Gaf­fer be­hin­dern Not­arzt

30-Jäh­ri­ge schnei­det sich im Fried­richs­ha­fe­ner Ufer­park Puls­adern auf

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION - Von Tan­ja Po­i­mer

FRIED­RICHS­HA­FEN - Dreis­ter geht es kaum: Als ein Not­arzt, Ret­tungs­kräf­te und die Po­li­zei am Mitt­woch um et­wa 21 Uhr im Fried­richs­ha­fe­ner Ufer­park ei­ner Frau hel­fen woll­ten, die sich of­fen­bar die Puls­adern auf­ge­schnit­ten hat­te, sind sie von et­wa zehn Schau­lus­ti­gen bei ih­rem Ein­satz be­hin­dert wor­den. Die Po­li­zei sprach meh­re­re Platz­ver­wei­se aus, die ei­ne 55-Jäh­ri­ge aber nicht be­ein­druckt ha­ben sol­len. Ge­gen sie wur­de ein Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Die Gaf­fe­rin zog sich erst dann meh­re­re Me­ter zu­rück, nach­dem die Po­li­zei an­ge­droht hat­te, sie mit­zu­neh­men, be­rich­te­te Pres­se­spre­cher Fritz Be­zik­o­fer von der zu­stän­di­gen Po­li­zei­di­rek­ti­on Kon­stanz am Don­ners­tag auf SZ-Nach­fra­ge. Als Be­grün­dung ha­be die 55-Jäh­ri­ge ge­nannt: „Ich ma­che nichts und will schau­en.“

Psy­chisch vor­be­las­tet

Das Pro­blem: Der Men­schen­auf­lauf ver­setz­te die 30-Jäh­ri­ge, die psy­chisch vor­be­las­tet sein soll und sich selbst ver­letzt hat, dem Po­li­zei­spre­cher zu­fol­ge zu­sätz­lich in Auf­ruhr. Die Frau soll zu­vor in ei­ner öf­fent­li­chen Toi­let­te an der Ufer­stra­ße ei­ne Fla­sche zer­schla­gen, sich mit den Scher­ben die Puls­adern auf­ge­schnit­ten und im An­schluss auf ei­ne an­gren­zen­de Wie­se ge­legt ha­ben. Pas­san­ten wur­den auf die schrei­en­de 30Jäh­ri­ge auf­merk­sam und schlu­gen Alarm. Die jun­ge Frau ha­be schon mehr­fach ver­sucht, sich et­was an­zu­tun und sei den Ret­tungs­kräf­ten be­kannt, sag­te Fritz Be­zik­o­fer.

Beim Ver­such, die sich auf dem Bo­den win­den­de 30-Jäh­ri­ge zu fi­xie­ren, um ihr ein Be­ru­hi­gungs­mit­tel zu ver­ab­rei­chen, soll sie den Not­arzt an­ge­spuckt und in den Fin­ger ge­bis­sen ha­ben. Po­li­zis­ten, die in­zwi­schen eben­falls her­bei­ge­ru­fen wor­den wa­ren, schaff­ten es laut Po­li­zei­spre­cher schließ­lich, sie mit Fuß­fes­seln fest­zu­set­zen, so­dass ihr ein ent­spre­chen­des Me­di­ka­ment ge­spritzt wer­den konn­te. Die Ver­let­zun­gen, die sie sich mit den Scher­ben zu­ge­fügt hat­te, sei­en ober­fläch­lich ge­we­sen.

Nicht ge­ra­de hilf­reich sei ge­we­sen, dass et­wa zehn Schau­lus­ti­ge das Gan­ze of­fen­sicht­lich aus nächs­ter Nä­he, näm­lich aus ei­nem Ab­stand von et­wa ei­nem Me­ter, be­trach­ten woll­ten und da­bei auch noch „blö­de Kom­men­ta­re“ab­ga­ben, wie der Po­li­zei­spre­cher mit­teil­te. Den ge­nau­en Wort­laut konn­te Fritz Be­zik­o­fer zwar nicht nen­nen. Doch sei es dar­um ge­gan­gen, dass sich die Gaf­fer mit dem für sie ver­meint­li­chen Op­fer so­li­da­ri­sier­ten und Not­arzt und Po­li­zis­ten bei dem Ver­such, die 30-Jäh­ri­ge am Bo­den zu fi­xie­ren, ent­spre­chend at­ta­ckier­ten.

Buß­geld­ver­fah­ren läuft

Der Po­li­zei­spre­cher: „Das ist ein Phä­no­men, das vor al­lem bei Un­fäl­len im­mer häu­fi­ger auf­tritt. Die Leu­te wol­len in der ers­ten Rei­he da­bei sein, aber hel­fen wol­len sie nicht.“Zu­dem sei bei Pro­ble­men im Fried­richs­ha­fe­ner Ufer­park im­mer wie­der auch Al­ko­hol im Spiel. Mas­si­ve Platz­ver­wei­se hät­ten die dreis­te Ver­samm­lung auf­ge­löst. Üb­rig blieb die 55-Jäh­ri­ge, die erst nach drei wei­te­ren Auf­for­de­rung und der An­dro­hung von ei­nem so­ge­nann­ten Be­sei­ti­gungs­ge­wahr­sam be­reit war, ih­re Be­ob­ach­tun­gen aus et­wa 50 Me­tern Ent­fer­nung fort­zu­füh­ren, wie Fritz Be­zik­o­fer aus­führt. Die Fol­ge: ein Buß­geld­ver­fah­ren we­gen Nicht­be­ach­tung des aus­ge­spro­che­nen Platz­ver­wei­ses.

FO­TO: PR

„Ich ma­che nichts und will schau­en“: Die Be­hand­lung ei­ner 30-Jäh­ri­gen, die sich im Häf­ler Ufer­park die Puls­adern auf­ge­schnit­ten hat, ge­stal­tet sich für die Ret­tungs­kräf­te schwie­rig. Ein gro­ßes Pro­blem: Gaf­fer.

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