Trau­er ist Be­stand­teil und Auf­ga­be des Le­bens

Der Re­fe­rent Wil­fried Mül­ler hält ei­nen Vor­trag zu die­sem The­ma

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB / LAUCHERT -

SIG­MA­RIN­GEN (sz) - Was Trau­er mit den Men­schen macht, die­ser Fra­ge wur­de in ei­nem Vor­trag der Ho­s­piz­grup­pe Sig­ma­rin­gen nach­ge­gan­gen. Der Re­fe­rent, Wil­fried Mül­ler aus Reut­lin­gen, konn­te da­bei aus sei­ner rei­chen 22-jäh­ri­gen Er­fah­rung in der Be­glei­tung von Trau­ern­den schöp­fen. Sei­ne viel­schich­ti­gen und de­tail­lier­ten Bei­spie­le lie­ßen er­ken­nen, dass Trau­er als ein neu­es, un­be­kann­tes Phä­no­men in je­des Le­ben ein­bricht, le­bens­lang in un­ter­schied­li­cher In­ten­si­tät an­hält und den Trau­ern­den ver­än­dert.

Da­bei sind die­se Ve­rän­de­run­gen nicht zwangs­läu­fig schlech­ter, ein Trau­er­pro­zess kann auch zu ei­ner neu­en, po­si­tiv emp­fun­de­nen Le­bens­ein­stel­lung füh­ren, an­de­rer­seits aber auch bis zu kör­per­li­chen Be­schwer­den.

Trau­er ist ein al­les be­set­zen­des Le­bens­ge­fühl, ver­läuft nicht nach Plan und ist nicht be­herrsch­bar. Die Hil­fen, die Trau­ern­den an­ge­bo­ten wer­den, müs­sen in­di­vi­du­ell ab­ge­stimmt sein, da die Trau­er­si­tua­tio­nen nicht ver­gleich­bar sind. Die Re­ak­tio­nen von Trau­ern­den rei­chen vom Le­bens­zwei­fel bis zu über­stei­ger­ten, bis­lang un­be­kann­ten Ak­ti­vi­tä­ten. Jun­ge Trau­ern­de nei­gen mehr zu Ag­gres­si­vi­tät und Un­ver­ständ­nis als äl­te­re Men­schen, die Bio­gra­phie des Trau­ern­den ist im­mer Teil die­ses Trau­er­pro­zes­ses. Für das Um­feld des Trau­ern­den und für den Trau­er­be­glei­ter kommt es dar­auf an, die un­ter­schied­li­chen Si­gna­le zu er­ken­nen und zu ana­ly­sie­ren. Gut ge­mein­te, aber we­nig über­leg­te Rat­schlä­ge sind oft kon­tra­pro­duk­tiv. Wor­te al­lein sind nur ei­ne un­zu­rei­chen­de Hil­fe. Den Trau­ern­den da­bei zu un­ter­stüt­zen, sich die Trauer­ur­sa­che be­wusst zu ma­chen, sie zu ak­zep­tie­ren und sie in das täg­li­che Rou­ti­nele­ben ein­zu­las­sen, ist oft der Schlüs­sel für ei­nen Lern­pro­zess im Um­gang mit der Trau­er. Dies läuft im­mer noch zum gro­ßen Teil im Fa­mi­li­en-, Freun­des- und Ar­beits­um­feld des Trau­ern­den ab. Nur et­wa zwölf Pro­zent der Trau­ern­den su­chen die Trau­er­be­glei­tung durch Au­ßen­ste­hen­de.

FO­TO: VER­EIN

40 Zu­hö­rer im evan­ge­li­schen Ge­mein­de­saal fol­gen den Aus­füh­run­gen des Trau­er­be­glei­ters Wil­fried Mül­ler.

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