Bert­hold Bü­che­les er­götz­li­cher Spa­zier­gang durch Schloss Ach­berg

Def­ti­ge Lie­der und ele­gan­te Tän­ze aus dem ba­ro­cken Ober­schwa­ben

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - GEMEINDEN -

ACH­BERG - Ei­nen Schloss-Spa­zier­gang mit ober­schwä­bi­scher Ba­rock­mu­sik, zu­gleich ei­nen ap­pe­tit-an­re­gen­den Streif­zug durch das Le­ben im Ba­rock in Ober­schwa­ben und am Bo­den­see hat Bert­hold Bü­che­le auf Schloss Ach­berg auf kon­ge­nia­le Art und Wei­se ver­mit­telt.

Oben im Rit­ter­saal hat er, fein aus­staf­fiert als Mu­si­kus am ba­ro­cken Hof, sei­ne „wohl­löb­li­chen Gäs­te“im Na­men sei­nes Herrn be­grüßt. Bei der Hit­ze an die­sem herr­li­chen Mai­sonn­tag weckt der An­blick von Ge­wand und Pe­rü­cke auch ein we­nig Er­bar­men.

Bü­che­le ver­spricht ei­ne Rei­se durch die ober­schwä­bi­sche Kul­tur­land­schaft und ser­viert im­mer wie­der ei­nen Aus­blick in die Zu­kunft 300 Jah­re spä­ter, sprich in un­se­re Ge­gen­wart. Fes­te wie das ima­gi­nä­re, des­sen Gäs­te wir sind, dau­er­ten an ober­schwä­bi­schen Hö­fen durch­aus ei­ne Wo­che lang. Es wur­de eif­rig ge­ges­sen, ge­trun­ken und ge­tanzt. Na­se­rümp­fend blickt der fei­ne Mu­si­kus von der ge­wohn­ten Ele­ganz der Tän­zer auf das „un­ge­ho­bel­te Ge­hup­fe in schlam­pi­gen Klei­dern“in 300 Jah­ren. Ein Trink­lied aus der Os­tra­cher Lie­der­hand­schrift und ein Kon­tratanz des Deut­schor­dens-Kom­po­nis­ten Jo­sef La­cher las­sen die Ba­rock­zeit le­ben­dig wer­den. Bert­hold Bü­che­le, seit Jahr­zehn­ten ein lei­den­schaft­li­cher Er­for­scher der Ba­rock­mu­sik, schöpft hier aus dem Vol­len und ver­steht es, sei­ne Freu­de und Be­geis­te­rung so zu ver­mit­teln, dass sie an­steckt.

In den Klös­tern ging es da­mals nicht nur fromm zu

Auf den Rit­ter­saal folgt als nächs­te Sta­ti­on die Schloss­ka­pel­le und da­mit die ba­ro­cke Sa­kral­land­schaft. Ein fest­li­ches Te De­um von Abt Ni­ko­laus Fet­scher aus dem Klos­ter Rot an der Rot wird per CD ein­ge­spielt. Ein Mu­sik­stück zur Wand­lung, das dem Deut­schor­dens-Kom­tur ge­wid­met war, spielt Bü­che­le auf der Gei­ge, zu­sam­men mit Ernst Gr­ei­n­ach­er an der Gi­tar­re, der auch sei­ne Lie­der be­glei­tet. Dass es in den Klös­tern nicht nur fromm zu­ging, ver­ra­ten Lie­der aus der Os­tra­cher Lie­der­hand­schrift, ei­ner kul­tur­ge­schicht­li­chen Kost­bar­keit. Bis­wei­len recht def­tig ge­ben sie Ein­bli­cke in die Zeit, so auch das Lied „Wia goht es au im Klosch­ter zua“, das Bü­che­le mit mäch­ti­gem Bass zum Bes­ten gibt.

In der Ta­fel­stu­be er­in­nert der Mu­si­kus an das ba­ro­cke Le­ben in den Städ­ten. Als „un­mä­ßi­ge Fraß­lust“ver­damm­te ein Mönch üb­li­che Me­nüs mit zwölf Gän­gen, aber „gu­ten Wein und zar­te Spei­sen will ich dir ver­bie­ten nicht“. Und wie­der er­klingt auf Gei­ge und Gi­tar­re ein Tanz, ein „Schlei­fer“des Mem­min­ger Kom­po­nis­ten Christoph Rheineck. Zu­letzt ging es hin­ab in den herr­lich küh­len Kel­ler. Der Bo­den­see­wein hat­te da­mals, ganz im Ge­gen­satz zu heu­te, gar kei­nen gu­ten Ruf. Im­mer­hin preist ein Lied der Os­tra­cher Hand­schrift sei­ne Vor­zü­ge ge­gen­über dem un­ge­sun­den Was­ser, in dem schon vie­le er­sof­fen sei­en. Ein Me­nu­ett aus ei­ner dörf­li­chen Mu­sik­hand­schrift zeig­te, dass auch die Bau­ern die hö­fi­sche Mu­sik zu imi­tie­ren such­ten. Ein letz­tes Lied pries den Wein: „Ein Kuss ist süß, doch sü­ßer noch der Wein.“

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Ba­ro­cke Le­bens­art hat Bert­hold Bü­che­le beim Schloss-Spa­zier­gang in Schloss Ach­berg ver­gnüg­lich ver­mit­telt.

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