan­ge blei­ben, und jetzt bin ich im­mer noch da­bei.“

Bis 1990 war er im be­nach­bar­ten Hon­du­ras in der Leh­rer­aus­bil­dung für die Sal­va­do­ria­ner tä­tig. Dann gin­gen die Flücht­lin­ge wie­der in ihr Hei­mat­land zu­rück, und Reit­in­ger blieb bei ih­nen: „Ich ha­be mich die­sen Men­schen ver­bun­den ge­fühlt und konn­te sie bei der Rück­kehr in ein ver­wüs­te­tes Land nicht al­lei­ne las­sen.“Vie­les hat­te sich für die Ge­flüch­te­ten ver­än­dert. Die mitt­le­re Ge­ne­ra­ti­on fehl­te, die Al­ten wa­ren ver­waist, die ganz Jun­gen wur­den sich selbst über­las­sen und grün­de­ten Ban­den. Heu­te noch ist die Ban­den­kri­mi­na­li­tät ein gro­ßes Pro­blem. Ru­di Reit­in­ger pack­te mit an, brach­te Ide­en mit und setz­te sie mit Ein­hei­mi­schen um.

Kunst­hand­werk für Spen­den

Um die Pro­jek­te fi­nan­zie­ren zu kön­nen, hat er 1991 an­ge­fan­gen, Drit­teWelt-Lä­den zu be­su­chen. Be­son­ders ei­ne Tour in die Ex-DDR er­mu­tig­te ihn, wei­ter­zu­ma­chen. In Veringenstadt, in Gam­mer­tin­gen oder in Sig­ma­rin­gen konn­te er eben­falls die Men­schen über­zeu­gen. Er ver­kauft Kunst­hand­werk und er­hält Spen­den. Seit ei­ni­gen Jah­ren be­kommt er von der Seel­sor­ge­ein­heit Ve­rin­gen auch über die Stern­sin­ger Un­ter­stüt­zung.

„Man braucht sehr viel Geld für das gan­ze Bil­dungs­pro­gramm“, so Reit­in­ger. Är­me­re kön­nen sich kei­ne bes­se­re Schul­bil­dung für ih­re Kin­der leis­ten. 80 Uni­ver­si­täts­sti­pen­di­en und 400 Sti­pen­di­en zum Be­such des Gym­na­si­ums konn­te sein Hilfs­pro­jekt bis­her schon ver­ge­ben. Mit der „Al­ten­spei­sung“kön­nen al­te Men­schen zwei Mal am Tag ge­mein­sam es­sen und ge­mein­sam et­was un­ter­neh­men. So­fern sie es noch kön­nen, hel­fen die Äl­te­ren mit. Für die Klei­ne­ren gibt es eben­falls ei­ne Be­treu­ung.

Reit­in­ger weiß: „Es ist wich­tig, sie von der Stra­ße zu ho­len, ih­nen Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen und sie ver­nünf­tig zu be­schäf­ti­gen.“Das Land gilt für Rei­sen­de als un­si­cher. Des­halb un­ter­stützt der ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Frei­wil­li­gen­dienst „Welt­wärts“Pro­jek­te in El Sal­va­dor nicht. Trotz­dem kön­nen jun­ge Men­schen aus Deutsch­land in Se­gun­do Mon­tes bei sei­nem Ent­wick­lungs­pro­jekt mit­hel­fen. In der nächs­ten grö­ße­ren Stadt wür­den sie da­vor Spa­nisch ler­nen.

Für sei­ne Ar­beit hat Reit­in­ger be­reits das Bun­des­ver­dienst­kreuz und die St­au­f­er­me­dail­le des Lan­des be­kom­men. Aber viel wich­ti­ger ist es ihm, den Men­schen zu hel­fen, und da­zu ge­hört, von sei­nen Pro­jek­ten in El Sal­va­dor zu be­rich­ten und die Spen­der da­von zu über­zeu­gen, dass es sich lohnt, in die Zu­kunft die­ser Men­schen zu in­ves­tie­ren – auch mit klei­nen Be­trä­gen. Ans Auf­hö­ren denkt der 68-Jäh­ri­ge je­den­falls noch nicht. Er hofft, dass ei­ner sei­ner Mit­ar­bei­ter spä­ter mal für ihn die „Tou­ren“in Deutsch­land über­neh­men kann.

FO­TO: GA­B­RIE­LE LO­GES

Dem Ve­rin­ger Ru­di Reit­in­ger ist es wich­tig, über sei­ne Ar­beit in El Sal­va­dor auf­zu­klä­ren.

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