Schwaebische Zeitung (Tettnang)

So fin­det man den rich­ti­gen Na­men für das Tier

Da­mit Hund oder Kat­ze auf den Na­men hö­ren, soll­te er nicht zu lang sein – und un­miss­ver­ständ­lich

- Von Fa­bi­an Busch Lifestyle · Good News · Pets · Mainz · Australian · Heart · Goofy · Karin Schöning · Johannes Gutenberg University of Mainz · Verband für das Deutsche Hundewesen

Ham­burg/Mainz (dpa) - Sie kön­nen klas­sisch sein wie bei Kat­ze Lil­ly oder iro­nisch klin­gen wie beim klei­nen Mops, der Her­ku­les heißt: Bei Ti­er­na­men sind der Fan­ta­sie kei­ne Gren­zen ge­setzt, und kein Stan­des­amt kann ein Ve­to ein­le­gen. Doch wie fin­den Hal­ter den rich­ti­gen Na­men? Und wie bringt man dem Tier bei, dar­auf zu hö­ren?

Wer ei­nen Hun­de­wel­pen beim Züch­ter kauft, be­kommt häu­fig schon ei­nen Na­men mit auf den Weg. Der be­steht aus zwei Tei­len: Al­le Tie­re ei­nes Wur­fes be­kom­men In­di­vi­dual­na­men, die in der Re­gel mit dem glei­chen Buch­sta­ben an­fan­gen. Wer zum ers­ten Mal züch­tet, ver­teilt nur Na­men mit An­fangs­buch­sta­be A, spä­ter fol­gen dann der B- und der CWurf und so wei­ter. Hin­zu kommt der Na­me des Zwin­gers – wie ein Fa­mi­li­en­na­me.

Al­ler­dings sind die Na­men, die in den Pa­pie­ren ei­nes Ras­se­hun­des ste­hen, in der Re­gel nicht ge­ra­de all­tags­taug­lich. „Das sind sehr schö­ne, wohl­klin­gen­de Na­men, die aber in den sel­tens­ten Fäl­len auch die Ruf­na­men des Hun­des wer­den“, sagt Pe­tra Cas­pel­herr, beim Ver­band für das Deut­sche Hun­de­we­sen (VDH) ver­ant­wort­lich für das The­ma Zucht. Ihr ei­ge­ner Aus­tra­li­an She­pherd heißt zum Bei­spiel mit of­fi­zi­el­lem Na­men „Black Heart of Nas­ha­gak Ri­ver“, doch ge­ru­fen wird er Goo­fy.

Na­tür­lich kön­nen Käu­fer ei­nen ei­ge­nen Na­men für den Wel­pen aus­wäh­len. „Er soll­te sich gut ru­fen las­sen und für den Hund nach­voll­zieh­bar sein“, sagt Pe­tra Cas­pel­herr. Sie rät zu zwei­sil­bi­gen Na­men, weil man die­se schnel­ler aus­spre­chen kann als drei- oder gar vier­sil­bi­ge.

Zu­dem soll­te man Miss­ver­ständ­nis­se oder Ver­wir­rung ver­mei­den – die kön­nen zum Bei­spiel ent­ste­hen, wenn der Na­me des Hun­des ähn­lich klingt wie der ei­nes Fa­mi­li­en­mit­glieds. Bel­lo und Ben­no in ei­nem Haus­halt? Kei­ne gu­te Idee.

Auch ein Na­me, der sich an­hört wie ein Straf­wort, ist we­nig sinn­voll. „Ein Hund mit dem Na­men Hei­ni, der oft ein Nein hört, kann even­tu­ell Pro­ble­me be­kom­men“, er­klärt Bar­ba­ra Schö­ning. Sie ist Fach­tier­ärz­tin für Ver­hal­tens­kun­de und Tier­schutz in Ham­burg so­wie Vor­sit­zen­de der Ge­sell­schaft für Tier­ver­hal­tens­me­di­zin und -the­ra­pie. „Wenn es für den Hund an­ge­nehm sein soll, dar­auf zu re­agie­ren, soll­te der Na­me nicht mit ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen ver­knüpft sein.“Ei­nem Haus­tier ei­nen Na­men zu ge­ben, ist nicht nur ein emo­tio­na­ler Akt – denn wenn es sich da­mit zu sich ru­fen lässt, hat das auch ei­nen prak­ti­schen Nut­zen. Das funk­tio­niert mit ein biss­chen Trai­ning nicht nur bei Hun­den, son­dern auch bei Kat­zen, Ka­nin­chen, Na­ge­tie­ren und Vö­geln. „Je­des Tier kann ler­nen, auf sei­nen Na­men zu hö­ren“, sagt Ver­hal­tens­ex­per­tin Bar­ba­ra Schö­ning.

Üben las­se sich das zum Bei­spiel so: Man spricht ein Tier mit dem Na­men an und strei­chelt es. „Wich­tig ist, dass das Tier ent­spannt ist und kei­ne Angst vor Kon­takt und Be­rüh­rung hat“, er­klärt Schö­ning. Bei Vö­geln kann es sinn­voll sein, statt mit Be­rüh­run­gen zum Bei­spiel mit Fut­ter zu ar­bei­ten.

Er­lebt das Tier die Si­tua­ti­on, in der sein Na­me fällt, als an­ge­nehm, so ver­knüpft es den Na­men mit et­was Po­si­ti­vem. Hat man auf die­se Art ein paar Mal trai­niert, wird das Tier schon bald dar­auf re­agie­ren, wenn man den Na­men sagt. Dann wird es den Men­schen an­schau­en oder auch zu ihm kom­men. Die­ses Ver­hal­ten lässt sich am An­fang mit et­was Fut­ter zu­sätz­lich be­loh­nen.

Da­ma­ris Nüb­ling ist Pro­fes­so­rin für His­to­ri­sche Sprach­wis­sen­schaft des Deut­schen an der Uni­ver­si­tät Mainz und be­schäf­tigt sich seit dem Jahr 2012 im­mer wie­der wis­sen­schaft­lich mit dem The­ma. Zu­nächst hat­ten ih­re Stu­die­ren­den sie dar­auf auf­merk­sam ge­macht, und Nüb­ling griff die An­re­gung ger­ne auf. Schließ­lich ver­ra­ten Na­men viel über den mensch­li­chen Um­gang mit

Tie­ren. „Nach dem, was wir wis­sen, wa­ren Rin­der und Pfer­de die ers­ten Tie­re, die Na­men be­ka­men. Sie wa­ren Ar­beits­tie­re, de­nen man Be­feh­le gab und um de­ren Wohl­be­fin­den man sich küm­mern muss­te“, er­klärt Nüb­ling. Hun­de und Kat­zen da­ge­gen tru­gen noch vor 100 Jah­ren häu­fig gar kei­ne Na­men – zu­min­dest wenn sie nicht in den Räu­men von Ade­li­gen leb­ten, son­dern auf Hö­fen und Fel­dern um­her­streun­ten.

Als auch Hun­de und Kat­zen Na­men er­hiel­ten, spiel­ten die­se zu­nächst auf ih­re Kör­per­form, Ras­se oder Fell­far­be an. Spä­ter ha­be es ein gan­zes In­ven­tar ty­pi­scher Ti­er­na­men ge­ge­ben wie Lum­pi, Fif­fi oder Rex für Hun­de.

Da­ma­ris Nüb­ling, Pro­fes­so­rin für His­to­ri­sche Sprach­wis­sen­schaft des Deut­schen an der Uni­ver­si­tät Mainz

„Heu­te be­kom­men Hun­de häu­fig mensch­li­che Na­men – auch sol­che, die an­sons­ten an Ba­bys ver­ge­ben wer­den“, sagt Nüb­ling. Das sa­ge viel aus über die Mensch-Tier-Be­zie­hung und ei­nen tief­grei­fen­den ge­sell­schaft­li­chen Wan­del: „Wir do­cken den Hund an die Fa­mi­lie an.“

Men­schen­na­men wie Paul, Em­ma, Car­lo, Os­kar, Leo, Mo­ritz, Ma­rie, Ju­li­us, Hen­ry oder Lud­wig sind in­zwi­schen bei vie­len Tier­ar­ten be­liebt. An man­che Tie­re – wie zum Bei­spiel Ka­nin­chen – wer­den sie aber sel­te­ner ver­ge­ben als an Hun­de und Kat­zen.

An Ka­nin­chen­na­men las­se sich ab­le­sen, dass sie noch stark als Tie­re für Kin­der wahr­ge­nom­men wer­den. Oft hei­ßen sie Hop­pel­chen, Krü­mel oder Flo­cke. Das Ge­schlecht des Tie­res las­se sich dar­an häu­fig kaum er­ken­nen, spie­le für Kin­der aber auch kaum ei­ne Rol­le, sagt Nüb­ling.

„Rin­der und Pfer­de wa­ren die ers­ten Tie­re, die Na­men be­ka­men.“

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FO­TO: CHRISTIN KLOSE/DPA Hun­de be­kom­men oft mensch­li­che Na­men: Das zeigt, wie eng die Tier-Mensch-Be­zie­hung ge­wor­den ist.

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