Bürsch­chen wird Chef

Ha­san Sa­lih­a­mi­džic wird Sport­di­rek­tor des FC Bay­ern – Au­ser­wähl­ter im drit­ten An­lauf

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SPORT - Von Patrick Stras­ser

MÜNCHEN - Bei­fall bran­de­te auf nach der kur­zen Re­de des Neu­en, des alt­be­kann­ten Neu­en. Ha­san Sa­lih­a­mi­džic rich­te­te am Mon­tag­nach­mit­tag in der Ka­bi­ne an der Sä­be­ner Stra­ße ein paar Wor­te an die Mann­schaft, der er nun als Sport­di­rek­tor vor­steht. „Sehr po­si­tiv“hät­ten die Spie­ler re­agiert, be­rich­te­te er ver­gnügt, „ich ken­ne ja al­le“. Und sie ihn.

Ihn, den Braz­zo, das „Bürsch­chen“, so sein Spitz­na­me. Aus­ge­stat­tet mit ei­nem Ver­trag bis 30. Ju­ni 2020.

Seit Ja­nu­ar war der 40-Jäh­ri­ge Bot­schaf­ter des Ver­eins, nun Sport­di­rek­tor – so schnell kann es ge­hen. „Bei Ha­san ist je­des Glas im­mer halb­voll“, er­klär­te Karl-Heinz Rum­me­nig­ge und ver­riet da­mit nicht die Trink­ge­wohn­hei­ten, son­dern das Selbst­ver­ständ­nis des Job-No­vi­zen. Bay­erns Vor­stands­boss hat ge­nau be­ob­ach­tet: „Auf un­se­rer Asi­en-Rei­se war Ha­san wohl der Ein­zi­ge, der im­mer gu­te Lau­ne hat­te.“Al­so schlug er den Mann Prä­si­dent Uli Ho­en­eß vor – und bin­go. Schließ­lich war es Ho­en­eß, der den jun­gen Kerl ab Be­ginn sei­ner Spie­ler­kar­rie­re in München 1998 im­mer sehr ge­schätzt hat. „Al­le lob­ten ihn. Ich ha­be ei­ne Nacht dar­über ge­schla­fen und dann hat es Klick ge­macht“, be­rich­te­te Ho­en­eß. Sa­lih­a­mi­džic prä­sen­tier­te die Mar­ke Braz­zo so per­fekt, dass er schnell be­för­dert wur­de.

Nicht Phil­ipp Lahm, nicht Max Eberl – der Au­ser­wähl­te im drit­ten An­lauf ist al­so Sa­lih­a­mi­džic. Nur drit­te Wahl als Nach­fol­ger von Mat­thi­as Sam­mer? Seit des­sen Ab­schied im Ju­li 2016 war der Pos­ten va­kant. Für den Neu­en „kein Pro­blem“, für die Bos­se der An­lass ei­ni­ges klar­zu­stel­len: „Die Tür für Phil­ipp steht wei­ter auf, aber Ha­san ist nicht der Platz­warm­hal­ter für Phil­ipp“, so Rum­me­nig­ge. Und Ho­en­eß sag­te: „Lahm und Eberl wa­ren die Ein­zi­gen, mit de­nen wir uns wirk­lich be­schäf­tigt ha­ben. Mit Max Eberl ha­be ich sehr sym­pa­thi­siert. Aber jetzt bin ich mit der Lö­sung sehr, sehr zu­frie­den.“Mit der Lö­sung blu­ti­ger, aber wis­sund er­folgs­be­gie­ri­ger An­fän­ger. Hat nicht auch Ho­en­eß nach dem ver­let­zungs­be­ding­ten En­de sei­ner Lauf­bahn 1979 das Job­pro­fil des Bun­des­li­ga-Ma­na­gers er­fun­den? Sol­che (Hel­den-)Ge­schich­ten lie­ben sie an der Sä­be­ner Stra­ße. Phö­nix aus der Asche.

Oder von ganz un­ten nach ganz oben. Wäh­rend des Bos­ni­en­kriegs 1992 schick­ten die El­tern den da­mals 15-jäh­ri­gen Sa­lih­a­mi­džic zu Ver­wand­ten nach Ham­burg. Al­lei­ne. Er kam in die Ju­gend­ab­tei­lung des HSV, setz­te sich durch. Wur­de Pro­fi. Dann: Neun Jah­re FC Bay­ern, vier Jah­re Ju­ven­tus, zum En­de der Kar­rie­re VfL Wolfs­burg. Spä­ter Un­ter­neh­mer, ZDF-Ex­per­te, Mar­ken­bot­schaf­ter. Fünf Jah­re kickt er schon nicht mehr. Er golft jetzt. Künf­tig nicht mehr so oft. „Ich wer­de 24 St­un­den, sie­ben Ta­ge die Wo­che für die Spie­ler da sein“, sag­te Sa­lih­a­mi­džic, „es ist ein Traum­job, mir war so­fort klar, dass ich das ma­chen möch­te.“Sein Vor­teil: „Ich ken­ne Bay­ern, al­le Struk­tu­ren im Club.“Sei­ne Ein­stel­lung ist sein Bo­nus: „Ich ha­be als Spie­ler im­mer 100 Pro­zent ge­ge­ben, das will ich nun auch als Sport­di­rek­tor. Leis­tung brin­gen. Gas ge­ben.“Noch ganz der Spie­ler.

„Kein Auf­pas­ser für An­ce­lot­ti“

„Bin­de­glied“soll Sa­lih­a­mi­džic sein, so Rum­me­nig­ge. Zwi­schen dem Vor­stands­boss, dem er un­ter­stellt ist, und et­wa Ka­der­pla­ner Micha­el Reschke, des­sen Vor­ge­setz­ter er nun ist. Der Neue soll bei Spie­len auf der Bank und bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit am Tisch sit­zen. Ho­en­eß schrieb ihm hin­ter die Oh­ren: „Man muss vor dem Spiel, in der Pau­se, nach dem Spiel in der Ka­bi­ne sein. In die­sem Ge­schäft muss man vie­le Din­ge aus dem Bauch her­aus ent­schei­den.“Le­arning by do­ing.

Da­mit aus dem Bürsch­chen bald ein Herr Sport­di­rek­tor wird. Nicht oh­ne Druck. Den gab es ne­ben viel Ho­nig na­tür­lich auch von Ho­en­eß. „Es ist ei­ne ex­trem wich­ti­ge Po­si­ti­on. Wir brau­chen ei­nen Mann, der das Ver­trau­en der Fans und un­ser Ver­trau­en hat, ei­ne gu­te Stim­mung schafft“, sag­te der Prä­si­dent. Denn: „Der FC Bay­ern muss ei­nen neu­en Weg fin­den. Zu­rück zu den Wur­zeln, wir müs­sen un­ser neu­es Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum for­cie­ren.“

Rum­me­nig­ge be­ton­te dann noch: „Er ist kein Auf­pas­ser für Car­lo An­ce­lot­ti, aber je­mand, der eben bei je­dem Trai­ning ist.“Je­ner An­ce­lot­ti re­agier­te auf die Ver­pflich­tung sei­nes Nicht-Auf­pas­sers am Mon­tag ähn­lich wie Wo­chen zu­vor auf die An­kunft sei­nes neu­en Co-Trai­ners und Nicht-Auf­pas­sers Wil­ly Sa­gnol. „Es hat letz­te Sai­son nichts ge­fehlt. Wir wer­den gut zu­sam­men­ar­bei­ten und er wird ver­su­chen, die Mann­schaft zu ver­bes­sern.“

FO­TO: DPA

Wie im­mer gut ge­launt: Ha­san Sa­lih­a­mi­džic bei sei­ner Vor­stel­lung am Mon­tag.

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