Kreis wird durch Stuttgart 21 ab­ge­hängt

Stu­die alar­miert: Land­kreis Sig­ma­rin­gen muss Elek­tri­fi­zie­rung vor­an­trei­ben

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Der Land­kreis Sig­ma­rin­gen muss tä­tig wer­den, wenn er im Zu­ge der Elek­tri­fi­zie­rung der um­lie­gen­den Schie­nen im Zu­ge von Stuttgart 21 nicht in ei­nem „Die­sel­loch“ab­ge­hängt wer­den will. Das ist Er­geb­nis ei­ner Stu­die, die den Schie­nen­ver­kehr im Kreis nä­her be­schreibt. Die­se wur­de von Rim­bert Schür­mann der PTV Pla­nung Trans­port Ver­kehr AG im Kreis­tag am Mon­tag vor­ge­stellt. Aus der Stu­die er­gibt sich für den Kreis ei­ne Hand­lungs­emp­feh­lung, die vor­sieht, dass sich der Kreis stär­ker in die Dis­kus­si­on um Elek­tri­fi­zie­rung ein­bringt. Ei­ne mög­li­che Lö­sung wä­re die An­bin­dung des Krei­ses an die Tü­bin­ger Re­gio­stadt­bahn Neckar-Alb, die bis Alb­stadt fährt und auch den Stutt­gar­ter Flug­ha­fen an­steu­ert.

Hy­bridfahr­zeu­ge ein­zu­set­zen, die die­sel­be­trie­ben und elek­trisch fah­ren, kom­men laut Schür­mann nicht in­fra­ge: „Die sind erst in der Er­pro­bung, das dau­ert noch Jah­re.“Zu­dem müss­te man dann auch Fahr­zeu­ge, die auf be­reits elek­tri­fi­zier­ten Stre­cken wie Aa­len bis Stuttgart fah­ren, durch Hy­bri­de er­set­zen, was zu teu­er wä­re. „Die In­ves­ti­ti­on in die Elek­tri­fi­zie­rung wä­re sinn­vol­ler.“

„Mit Stuttgart 21 wird die Schie­nen­si­tua­ti­on für den Land­kreis Sig­ma­rin­gen schlech­ter“, sagt Rim­bert Schür­mann. Weil mit der Rea­li­sie­rung von Stuttgart 21 nur noch elek­tri­sche Zü­ge und kei­ne Die­sel­loks in den Bahn­hof der Lan­des­haupt­stadt ein­fah­ren dür­fen, hat das Kon­se­quen­zen für den Land­kreis Sig­ma­rin­gen, durch den sich aus­schließ­lich Die­sel­zü­ge be­we­gen. Ei­ne Di­rekt­ver­bin­dung nach Stuttgart wird es nicht mehr ge­ben, durch mög­li­che Um­stie­ge dau­ert die Fahr­zeit län­ger. Ein neu­er Fahr­plan­takt ver­schär­fe die­se Si­tua­ti­on und sor­ge für et­wa zwei­stün­di­ge „Fahr­plan­lö­cher“statt stünd­li­cher Tak­tung; in Stuttgart en­de zu­dem kein Zug mehr – die Zü­ge wür­den bis Hei­del­berg, Karls­ru­he oder Aa­len „durch­ge­bun­den“. Durch die Elek­tri­fi­zie­rung der Schie­nen­stre­cken nörd­lich des Land­krei­ses wird der Kreis Sig­ma­rin­gen laut Schür­mann wei­ter ab­ge­hängt. Da­durch wer­de auch das Die­sel­netz wei­ter ein­ge­schränkt und auf ein „Rumpf­netz“ver­klei­nert. Das wür­de auch den Be­trieb des der­zei­ti­gen Net­zes teu­rer ma­chen.

Bis zu 27 Mil­lio­nen für Krei­se

Schür­mann zeig­te mög­li­che Be­triebs­sche­ma­ta der Zol­lern-Al­bBahn: Bei ei­ner Elek­tri­fi­zie­rung bis Alb­stadt-Ebin­gen wä­re Sig­ma­rin­gen ab­ge­hängt, sinn­voll wä­re ei­ne Elek­tri­fi­zie­rung bis Au­len­dorf, um Sig­ma­rin­gen di­rekt mit dem neu­en Netz zu ver­bin­den und um wei­ter ei­ne um­stei­ge­freie Fahrt nach Stuttgart zu ge­währ­leis­ten. An­ders sieht es bei der Do­nau­tal­bahn nach Ulm aus, bis­lang die­sel­be­trie­ben. Die Re­gio-SBahn Do­nau-Il­ler könn­te bis Rech­ten­stein ver­län­gert wer­den, nicht aber bis Sig­ma­rin­gen. „Der Vor­teil wä­re ei­ne gu­te An­bin­dung an den Fern­ver­kehr ab Ulm“, so Schür­mann. Für Be­rufs­pend­ler sei die­se Op­ti­on aber un­ge­eig­net, da kei­ne Ba­denWürt­tem­berg-Ta­ri­fe ge­nutzt wer­den könn­ten. Er emp­fahl ei­ne elek­tri­fi­zier­te Stre­cke von Alb­stadt bis Au­len­dorf und die Elek­tri­fi­zie­rung des Rest­stücks der Do­nau­tal­bahn über Men­gen, Her­ber­tin­gen nach Riedlingen. „Das kann güns­tig ver­ge­ben wer­den, das Die­sel­loch wä­re dann weg“, so der Gut­ach­ter.

Die Ge­samt­in­ves­ti­tio­nen wür­den sich auf der Stre­cke Alb­stadt-Ebin­gen nach Sig­ma­rin­gen auf 51,7 bis 64,9 Mil­lio­nen Eu­ro be­lau­fen, auf der Stre­cke Sig­ma­rin­gen-Rech­ten­stein (Zol­ler­nalb-und Do­nau­tal­bahn) 64,6 bis 76,7 Mil­lio­nen Eu­ro und auf der Stre­cke Au­len­dorf-Sig­ma­rin­genAlb­stadt 109,5 bis 134 Mil­lio­nen Eu­ro, in wel­cher die Lö­sung Alb­stadt­E­bin­gen in­klu­diert wä­re. Der Bund und das Land wür­den zu­sam­men bis zu 80 Pro­zent der Kos­ten be­zah­len, 20 Pro­zent tra­gen Kom­mu­nen. Die be­trof­fe­nen Land­krei­se müss­ten 22 bis 27 Mil­lio­nen Eu­ro für die letzt­ge­nann­te Lö­sung in­ves­tie­ren. Laut Schür­mann wür­de dies zu ei­ner Fahr­gast­stei­ge­rung um 40 Pro­zent füh­ren. In ei­nem nächs­ten Schritt müss­te der Kreis Ge­sprä­che mit an­de­ren Pla­nungs­trä­gern auf­neh­men. „Wir müs­sen mit dem Die­sel­lochSze­na­rio hau­sie­ren ge­hen“, sag­te Kreis­rat Tho­mas Kug­ler (CDU). Die Fi­nan­zie­rung ist noch nicht ge­klärt. „Wir müs­sen uns das leis­ten“, fand Kreis­rat Klaus Bur­ger (CDU). Er schlug zu­dem vor, im Ar­beits­kreis Ver­kehr vor­zu­schla­gen, ein Pi­lot­pro­jekt zur Ein­füh­rung von Hy­bridfahr­zeu­gen vor­zu­schla­gen. „Aus un­se­rer Sicht muss das Land in die Er­tüch­ti­gung der Nah­ver­kehrs­stre­cken ein­stei­gen“, so Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le. Da­für müss­te ein Pos­ten „In­fra­struk­tur­pa­ket“in die Kreis­haus­hal­te ein­ge­stellt wer­den. „Bei uns ren­nen Sie mit der Idee of­fe­ne Tü­ren ein“, so Grü­nen-Kreis­rä­tin Su­san­ne Scham. Jo­han­nes Kret­sch­mann (Grü­ne) woll­te wis­sen, wie es um ei­nen Ver­kehrs­pla­ner für den Kreis steht, der das wei­te­re Vor­ge­hen len­ken könn­te. „Wir ha­ben uns nicht ab­ge­spro­chen, aber es ist tat­säch­lich ei­ne sol­che Stel­le im Haus­halts­plan vor­ge­se­hen – wir tei­len sie uns mit dem Zollernalbkreis“, so Bürk­le. Die Stel­le sei be­reits be­setzt.

FO­TO: KÄSTLE/DPA

Die Elek­tri­fi­zie­rung der Schie­ne im Kreis Sig­ma­rin­gen muss wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den. Der Kreis droht sonst, ab­ge­hängt zu wer­den.

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