Kreis be­tei­ligt sich am Han­del mit Öko­punk­ten

Ge­sell­schaft ist laut Wil­fried Fran­ke kar­tell­recht­lich un­be­denk­lich

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Der Land­kreis Sig­ma­rin­gen wird sich an ei­ner Ein­kaufs­ge­mein­schaft zum Kauf und Ver­kauf von Öko­punk­ten be­tei­li­gen. Das hat der Kreis­tag in sei­ner Sit­zung am Mon­tag be­schlos­sen. Bei sechs Ge­gen­stim­men und zwei Ent­hal­tun­gen stimm­ten 20 Kreis­rä­te für den Bei­tritt zur so­ge­nann­ten „Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben Gm­bH“(Re­ko).

Der Kreis in­ves­tiert ei­ne Ka­pi­tal­rück­la­ge in Hö­he von 90 000 Eu­ro und kauft 4167 Ge­schäfts­an­tei­le zu je ei­nem Eu­ro. Mit­glied sind bis­lang 14 Ge­mein­den aus zwei Land­krei­sen, 35 wei­te­re ha­ben In­ter­es­se be­kun­det. Der Kreis Sig­ma­rin­gen war bis­lang nur in ge­rin­gem Ma­ße aus­gleichs­maß­nah­men­pflich­tig. Die Kreis­ver­wal­tung nimmt je­doch an, dass mit dem Neu­bau der Ber­tha-Benz-Schu­le grö­ße­re Aus­gleichs­maß­nah­men nö­tig wer­den. Auch für den Bau der bis­lang nur ge­plan­ten Nord­tras­se bräuch­te der Kreis zig Mil­lio­nen Öko­punk­te. Der Kreis ist zwar nicht Stra­ßen­bau­last­trä­ger, hat aber gro­ßes In­ter­es­se dar­an, dass die Pla­nun­gen vor­an­schrei­ten. Soll­ten dem Bund die Öko­punk­te aus­ge­hen, will der Kreis ge­wapp­net sein.

Über die Vor­tei­le des Bei­tritts hat­te zu­vor Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor Wil­fried Fran­ke in sei­ner Funk­ti­on als Re­ko-Ge­schäfts­füh­rer in­for­miert. Er hat die Ge­sell­schaft vor drei Jah­ren ge­grün­det, seit­her flo­riert das Ge­schäft mit den Öko­punk­ten, die als Art Aus­gleich für bei­spiels­wei­se Bau­vor­ha­ben zu­guns­ten der Na­tur die­nen – die Hö­he va­ri­iert je nach In­ten­si­tät des Ein­griffs. Zur Kom­pen­sa­ti­on von Ein­grif­fen kön­nen Öko­punk­te er­wor­ben und ver­kauft wer­den, die bei­spiels­wei­se der Re­na­tu­rie­rung ei­nes Moo­res die­nen, um lang­fris­tig Frei­räu­me für Flo­ra und Fau­na zu si­chern und Flä­chen zu „ver­edeln“, wie Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le sag­te. Die­se müs­sen nicht in un­mit­tel­ba­rer Um­ge­bung der Bau­maß­nah­me er­fol­gen, son­dern kön­nen auch in ei­nem an­de­ren Land­kreis statt­fin­den. Re­ko kauft die Punk­te güns­tig ein und ver­kauft sie teu­rer. In­ner­halb der Gm­bH könn­ten sich laut Fran­ke al­le Ge­sell­schaf­ter aus­tau­schen, statt sich selbst auf dem frei­en Markt „zu ka­ni­ba­li­sie­ren“. Für die Be­tei­lig­ten sei dies prak­tisch, denn es wer­de im­mer schwe­rer, an die ge­wünsch­ten Punk­te her­an­zu­kom­men. Durch die Mit­glied­schaft hät­ten die Be­tei­lig­ten wich­ti­ges In­si­der­wis­sen, bei­spiels­wei­se da­hin­ge­hend, wann wo wie vie­le Öko­punk­te zum Ver­kauf ste­hen. Die Gm­bH ar­bei­te nicht ge­winn­ori­en­tiert. Den­noch hat Re­ko bis­lang je­des Ge­schäfts­jahr mit Ge­winn ab­ge­schlos­sen, der auch aus­ge­schüt­tet wer­den kann oder re­inves­tiert wird.

Durch die Ver­zin­sung der Punk­te zu drei Pro­zent wird ein Mehr­wert ge­ne­riert. Mit die­sem sol­len auch wei­te­re Flä­chen ge­si­chert und ent­wi­ckelt wer­den. Die Ver­wal­tung der Punk­te über­nimmt die Flä­chen­agen­tur Ba­den-Würt­tem­berg als Di­enst­leis­ter. Die Gm­bH wird oh­ne Per­so­nal ge­führt. Künf­tig soll es ei­nen Auf­sichts­rat ge­ben, in dem auch ein Ver­tre­ter der Land­krei­se sitzt.

Auf­grund der Knapp­heit der Aus­gleichs­flä­chen so­wie zu­neh­men­der Ein­grif­fe in die Na­tur wird der Preis für die Öko­punk­te stei­gen. Ei­ne Be­tei­li­gung an Re­ko sieht der Kreis als Ka­pi­tal­an­la­ge. „Ich weiß, was auf dem Markt geht“, sag­te Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le, die die Mit­glied­schaft be­für­wor­te­te. Das Ka­pi­tal sei nicht ver­nich­tet, son­dern wer­de um­ge­wan­delt. Kreis­rat Lothar Braun­Kel­ler (Grü­ne) sprach von ei­ner „macht­be­stim­men­den Wir­kung in der Re­gi­on“und frag­te nach der kar­tell­recht­li­chen Stand­haf­tig­keit von Re­ko. Wil­fried Fran­ke be­jah­te und ver­wies auf die Rechts­auf­sichts­be­hör­de, wel­cher die Gm­bH un­ter­steht. Es sei au­ßer­dem nicht Sinn von Re­ko, dass Pacht­ver­trä­ge land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen ge­kün­digt wür­den, um an Öko­punk­te zu kom­men.

Kreis­rat Jo­han­nes Kret­sch­mann (Grü­ne) woll­te sich ver­si­chern, dass es sich bei Re­ko nicht um ei­nen „Fei­gen­blat­thänd­ler“han­delt, der Ein­grif­fe in die Na­tur bil­li­ger und schnel­ler um­setz­bar ma­che. „Es ist sinn­voll, Öko­lo­gie und Öko­no­mie durch Han­del zu­sam­men­zu­füh­ren, aber nur un­ter Ge­währ­leis­tung des Na­tur­schut­zes.“Karl Spring­ind­sch­mit­ten (Freie Wäh­ler) frag­te: „Will ich die Maß­nah­men von hier im Raum Bo­den­see-Ober­schwa­ben aus­ge­gli­chen se­hen?“Fran­ke sag­te, es sei markt­wirt­schaft­lich sinn­vol­ler, den Ein­kauf von Punk­ten mit­zu­steu­ern als „ab­ge­zockt“zu wer­den.

FO­TO: ARCHIV

Öko­punk­te sol­len Aus­gleich für Bau­maß­nah­men schaf­fen. Der Kreis Sig­ma­rin­gen han­delt nun auch mit den Punk­ten.

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