In­te­gra­ti­on mit Far­be und Sche­re an BHS

Dem Kunst­pro­jekt der In­ter­na­tio­na­len Vor­be­rei­tungs­klas­se fehlt Geld.

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Von Su­si We­ber

WAN­GEN - Ein Jah­res­pro­jekt ist die Ju­gend­kunst­schu­le (Juks) Wan­gen im Fe­bru­ar an­ge­gan­gen. Ein Jah­res­pro­jekt für Flücht­lings­kin­der und an­de­re Kin­der mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Über die Kunst und die Krea­ti­vi­tät soll auf nie­der­schwel­li­ger Ebe­ne auch der Zu­gang zur Spra­che er­schlos­sen und das Selbst­wert­ge­fühl auf­ge­baut und ge­stärkt wer­den. Das Pro­jekt wird durch den Lan­des­ver­band der Kunst­schu­len Ba­den­Würt­tem­berg fi­nan­ziert und kommt der In­ter­na­tio­na­len Vor­be­rei­tungs­klas­se an der Ber­ger-Hö­he-Schu­le zu­gu­te.

Vor­mit­tag, letz­te Schul­stun­de: Es wu­selt im Raum. Far­be kommt ins Spiel: 14 Kin­der pin­seln hell­blau aufs bis da­to wei­ße Pa­pier. „Spä­ter kom­men Schlitt­schuh­läu­fer da­zu“, er­zählt Nicole Di­nand, frei­schaf­fen­de Künst­le­rin, Kunst­päd­ago­gin, Do­zen­tin der Ju­gend­kunst­schu­le – und in die­ser Funk­ti­on auch so ein biss­chen „die Frau Leh­re­rin“. Wer fer­tig ist, darf For­men in zu­sam­men­ge­klapp­tes Pa­pier schnei­den – und so­mit Ster­ne oder Schnee­flo­cken für die Klas­sen­zim­mer­fens­ter schaf­fen.

Al­les an­de­re als Mut­ter­spra­che

Zwei Din­ge sind den Kin­dern im Al­ter zwi­schen sechs und neun Jah­ren ge­mein: Al­le sind sie in der In­ter­na­tio­na­len Vor­be­rei­tungs­klas­se (IVK) und für al­le ist Deutsch al­les an­de­re als Mut­ter­spra­che. Die Dop­pel­stun­de Kunst ist Zu­satz­an­ge­bot zum „nor­ma­len“Un­ter­richt und frei­wil­lig. An Letz­te­rem zwei­felt nie­mand, der die Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit der Mäd­chen und Bu­ben er­lebt.

„Hier kön­nen sich Kin­der jen­seits der Spra­che aus­drü­cken“, sagt Nicole Di­nand. Me­reym ist ei­nes der „Vor­zei­ge­bei­spie­le“da­für. Die neun­jäh­ri­ge Bul­ga­rin kam vor sechs Mo­na­ten nach Wan­gen. „Sie sprach kein Wort Deutsch, als sie in un­se­re ers­te St­un­de be­such­te“, er­in­nert sich Di­nand.

Da­für konn­te sie et­was an­de­res und das sehr gut: zeich­nen. Di­nand: „Sie mal­te Tie­re, so­dass al­le an­de­ren ka­men – und so­fort mit ihr Kon­takt ha­ben woll­ten.“In­zwi­schen klappt es auch schon recht gut mit Deutsch. Zu­min­dest er­zählt sie, dass sie „viel Spaß mit dem Pro­jekt“ha­be. Und Freun­din Ell­za (9) über­setzt, was noch nicht so ein­fach aus­zu­drü­cken ist.

Seit Fe­bru­ar wird ge­wer­kelt, ge­malt, ge­schaf­fen – in un­ter­schied­li­cher Be­set­zung, weil die Kin­der mit ih­ren Fa­mi­li­en kom­men und ge­hen. Mit Tie­ren, dem Welt­raum, dem Herbst, Li­noldru­cken, ver­schie­de­nen Tech­ni­ken und vie­lem mehr hat sich das Pro­jekt bis­lang be­schäf­tigt. „Man­ches wird auch bei der Aus­stel­lung Kunst für al­le in der Bü­che­rei zu se­hen sein“, sagt Di­nand.

Das vom Lan­des­ver­band der Kunst­schu­len Ba­den-Würt­tem­berg ein­ge­setz­te Geld wird für die Do­zen­tin und Ma­te­ria­li­en ver­wen­det. Die Ju­gend­kunst­schu­le sorgt für die Ver­wal­tungs­ar­beit. Im Fe­bru­ar wird das Pro­jekt en­den. „Lei­der“, sagt Han­ne­lo­re Unger-Heil­mann vom Vor­stands­team der Juks. Und wei­ter: „Für uns selbst ist es ein­fach nicht fi­nan­zier­bar.“

Bis da­hin wer­den auch die hell­blau­en Bil­der voll­endet sein. „Und na­tür­lich schau­en wir uns in der kom­men­den Wo­che die Aus­stel­lung an“, sagt Nicole Di­nand. Ell­za, Me­reym und all‘ die an­de­ren wer­den dann nicht nur Gäs­te, son­dern auch Künst­ler der Bü­che­rei im Korn­haus sein – und ganz be­stimmt dar­über spre­chen.

Die Aus­stel­lung „Kunst für al­le“der Ju­gend­kunst­schu­le Wan­gen und ih­rer Ko­ope­ra­tio­nen mit der Ber­ger-Hö­he-Schu­le und der Ge­mein­schafts­schu­le ist von Di­ens­tag, 29. No­vem­ber, bis zum 23. De­zem­ber in der Stadt­bü­che­rei im Korn­haus zu se­hen. Öff­nungs­zei­ten sind am Di­ens­tag und Don­ners­tag von 11 bis 18.30 Uhr, am Mitt­woch und Frei­tag von 9 bis 18.30 Uhr und am Sams­tag von 9 bis 13 Uhr.

FO­TO: WE­BER

FO­TO: WE­BER

Me­reym (vor­ne) und Ell­za ge­nie­ßen die Dop­pel­stun­de in Sa­chen Kunst. Bei­de sind sie Teil ei­nes vom Lan­des­ver­band der Kunst­schu­len Ba­den Würt­tem­berg fi­nan­zier­ten Pro­jek­tes, bei dem Kin­der mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund sprach­li­che Aus­drucks­fä­hig­keit und Selbst­ver­trau­en auch über Kunst und Krea­ti­vi­tät er­ler­nen sol­len.

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