Her­zo­gen­wei­her wur­de ab­ge­las­sen

Bei Sa­nie­rung soll mög­lichst viel Schlamm aus dem Wei­her ent­fernt wer­den.

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BETHLEHEM STATT LUMMERLAND - Von Me­la­nie Kräu­ter

AMT­ZELL - Seit vie­len Jah­ren ist die Sa­nie­rung des Her­zo­gen­wei­hers in Amt­zell schon The­ma. Jetzt wur­de ein ers­ter Teil um­ge­setzt. Ziel der Sa­nie­rung ist es, zu ver­hin­dern, dass der Wei­her ver­lan­det, ver­schlammt oder ver­trock­net – je nach­dem, wie man es nen­nen will. Fakt ist, dass sich über vie­le Jahr­zehn­te hin­weg zu viel Schlamm in dem Wei­her ab­ge­setzt hat, der lang­fris­tig das Öko­sys­tem zer­stö­ren kann. Auch die Ge­fahr ei­nes Damm­bruchs se­hen Fach­leu­te seit vie­len Jah­ren.

Nun wur­de die „gro­ße Lö­sung“an­ge­gan­gen, und man hat das ers­te Mal „ge­re­gelt den Wei­her ab­ge­las­sen“, wie Amt­zells Orts­bau­meis­ter Gün­ter Hal­der er­klärt. Von Früh­jahr bis Ok­to­ber hat­ten die Vor­be­rei­tun­gen da­für ge­dau­ert. Die Ge­mein­de, der der Wei­her nicht ge­hört, die aber für den Un­ter­halt ver­ant­wort­lich ist, hat­te zu­vor ei­ne an­gren­zen­de Grün­flä­che ei­nes Land­wirts ge­kauft. Auf die­ser Flä­che wur­de ein 3000 Qua­drat­me­ter gro­ßes Ab­setz­be­cken aus­ge­ho­ben, ein Gr­a­ben führt vom Wei­her in die­ses Be­cken.

Hun­dert Zu­schau­er beim ers­ten Ab­las­sen des Wei­hers

Nach­dem ei­ne Bau­stra­ße an­ge­legt war, wur­de was­ser­sei­tig ein so­ge­nann­tes Mönch­bau­werk er­stellt, wel­ches Vor­aus­set­zung für das ge­re­gel­te Ab­las­sen des Was­sers ist. Land­sei­tig ha­be man dann noch ein Stahl­be­ton­bau­werk er­stellt, in wel­ches Fisch­käs­ten pas­sen. Da­mit wur­den in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Fi­sche­rei­ver­ein Wan­gen die Fi­sche so­zu­sa­gen beim Ab­las­sen aus dem Wei­her her­aus­ge­fil­tert und vor­über­ge­hend in an­de­re Ge­wäs­ser um­ge­sie­delt (sie­he Kas­ten).

Über das Mönch­bau­werk und ei­ne Art Schie­be­reg­ler wur­de dann im Ok­to­ber be­gon­nen, kon­trol­liert das Was­ser ab­zu­las­sen. „Als wir an­ge­fan­gen ha­ben, wa­ren rund Hun­dert Zu­schau­er da“, er­in­nert sich Hal­der. Al­le, vor al­lem die Fi­scher, hät­ten wis­sen wol­len, wel­che Fi­sche denn da aus dem Wei­her zum Vor­schein kom­men.

In­ner­halb meh­re­rer Wo­chen füll­te sich dann das Ab­setz­be­cken nun mit 2000 Ku­bik­me­tern Schlamm. „Das hat al­le Er­war­tun­gen über­trof­fen“, sagt Hal­der. Im Vor­feld ha­be man noch dis­ku­tiert, ob das Ab­setz­be­cken wirk­lich so groß sein muss. „Jetzt ist es eher zu klein“, sagt Hal­der. Die Freu­de ist groß, dass man beim ers­ten Durch­gang schon so viel Schlamm aus dem Wei­her ho­len konn­te. Aber es ste­hen noch ei­ni­ge Durch­gän­ge be­vor. Denn das Ziel sei, „ei­nen gro­ßen An­teil des Schlamms aus dem Wei­her raus­zu­krie­gen“. Man dür­fe sich aber auch nicht vor­ma­chen, dass man 85 Pro­zent des Schlamms aus dem Wei­her be­kom­me.

Nun müs­sen erst­mal die 2000 Ku­bik­me­ter „Se­di­men­ta­ti­ons­schlamm“ab­trans­por­tiert wer­den, dann kann die nächs­te Run­de „Wei­her ab­las­sen“er­fol­gen. Wenn es gut läuft, soll das noch­mal En­de des Jah­res oder An­fang des neu­en Jah­res pas­sie­ren, sagt Hal­der. Dann soll der Wei­her auch erst­mal leer blei­ben, da­mit er ein oder zwei Mo­na­te „win­tern“kann, sprich der Wei­her­bo­den soll ge­frie­ren. Da­bei bil­de sich „wert­vol­ler Schlamm“, er­klärt Tho­mas Bernhard vom Fi­sche­rei­ver­ein Wan­gen. Ähn­li­ches soll auch im Som­mer pas­sie­ren, dann soll der Wei­her­bo­den aus­trock­nen.

Maß­nah­me soll al­le paar Jah­re wie­der­holt wer­den

Das Ab­senk­be­cken soll auch in den nächs­ten Jah­ren be­ste­hen blei­ben, denn al­le paar Jah­re müss­te der Her­zo­gen­wei­her wie­der ab­ge­las­sen wer­den. „Auch un­se­re Nach­fol­ger sol­len das noch ma­chen“, sagt Hal­der. Da­zwi­schen, wenn das Be­cken nicht ge­nutzt wer­de, wer­de dort Gras wach­sen, sagt Hal­der. Dann sei es qua­si ei­ne ganz nor­ma­le Wie­se.

Der Orts­bau­meis­ter je­den­falls ist froh, dass die ers­te Run­de der Wei­her­sa­nie­rung so gut funk­tio­niert hat. Nach vie­len Jah­ren Über­le­gung, Pla­nung und dies­jäh­ri­ger Um­set­zung des Bau­vor­ha­bens kön­ne da­her von ei­nem „was­ser­wirt­schaft­li­chen Vor­zei­ge­vor­ha­ben im Be­reich Was­ser­bau und Was­ser­öko­lo­gie“ge­spro­chen wer­den.

Die Ge­samt­kos­ten für die Bau­maß­nah­me be­läuft sich auf rund 275 000 Eu­ro. Das Land Ba­den-Würt­tem­berg hat 85 Pro­zent da­von über­nom­men. Den Rest hat die Ge­mein­de Amt­zell ge­tra­gen.

FO­TO: GE­MEIN­DE

FO­TO: GE­MEIN­DE

Für die Sa­nie­rung des Her­zo­gen­wei­hers muss­te zu­erst ein Ab­setz­be­cken aus­ge­ho­ben und ein Gr­a­ben zum Wei­her ge­führt wer­den.

FO­TO: GE­MEIN­DE

Ein Blick auf den Her­zo­gen­wei­her nach­dem das meis­te Was­ser be­reits ge­re­gelt ab­ge­las­sen wur­de. Viel Schlamm wird sicht­bar.

FO­TO: GE­MEIN­DE

In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen war das 3000-Qua­drat­me­ter-Be­cken bis zum Rand mit 2000 Ku­bik­me­ter Se­di­men­ta­ti­ons­schlamm ge­füllt.

Je­de Men­ge Schlamm hat sich über die Jah­re hin­weg im Her­zo­gen­wei­her ge­sam­melt. Im ers­ten Durch­gang ist aber schon ei­ni­ges ab­ge­flos­sen.

FO­TO: GE­MEIN­DE

Auf die­sem Fo­to sieht man, wie sich der Wei­her wie­der mit et­was Was­ser ge­füllt hat. Es soll aber bald noch­mal ab­ge­las­sen wer­den.

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