„Ver­ein muss man le­ben“

Hu­bert Ap­pen­mai­er ist seit 40 Jah­ren Mit­glied des Mu­sik­ver­eins Tett­nang

Schwaebische Zeitung (Tettnang) - - TETTNANG - Von An­ge­la Schnei­der

TETT­NANG – Auf­zäh­len, was Hu­bert Ap­pen­mai­er schon al­les für sei­nen Ver­ein ge­tan hat? Un­mög­lich. Er hat­te in 40 Jah­ren vie­le ver­schie­de­nen Äm­ter in­ne: Uni­form- und Zeug­wart, Bei­sit­zer, seit 1991 Vi­ze­di­ri­gent, auch zehn Jah­re lang Vor­sit­zen­der war er. Ins­ge­samt drei­mal hat er als Di­ri­gent die mu­si­ka­li­sche Lei­tung über­nom­men, als die Stadt­ka­pel­le oh­ne da­stand. „Er ist im­mer da, wenn wir ihn brau­chen“, lau­tet in Dan­kes­re­den dann die üb­li­che Flos­kel, und gut mög­lich, dass die­ser Satz auch in sei­ner Lau­da­tio am Sams­tag, wenn Hu­bert Ap­pen­mai­er für 40 Jah­re Mit­glied­schaft im Mu­sik­ver­ein aus­ge­zeich­net wird, fällt. Aber was heißt das denn nun?

„Ver­ein muss man le­ben, sonst kann man es gleich ganz blei­ben las­sen“, sagt Hu­bi, wie ihn al­le im Ver­ein nen­nen, gern. Er ist ein Ma­cher. Klar packt er an. Baut auf, baut ab, fährt Trak­tor oder Stap­ler, schafft was weg. Bud­delt höchst­selbst auf dem ei­ge­nen Acker die Kar­tof­feln aus, aus de­nen die Stadt­ka­pel­le dann 80 Ki­lo Kar­tof­fel­sa­lat zum Ver­kauf beim Bähn­les­fest macht. Aber er kann auch das an­de­re, näm­lich pla­nen, or­ga­ni­sie­ren, den gro­ßen Rah­men im Blick be­hal­ten. Ide­en ent­wi­ckeln und sie mit gu­tem Ge­spür für das Mach­ba­re um­set­zen. Er ist sich für nichts zu scha­de, gleich­zei­tig steht er auch ger­ne vor­ne dran, im Ram­pen­licht. Und er hat ei­ne her­aus­ra­gen­de Fä­hig­keit, die al­le so­fort zu spü­ren be­kom­men, die mit ihm zu tun ha­ben: Er ist ver­läss­lich und möch­te, dass es al­len gut geht. Ei­gent­lich ist das nicht bloß ei­ne Fä­hig­keit. Es ist ei­ne Ei­gen­schaft, die Hu­bert Ap­pen­mai­ers Per­sön­lich­keit grund­le­gend aus­macht und da­zu führt, dass er dem Ver­ein so un­ge­heu­er frei­gie­big zu­kom­men lässt, was er hat.

Wenn es al­len gut geht, geht es ihm auch gut

Sei­ne Ver­eins­ka­me­ra­den, von de­nen vie­le in­zwi­schen selbst Fa­mi­lie ha­ben, und auch die Pa­pas des Stadt­ka­pel­len-Nach­wuch­ses, die sel­ber gar nicht im Ver­ein ak­tiv sind, kön­nen da­von ein Lied mit vie­len Stro­phen sin­gen. Vor sie­ben Jah­ren hat Ap­pen­mai­er die „Va­ter-Kind-Hüt­te“ins Le­ben ge­ru­fen. Seit­her rei­sen Vä­ter und Kin­der in wach­sen­der An­zahl ein­mal im Jahr ins Vor­arl­ber­gi­sche in die Som­mer­fri­sche, und für vie­le der Kin­der sind die­se Ta­ge ein ab­so­lu­ter Hö­he­punkt des Jah­res. Küm­me­rer und Kü­chen­chef: Hu­bert Ap­pen­mai­er. Das ist nur ei­nes von vie­len Bei­spie­len, an de­nen sich fest­ma­chen lässt, was den Hu­bi so um­treibt. Er hat ei­ne neue Idee für sei­nen Ver­ein, er setzt sie um. Er bleibt dran. Er zieht an­de­re mit, spannt sie ein, schafft Be­geg­nung und Ge­mein­schafts­ge­fühl. Wenn es al­len gut geht, geht es ihm auch gut.

Na­tür­lich hat Ap­pen­mai­er in 40 Jah­ren enor­me Men­gen an Zeit für den Ver­ein auf­ge­bracht. Den­noch gibt es zwei wei­te­re Din­ge in sei­nem Le­ben, um die er sich eben­so in­ten­siv küm­mert. Sei­ne Fa­mi­lie steht für ihn an ers­ter Stel­le. Frau Ka­rin und Sohn Max, und dann auch die ei­ge­nen El­tern und Ge­schwis­ter, sind so­zu­sa­gen sein zwei­tes Le­bens­stand­bein. Und er hat ei­ne drit­te Lei­den­schaft: Sein Stück Land mit ei­nem Ge­mü­se­acker und Obst­bäu­men ober­halb sei­nes Ho­fes in Neu­häus­le. Dort baut er Ge­mü­se zum Sel­ber­ern­ten an und vor al­lem auch Kräu­ter, die er sorg­fäl­tig zu­sam­men mit Ka­rin zu Tees und Heil­mit­teln ver­ar­bei­tet. Da­zu hat er sich in vie­len Jah­ren enor­mes Wis­sen an­ge­eig­net und sich wei­ter­ge­bil­det.

Ar­beit hät­te der ge­lern­te Ban­kund Ver­si­che­rungs­kauf­mann, der in­zwi­schen bei ei­ner Bank als Ver­trieb­s­coach ar­bei­tet, ei­gent­lich mehr als ge­nug. Aber drau­ßen auf dem Acker zu sein, den ei­ge­nen Hof­la­den mit selbst er­zeug­ten Pro­duk­ten um­zu­trei­ben, bringt ihm eben auch Ent­span­nung und Be­frie­di­gung, macht den Kopf frei und führt im­mer mehr zu der Ge­las­sen­heit, oh­ne die es nicht geht, drei so wich­ti­ge Her­zens­an­ge­le­gen­hei­ten aus­ge­wo­gen zu le­ben.

Das Herbst­kon­zert in der Stadt­hal­le am Sams­tag, 18. No­vem­ber, be­ginnt um 19.30 Uhr mit dem Ju­gend­blas­or­ches­ter der Mu­sik­schu­le. Die Stadt­ka­pel­le spannt un­ter der Lei­tung ih­res neu­en Di­ri­gen­ten Ju­li­an Bu­cher an­schlie­ßend ei­nen mu­si­ka­li­schen Bo­gen von Ost nach West, von klas­sisch nach mo­dern. Als be­son­de­re Gäs­te kom­men die Sän­ge­rin­nen des Frau­en­chors „Al­le­gro“un­ter der Lei­tung von El­ke Sorg auf die Büh­ne.

FO­TO: AN­GE­LA SCHNEI­DER

Hu­bert Ap­pen­mai­er beim Wunsch­kon­zert im April – sou­ve­rän lei­tet er die Stadt­ka­pel­le, bis ein neu­er Di­ri­gent ge­fun­den ist.

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